Ermittlungen der Kripo Erding:Kriminalistische Gülle-Duchsuchung

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Ermittlungen der Kripo Erding: Die Gülle wurde am Tatort in vier großen orangen Schuttcontainern zwischengelagert. Keine ganz gute Idee, ein Teil der Brühe lief aus.

Die Gülle wurde am Tatort in vier großen orangen Schuttcontainern zwischengelagert. Keine ganz gute Idee, ein Teil der Brühe lief aus.

(Foto: Renate Schmidt)

Zur Aufklärung der Todesumstände des 63-jährigen Landwirts, der vor drei Wochen tot in seiner Odelgrube gefunden wurde, lässt die Polizei dieselbe auspumpen und mehrere Kubikmeter Jauche durchsieben

Von Florian Tempel, Bockhorn

Ist es ein echter Tatort oder doch nur der Schauplatz eines Unglücks? Der Zugang zu dem Hof im kleinen Dorf Breitasch, das zur Gemeinde Bockhorn gehört, ist weiterhin mit dem üblichen rot-weißem Plastikband abgesperrt. Am Rand der seitlichen Zufahrt, rechts am Anwesen vorbei nach hinten, dort wo sich die offene Odelgrube befindet, stehen vier große orangefarbene Schuttcontainer. In der vergangenen Woche wurden sie zwischenzeitlich von der Kripo Erding gebraucht bei ihren Ermittlungen zum ungeklärten Tod des 63-jährigen Alois S. Eine Spezialfirma hat mehrere Kubikmeter Jauche aus der Odelgrube, in der der Landwirt und Hilfsarbeiter vor bald drei Wochen tot aufgefunden worden war, abgepumpt und nach Gegenständen durchsiebt.

Das war sicher keine schöne Arbeit, aber wohl ein notwendiger Beitrag zur Aufklärung der ungeklärten Todesumstände. Die Nachbarn im Dorf mussten freilich geruchsmäßig einiges aushalten - auch weil einiges daneben ging. Die Zwischenlagerung der Jauche im Container erwies sich als keine so ganz gute Idee, da nicht unerheblich viel der stinkenden Brühe auslief. Die Freiwillige Feuerwehr Kirchasch musste anrücken und die Sauerei eindämmen. Welche Ergebnisse wenigstens die kriminalistisch Gülle-Durchsuchung gebracht hat, dazu schweigen die Ermittler.

Am Mittwoch, 19. Januar, sah es auf den ersten Blick so aus, als ob Alois S. beim Umfüllen von Jauche unglücklicherweise in die Odelgrube gestürzt wäre und sich nicht mehr selbst befreien konnte. Nach der Obduktion der Leiche änderte sich diese erste Einschätzung grundlegend. Die Kripo Erding ermittelt seitdem wegen des Verdachts auf ein Tötungsdelikt. Es ist naheliegend, dass die Rechtsmediziner verdächtige Verletzungen gefunden haben, wenngleich sich Polizei und Staatsanwaltschaft weiterhin nicht zu den Ergebnissen der Obduktion äußern.

Die rechteckige Odelgrube ist etwa acht mal neun Meter lang und weniger als zwei Meter tief. Es ist ein offenes Betonbecken, das nur unzureichend mit einem Bretterzaun abgeschirmt war. Das war eher nicht kindersicher, doch Kinder hätten sich wohl gar nicht auf den Hof getraut. Denn die Bewohner des heruntergekommenen Anwesens waren als Eigenbrötler bekannt. Die beiden waren alleinstehend und lebten seit ihrer Kindheit auf dem Hof. Die Landwirtschaft war auf den Bruder des Verstorbenen angemeldet, letzterer hat seit mehr als drei Jahrzehnten auch einen Job in einem Betrieb in Erding.

Eines kommt einem bei der Recherche zum noch ungeklärten Fall in Breitasch wieder ins Gedächtnis: Nur einen Kilometer Luftlinie entfernt wurde vor 14 Jahren, ebenfalls in einem heruntergekommenen Bauernhaus, ein eindeutiger Mord begangen. Am Ostermontag 2008 wurde der 48 Jahre alte Finanzbeamte Anton F. in seinem Haus mit einem Schuss aus einem Revolver in den Hinterkopf getötet. Der Ermordete lebte dort unter tristen Umständen. Auf seinem Anwesen gab es keine Toilette, sondern nur ein Plumpsklo auf dem Hof, nur einen einzigen Wasserhahn in der Küche, dafür viel Müll und Unordnung. Doch der äußere Schein trügte. Der ledige Sonderling war wohlhabend. Allein sein Wertpapierdepot hatte einen Wert von etwa 600 000 Euro. Umgebracht wurde er von einem kaltblütigen Arzt, der schon einmal aus Habgier einen Menschen umgebracht hatte und dafür bereits 17 Jahre im Gefängnis verbüßt hatte. Der als "Dr. Mord" bekannt geworden Täter wollte mit gefälschten Testamenten an das Vermögen seines Opfers herankommen.

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