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Feuerwehren im Landkreis Erding:Kameradschaft und Übungen fehlen "brutal"

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Feuerwehrübungen wie auf diesem Archivbild finden coronabedingt derzeit nicht statt. Die Aktiven treffen sich nur noch zu Einsätzen. Auch sie sehnen sich wieder nach Normalität.

(Foto: Privat)

Bei Einsätzen kommen die Feuerwehren mit den Corona-Auflagen gut zurecht. FFP2-Masken und Desinfizieren der Kontaktflächen ist nur "lästig". Alles rund um "Teambuilding" wird aber schmerzlich vermisst

Von Thomas Daller, Erding

Corona geht auch den Freiwilligen Feuerwehren allmählich auf den Wecker: Einsätze mit FFP2-Masken und das Desinfizieren aller Kontaktflächen im Fahrzeug und an den Gerätschaften ist lediglich lästig, aber halb so wild. Ärgerlich ist allerdings, dass Übungen und Fortbildungen ausfallen müssen und damit die Ausbildung neuer Mitglieder gebremst wird. Besonders bedauerlich sei aber auch, dass man sich nicht mehr nach Übungen oder Einsätzen mal zusammensetzen und sich austauschen kann. "Das gehört zum Teambuilding einfach dazu", sagt Kreisbrandrat Willi Vogl.

Bei den Einsätzen tragen die Feuerwehrler alle einen Mund-Nasen-Schutz beziehungsweise eine FFP2-Maske und desinfizieren sich die Hände. Das gehört zum bayernweiten Hygienekonzept des Landesverbandes. Und nach dem Einsatz werden alle Kontaktflächen in den Einsatzfahrzeugen und an den benutzten Geräten desinfiziert. "Damit haben wir bereits im März begonnen", sagt Willi Vogl, und den Feuerwehren sei auch das benötigte Material zur Verfügung gestellt worden. Vogl wies zudem darauf hin, dass man auch die Anzahl der Sitzplätze in den Einsatzfahrzeugen nicht ausreize, um Abstand halten zu können. Corona-Schnelltests werden nicht verwendet, weil das nicht sinnvoll sei, sagte Vogl: "Wir können ja nicht vor dem Einsatz einen Schnelltest machen und dann eine Viertelstunde warten, bis das Ergebnis angezeigt wird."

Mit diesem Konzept sei man bisher gut durch die Pandemie gekommen, stellt auch der Landesverband der Feuerwehren fest. Im Landkreis Erding haben sich bislang auch noch keine Feuerwehrler bei Einsätzen infiziert, sagt Vogl. Aber eine Gruppe von vier Mitgliedern einer Führungsgruppe habe sich angesteckt, als man ein neues Feuerwehrfahrzeug abholte und nach Hause überführte. "Die Feuerwehr war dennoch weiter einsatzbereit", betonte der Kreisbrandrat: "Toi, toi, toi."

Auch wenn sich eine Ortsfeuerwehr infizieren sollte, gebe es einen Plan B. Dann übernehmen die benachbarten Wehren ihre Aufgaben. "Da genügt ein Knopfdruck", sagt Vogl. "Wenn sie ausfällt, setze ich sie auf Status sechs. Damit ist sie außer Betrieb und die Einsatzmittelkette wird von anderen Feuerwehren übernommen." Das habe man nicht erst seit Corona eingeführt, sondern werde auch so gehandhabt, wenn ein Fahrzeug außer Betrieb sei, erklärte der Kreisbrandrat.

Um vor allem junge Feuerwehrler bei der Stange zu halten, wäre es gut, wenn man wieder Übungen abhalten, die Landkreisausbildung fortsetzen oder Lehrgänge an den drei staatlichen Feuerwehrschulen Geretsried, Regensburg und Würzburg besuchen dürfte, sagt Vogl. Er hoffe, dass man im März die Landkreisausbildung wieder mit einem bereits erstellten Notprogramm starten könne, wenn es die Infektionszahlen hergeben. "Lieber ein paar Lehrgänge weniger als gar nichts". Schließlich decke man damit eine ziemlich große Bandbreite vom Atemschutz bis zum Maschinisten ab.

Die Corona-Pandemie habe zudem alle sozialen Aktivitäten in den Feuerwehren gestoppt. Die Aktiven treffen sich nur noch zu Einsätzen. Was bei der Feuerwehr den Zusammenhalt ausmache, sei die Kameradschaft. Deswegen seien die Leute motiviert und das fehle jetzt, sagt Vogl. "Das geht uns ganz brutal ab." Deswegen appelliere er an alle Mitbürger, sich an die Auflagen zu halten, damit man Corona so schnell wie möglich hinter sich bringen könne. Wenn alle mitmachen, gehe es umso schneller.

© SZ vom 26.01.2021
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