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Brauchtum:So hat sich der Klau des Viktualienmarkt-Maibaums zugetragen

maibaum

Nacht- und Nebelaktion: Vergleichsweise problemlos ist es den drei Burschenvereinen gelungen, den Maibaum aus einer Halle in der Nähe von Aying zu stehlen.

(Foto: oh)

80 Mann, einen Geländewagen und einen Tipp: Viel mehr brauchten die drei Burschenvereine aus dem Münchner Umland nicht, um den wohl bekanntesten Maibaum der Stadt zu klauen.

Interview von Regina Bluhme, Finsing

Wer Stephan Huber erreichen will, der muss Geduld haben. "Bei mir scheppert schon den ganz Tag das Telefon", sagte der 23-jährige Vorsitzende des Burschenvereins Neufinsing. Kein Wunder, denn zusammen mit den Burschenvereinen Ismaning und Unterföhring ist den Neufinsingern ein Coup gelungen: Sie haben in der Nacht von Sonntag auf Montag den Maibaum des Vereins der Münchner Brauereien gestohlen, der am Viktualienmarkt aufgestellt wird.

SZ: Herr Huber, Sie sind derzeit aber sehr schwer zu erreichen.

Stephan Huber: Ja, da haben Sie jetzt echt Glück gehabt. Den ganzen Tag schon rufen mich alle möglichen Zeitungen an und wollen über den Maibaumklau berichten. Viel Zeit habe ich nicht, denn ich muss gleich wieder weg und den Maibaum bewachen.

Wie sind Sie denn auf die Idee gekommen, gerade diesen prominenten Baum zu stehlen?

Die Idee stand schon länger im Raum. Wir wollten mal einen ganz besonderen Baum stehlen, das ist halt mal ein besonderer Reiz. Für uns ist das ein Highlight-Baum. Aber dass die Sache solche Wellen schlägt, das haben wir nicht gedacht.

Wie haben Sie denn von dem Versteck erfahren?

Ich sag es mal so: Die Information ist durchgesickert und dann haben wir uns festgebissen.

Erzählen Sie mal, wie lief der Diebstahl des Baums der Münchner Brauereien ab? Der war doch garantiert gut gesichert.

Die Halle war mit einem großen Gewicht versperrt. Dafür haben wir extra ein Gestell gebaut, damit wir das Gewicht leichter wegzerren konnten. Dann mussten wir den Baum noch über eine Rampe bugsieren. Der Baum wiegt vier bis fünf Tonnen, das war nicht einfach.

Und der Abtransport?

Erst haben wir ihn auf eine Zugmaschine verladen, die wir an einem Geländewagen befestigt hatten. Ein Geländewagen ist nämlich leiser, später ging es mit dem Bulldog weiter. Vier Stunden später waren wir in Neufinsing.

Klingt ganz schön aufregend.

Puls und das Adrenalin waren ganz oben. Aber das ist immer so beim Maibaumklauen.

Wie viele Diebe waren eigentlich beteiligt?

80 Leute waren wir, und da muss jeder Handgriff sitzen. Je nach Baum müssen verschiedene Hindernisse überwunden werden, der Transport muss funktionieren und vor allem braucht es Manneskraft.

Und jetzt liegt der Baum irgendwo in Neufinsing und wird rund um die Uhr bewacht.

Genau. Wir machen das zusammen mit den Burschenvereinen aus Ismaning und Unterföhring und wir sind Tag und Nacht vor Ort. Inzwischen haben wir ihn auch genau nachgemessen: Der Baum ist exakt 34,5 Meter lang.

Warum hat der Verein der Münchner Brauereien seinen Baum nicht auch persönlich bewacht?

Ich glaube, die waren sich einfach zu sicher, dass niemand ihr Versteck findet. Und das Gewicht vor der Halle hatte es auch wirklich in sich.

Wie laufen denn die Ablöse-Verhandlungen mit dem Maibaumbesitzern?

Die beginnen demnächst. Wir hoffen schon, dass ein paar Liter Bier und eine gescheite Brotzeit für alle 80 Beteiligten rausspringen. Es ist ja niemand grantig deswegen - Maibaumstehlen ist halt Tradition. Aber vielleicht ist es schon gut, dass wir nicht noch mehr Helfer organisiert haben, sonst hätte es vielleicht doch Probleme bei der Ablösesumme gegeben.

© SZ vom 12.04.2017
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