Festakt in der Volkshochschule Verlorene Identitäten aufgespürt

Zur Buchvorstellung haben sich die Beteiligten (von links) Dominik Reither, Elke Abstiens, Christine Fößmeier, Karl Rausch und Günther Strehle bei einem Festakt in Moosburg getroffen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Der Verein Stalag Moosburg gibt ein Buch heraus, das sich mit dem Schicksal sowjetischer Kriegsgefangener befasst

Von Karl-Heinz Jessensky, Moosburg

Im Zweiten Weltkrieg gab es in Moosburg ein riesiges Kriegsgefangenenlager, das Stalag VII A. Unter den etwa 80 000 Kriegsgefangenen bei Kriegsende waren auch 11 000 sowjetische. Sie hatten besonders zu leiden gehabt, denn die Nazi-Ideologie bezeichnete die "Bolschewisten" als Untermenschen. Ihr Schicksal hat nun die Verantwortlichen des Vereins Stalag Moosburg zur Herausgabe eines Buches mit dem Titel "Auf den Spuren verlorener Identitäten" veranlasst. Es wurde am Samstag bei einem Festakt in der Volkshochschule vorgestellt. Vier Konsuln und Generalkonsuln aus ehemaligen Sowjetstaaten waren zu Gast, der Seniorenchor "DOM" aus Landshut und russische Musik- und Gesangskünstler aus München.

Die Idee zu einer Veranstaltung, die sich mit Leben, Leiden und auch Sterben sowjetischer Kriegsgefangener im damaligen Stammlager der Deutschen Wehrmacht Stalag VII A beschäftigte, hatte der Ehrenvorsitzende des Vereins Stalag Moosburg, Herbert Franz, Moosburger Bürgermeister von 1978 bis 1984 gehabt. Aus seiner Idee ist ein umfassendes Buch geworden, das sich erfolgreich bemüht, aus den sowjetischen Kriegsgefangenen aus dem Stalag VII A mit ihren eindeutigen Erkennungsnummern wieder Menschen mit Gesicht und Identität zu machen.

Akribische Buchhalter waren die Nazis, und so gab und gibt es Listen und Karteien genug, um im Grunde jedes Einzelschicksal klären zu können. Die Sisyphusarbeit, die sich der pensionierte Gymnasiallehrer Karl Rausch aufgetan hat, bestand "nur" darin, unermüdlich diese Listen aufzuspüren. Bis in KGB-Aufzeichnungen wurde Rausch fündig. Ein ansprechendes Gesicht hat der Stalag-Vereinsvorsitzende Günther Strehle dem Buch gegeben; die Journalistin und Kunsthistorikerin Christine Fößmeier hat die umfassenden Bilddokumente beigetragen, die auch in der Ausstellung nun noch bis 23. März in der Aula der Volkshochschule zu sehen sind.

Der Historiker und Jurist Dominik Reither bestreitet allein 160 der insgesamt über 300 Seiten des Buches. Er hat die Lebensumstände der sowjetischen Gefangenen im Stalag und im Arbeitseinsatz untersucht und mit denen in anderen Lagern verglichen. Dass daraus der Hauptteil des Buchs geworden ist, ist der akribischen Recherchearbeit Reithers und von Elke Abstiens zu verdanken, die sich nicht nur auf das Stadtarchiv beschränkten, sondern vielfältige Außenkontakte knüpften - unter anderem mit dem Verband Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der Gedenkstätte Flossenbürg und mit dem Historiker Reinhard Otto, der viele Abhandlungen über Kriegsgefangenenlager geschrieben hat und sich nun bei dem Festakt in einem umfassenden Vortrag mit dem Lager in Moosburg, dem Schicksal von dessen Insassen und den Lehren für die Zukunft beschäftigte. "Auf den Spuren verlorener Identitäten" ist für Otto ein Meisterwerk.

Der CSU-Bundestagsabgeordnete Erich Irlstorfer bekam nach seinem Grußwort viel Applaus, als er versprach, für jede Schule im Landkreis Freising ein Exemplar des Buchs zu spendieren. Es ist beim Verein, im Buchhandel und sogar als E-Book erhältlich. Moosburgs Bürgermeisterin Anita Meinelt, die in ihrem Grußwort auch auf die Bedeutung des Stalag für die nachfolgende Entwicklung der Stadt Moosburg verwies, nannte es "höchst professionell", "hervorragend" und Emotionen weckend.