Erding/Taufkirchen Ganz besonders empfindlich

Auch auf dem Dach der Kreisklinik in Erding stehen Funkmasten.

(Foto: Renate Schmidt)

Thomas Kleber will einen Verein für Elektrosensible und Mobilfunkgeschädigte gründen. Die Ärzte bleiben skeptisch

Von Regina Bluhme, Erding/Taufkirchen

Thomas Kleber aus Taufkirchen ist Mitglied im Münchner Verein für Elektrosensible und Mobilfunkgeschädigte und will nun eine Erdinger Aktionsgruppe gründen. Mit anderen Betroffenen will er über die Gefahren von Handynutzung und Mobilfunkanlagen aufklären und Schutzkonzepte einfordern. Dafür wirbt er auch an diesem Donnerstag im Kinocafé Taufkirchen, wo die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) den Dokumentarfilm "Thank you for calling" über Gesundheitsrisiken durch Mobilfunk zeigt. Elmar Gerhardinger, Vorsitzender des ärztlichen Kreisverbands, bleibt jedoch skeptisch. Er vermisst wissenschaftliche Beweise für den Zusammenhang zwischen Elektrosmog und einer Erkrankung.

Die Strahlung von Handys, Wlan oder Mobilfunkmasten könne bei Elektrosensiblen eine Krankheit hervorrufen, davon ist Kleber überzeugt. Er zählt auf: depressive Verstimmungen, Gedächtnis-, Konzentrations- oder Schlafstörungen, Tinnitus, Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Schwindel, Kopfweh, Migräne, Kribbeln und Brennen der Haut und Sehstörungen. Auch die Zunahmen von Verhaltens- und Entwicklungsstörungen von Kindern, wie ADHS, und das Burn-Out-Syndrom bei Erwachsenen seien dramatisch, "und sie fallen in die zurückliegenden Zeitabschnitte der Mobilfunktechnik."

Freilich sei nicht jeder gleich elektrosensibel, sagt der 49-Jährige. "Es trifft meist Menschen, die auch sensibel auf Chemikalien reagieren oder von Schwermetallen belastet sind." Sie hätte es zunehmend schwerer, auch in Taufkirchen. Kleber verweist auf die Mobilfunkantennen, die 2012 auf dem Kamin des Klinikums installiert worden sind. Zwei Jahre später kam die LTE-Anbindung hinzu, und "jetzt gehört die Gemeinde auch noch zur Pilotregion für das digitale Tetra-Mobilfunknetz für Behörden und Sicherheitseinrichtungen". Dazu käme der Ausbau der Wlan-Hotspots. "Nahezu 50 Funkantennen sich im Ort."

Dass es Menschen gibt, die sensibel auf Funkstrahlung reagieren, will der Allgemeinmediziner Gerhardinger nicht abstreiten. Und dass Handys "eine ordentliche Strahlung" abgeben können, sei nicht strittig. Nur: "Für einen Zusammenhang zwischen Handystrahlung und einer Krankheit gibt es nach derzeitiger Erkenntnis keine wissenschaftliche Beweise, und nach jetzigem Kenntnisstand dürfte ein Zusammenhang auch sehr unwahrscheinlich sein", sagt der Erdinger Arzt. Ein Zusammenhang zwischen einer Krankheit und elektromagnetischen Strahlen habe er "in den letzten 30 Jahren noch nicht erlebt."

Kleber verweist auf Studien aus USA und Österreich, die ihm zufolge ein höheres Tumorrisiko durch Mobilfunkstrahlung belegten. Mit der Aktionsgruppe wolle er aufklären und Betroffene zusammenbringen. Der Öffentlichkeit will er erklären, dass Elektrosensibilität "keine Einbildung ist, sondern eine ernstzunehmende Krankheit", die den Betroffenen die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben erschwere. Sie sollten als Behinderung eingestuft werden soll. Der Verein fordert, dass in Zügen ein mobilfunkfreies Abteil reserviert werden müsse und dass Busse und andere öffentliche Einrichtungen teilweise funkfrei sein sollten wie auch Schulen und Kindergärten. Darüber hinaus setzt sich der Verein für den Aufbau von strahlungsarmen Alternativnetzen ein.

Im Film "Thank you for calling" des Journalisten Klaus Scheidsteger geht es um die Sammelklage gegen Mobilfunkkonzerne vor dem Washington Superior Court in den USA, die 13 Gehirntumorpatienten oder Angehörige von Verstorbenen auf den Weg gebracht haben. Sie fordern 150 Millionen Dollar Schadensersatz pro Fall, insgesamt 1,9 Milliarden Dollar, wegen vorsätzlicher Täuschung durch die Konzerne, weil sie behaupteten, dass die Mobilfunktechnik keine Risiken zur Folge habe, wie es in einer Ankündigung heißt.

Der Film beginnt um 20 Uhr im Kinocafé. Der Regisseur und Thomas Kleber sind vor Ort. Weitere Informationen zu der Aktionsgruppe für Elektrosensible und Mobilfunkgeschädigte gibt es bei Thomas Kleber unter der E-Mail-Adresse ThomasKleber@web.de.