Fischer fordern Reduzierung des Bestands Biber holzen an der Isen ab

Etwa 50 Jahre alte Eichen an der Isen zwischen Dorfen und Oberdorfen, die der Biber im Winter 2016/17 angenagt hat.

(Foto: Daller)

Das Naherholungsgebiet zwischen Dorfen und Oberdorfen ist in diesem Winter erstmals massiv betroffen. Die Tiere haben sich offenbar vermehrt. Punktuell sollen Bäume mit Zaungittern ummantelt werden

Von Thomas Daller, Dorfen

Seit mehr als zehn Jahren hat sich ein Biber das Naherholungsgebiet an der Isen zwischen Dorfen und Oberdorfen als Revier auserkoren. Im Sommer hat er sich von Gras und Mais ernährt und im Winter ein paar Jungbäume gefällt und abgefieselt. Doch diesen Winter hat er entlang der Ufer einen noch nie dagewesenen Schaden hinterlassen: Alle paar Meter sind die Stämme von großen, 40, 50 oder 60 Jahre alten Bäumen so massiv angenagt worden, dass sie ihren Wasserhaushalt nicht mehr regulieren können und austrocknen werden. Ganze Baumgruppen sind geschädigt. Neben Schwarzerlen, die den Ufersaum dominieren, hat der Biber auch alte Eichen nicht verschmäht. Der Fischereiverein, der die Isen in diesem Abschnitt gepachtet hat, geht davon aus, dass der bislang ansässige Biber Gesellschaft von zugewanderten Artgenossen bekommen hat. Zusammen mit dem Biberfachberater haben sie bereits einige Stämme mit Drahtzaun ummantelt. Aber alle großen Bäume lassen sich auf diese Weise nicht schützen, der Zeitaufwand wäre zu groß. Außerdem monieren die Fischer, dass das nicht ihre Aufgabe sein könne. Sie fordern eine Reduzierung des Biberbestandes und wollen sich noch in dieser Woche an die Stadt Dorfen, die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt sowie an das Wasserwirtschaftsamt wenden.

In all den Jahren, in denen der Biber bislang in diesem Revier ansässig war, hielten sich die Schäden, die insbesondere im Winter auftreten, in überschaubaren Grenzen. Immer wieder einmal fiel zwar auch ein größerer Baum in die Isen und musste entfernt werden. Der Bestand insgesamt war jedoch nie gefährdet, weil genügend junge Bäume nachwuchsen. In diesem Winter sieht es anders aus, weil erstmals viele große, markante Bäume, die das Landschaftsbild an der Isen prägen, durch massiven Fraßschaden betroffen sind. Hinzu kommt, dass der Baumbestand an der Isen bereits vorgeschädigt ist. Um die Jahrtausendwende hat eine eingeschleppte Pilzart der Gattung Phytophthora bei etwa einem Drittel der Schwarzerlen die so genannte Wurzelhalsfäule verursacht, an der die Bäume sterben. Kahle Baumleichen aus dieser Zeit sind an der Isen keine Seltenheit. Wenn der oder die Biber noch ein, zwei Winter weiter solche Schäden verursachen, werden Totholzgerippe das Naherholungsgebiet maßgeblich prägen. Das mag für Spechte ein Paradies sein, ansonsten ist es ökologisch bedenklich. Bachforellen beispielsweise benötigen beschattete Bäche und Flüsse. Das hängt zum einen mit der Wassertemperatur zusammen, zum anderen können sie einen Sonnenbrand bekommen, der meist tödlich verläuft.

Hermann Königbauer, Gewässerwart der Landshuter Fliegenfischer, die die Isen ab der Pferdekoppel bei Dorfen und flussaufwärts fast bis Anning gepachtet haben, weiß sich keinen Rat mehr: Er hat zwar zusammen mit dem zuständigen Biberfachberater Rudolf Erlacher bereits ein paar betroffene Bäume mit Zaungitter ummantelt und soll kostenlos weitere Zaunrollen erhalten. Er sieht sich jedoch außerstande, diese Maßnahme auf die gesamte Pachtstrecke anzuwenden: "Ich kann mir deswegen nicht eine ganze Woche Urlaub nehmen", sagte Königbauer. Darüber hinaus liege der Schutz der Isen nicht allein in der Verantwortung der Fischer. Schließlich dienten die Bäume auch dem Uferschutz gegen Erosion und umstürzende Bäume seien eine Gefahr für Fußgänger im Naherholungsgebiet. Nicht zuletzt seien auch Bäume, die in die Isen fallen, ein Problem, wenn die Isen, wie so häufig, wieder mal Hochwasser führe.

Biberfachberater Erlacher geht ebenfalls davon aus, dass es sich mittlerweile um mehrere Biber handelt. Von Fang oder Abschuss der Tiere hält er nicht viel; ohnehin sei von 15. März bis zum Herbst Schonzeit, weil Biber in dieser Zeit ihren Nachwuchs aufzögen. Außerdem würden freie Reviere durch eine Bestandsregulierung umgehend von anderen Jungbibern wieder besetzt. Das sei erfahrungsgemäß nur eine vorübergehende Lösung. Die einzige sinnvolle Maßnahme ist seines Erachtens, alle schützenswerten oder landschaftsprägenden Solitärbäume mit Zaungitter zu ummanteln. Das könne man im Frühjahr und Sommer tun, wenn sich die Biber überwiegend vom Mais ernähren. Im Winter stünden ihnen dann immer noch Haselnussbüsche und Weidengestrüpp als Nahrung zur Verfügung.