Süddeutsche Zeitung

Ernährungsdebatte:Metzger setzen auf Qualität

Die Debatte um die richtige Ernährung wird auch an der Fleischtheke geführt. Die Metzgerbetriebe im Kreis Erding reagieren - und wollen künftig besser beraten.

Die handwerklichen Metzgerbetriebe im Landkreis Erding starten eine Imagekampagne in eigener Sache: Die Diskussion über Ernährung und die Kritik an der industriellen Schlachtung wollen die Metzger nutzen, um für ihre eigenen Produkte zu werden und die Verbraucher auf die hohe Qualität ihres Fleisches aufmerksam machen. Der Aufruf zur "besseren Vermarktung der eigenen Vorteile" zog sich wie ein roter Faden durch das Jahrestreffen der Metzgerinnung Erding.

Der Verbraucher sei verunsichert und verlange immer mehr Aufklärung über "das Essen auf seinem Teller", sagte der einstimmig zum neuen Obermeister gewählte Christian Huber. Aus diesem Grund müssten die Metzger mehr in ihre Mitarbeiter im Verkauf investieren. Nur so könne man eine bessere Beratung sichern und die Vorteile einer eigenen Schlachtung ausspielen: "Wir müssen für den Kampf an der Verkaufstheke gerüstet sein", so Huber. Der "Kampf" richtet sich vor allem gegen die industriellen Schlachtbetriebe.

Bei Großunternehmen würden häufig Mängel bei der Betäubung der Tiere auftreten, sagte der ehemalige Obermeister Ludwig Stuhlberger. Gerade der schonende Transport und die nötige Aufmerksamkeit, die den Tieren bei der Betäubung geschenkt werde, seien Vorteile der handwerklichen Schlachterei, so Stuhlberger. Diese Vorteile würden sich auch in der Qualität des Fleisches niederschlagen: "Und das muss an der Verkaufsfront vermarktet werden." Mit ihrem Aufruf an ihre Metzger reagiert die Innung auf Berichte in den Medien wie die ARD-Themenwoche rund um die Ernährung: Eine Woche lang hatte Ende Oktober das Thema Essen die Programme der ARD-Sender beherrscht.

Diese Aufklärung sieht der Kreishandwerksmeister Rudolf Waxenberger als Grund für das gestiegene Interesse der Kunden an Qualität. Preislich hätten die kleinen Metzgereien zwar keine Chance gegen die Industrie, sagte er. Doch liege die Stärke des Handwerks ja gerade in der Qualität.

Einstimmig gewählt

Voraussetzung hierfür sei jedoch, dass die gute Ausbildung in ihrer jetzigen Form beibehalten werden müsse, so Waxenberger. Deswegen sollten sich die Metzger für die Aufrechterhaltung der Meisterpflicht einsetzen: "Bei allen Handwerken, die ihre Meisterpflicht verloren haben, ist ein dramatischer Einbruch der Qualität aufgetreten." Im Interesse einer guten Ausbildung sollten sich die Metzger nach Waxenbergers Ansicht auch gegen die Einführung der Blockschule wehren. Auch Stuhlberger kritisiert den Blockunterricht: Gerade für kleine Betreibe sei es schwierig, wenn Lehrlinge bis zu sechs Wochen fehlen würden. Dies könnte dazu führen, dass weniger Meisterbetriebe ausbilden.

Schon jetzt gibt es Nachwuchsprobleme im Metzgerhandwerk. Der neue Obermeister Christian Huber, der vorher bereits als Lehrlingswart tätig war, fordert eine bessere Nachwuchsförderung an den Schulen. Dennoch und trotz aller Nachwuchsprobleme dürfe man nicht einfach "jeden nehmen", sagt Huber.

Die Wahlen zum Obermeister verliefen einstimmig. Er sei froh, sagte Huber, dass er ein junges Team habe. In Peter Schichtl, 37, und Manfred Rampf, 35, sind zwei junge Meister in den Vorstand gewählt worden. Auch dass in Renate Hofacker eine Frau im Vorstand sei, freue ihn. Stuhlberger wurde zum stellvertretender Obermeister gewählt.

In einer Diskussion wurden Beschwerden über die "Unzahl an Verordnungen aus der Europäischen Union" laut. Das Problem sei, dass jeder Kontrolleur etwas anderes als wichtig erachte. Unmut herrschte auch darüber, dass der Betrieb die Kosten für die "Nachkontrolle zur EU-Zulassung" selbst tragen müsste.

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Quelle:
SZ vom 15.11.2010/tob
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