Fanclub in ErdingWo der Star ins Bierglas passt

Lesezeit: 3 Min.

Mitglieder stoßen auf das 30-jährige Bestehen des Fanclubs vom Erdinger Weißbräu an. Stilecht mit Bier, Weißwurst und T-Shirts mit Weißbräu-Logo.
Mitglieder stoßen auf das 30-jährige Bestehen des Fanclubs vom Erdinger Weißbräu an. Stilecht mit Bier, Weißwurst und T-Shirts mit Weißbräu-Logo.
Renate Schmidt
  • Der Erdinger Weißbräu Fanclub feiert sein 30-jähriges Bestehen mit 57 102 Mitgliedern aus 60 Ländern beim jährlichen Fantreffen in Erding.
  • Über 2000 Zusagen aus aller Welt gingen innerhalb von fünf Tagen ein, sodass die 300 Plätze ausgelost werden mussten.
  • Fans aus London, Holland und Deutschland feierten mit bayerischen Traditionen wie Weißwurstfrühstück, Fingerhakeln und Bierhumpenstemmen in der Erdinger Hütt'n.
Von der Redaktion überprüft

Diese Zusammenfassung wurde mit der Unterstützung einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt. Lesen Sie mehr über unseren Umgang mit KI.

Fanden Sie diese Zusammenfassung hilfreich?
Mehr Feedback geben

In aller Welt mundet bekanntlich das Weißbier aus Erding. In dessen Heimat sind seine Fans wieder zum alljährlichen Treffen zusammengekommen. Unter ihnen sogar ein „Bierfluencer“.

Von Regina Bluhme, Erding

SZ bei Google bevorzugen

Michael Sobolewski beobachtet kurz vor zehn Uhr vormittags die lange Schlange vor der Erdinger Hütt’n. Männer und Frauen jeden Alters in Tracht oder Poloshirt mit „Erdinger Weißbräu“-Logo warten geduldig auf den Einlass. Sobolewski hat alle Hände voll zu tun. Er ist nicht nur Leiter des Besucherzentrums der Privatbrauerei. Er ist auch Fanbeauftragter vom Erdinger Weißbräu. Das schließt die Betreuung des 57 102 Mitglieder zählenden Fanclubs mit ein. Eine Stelle, die wohl nur wenige Brauereien zu vergeben haben.

Eine solche Anzahl täte sich im Fußball „so mancher Bundesligist wünschen“, erklärt Sobolewski bei der offiziellen Begrüßung am Sonntag. Der Fanclub, der heuer auf dem Herbstfest 30-jähriges Bestehen feiert, erstreckt sich über 60 Länder. Dieses Jahr wird zum Jubiläum das jährliche Treffen nicht im Festzelt, sondern in der Doppelstockhütte gefeiert, mit Anmeldung. Innerhalb von fünf Tagen seien über 2000 Zusagen aus aller Welt eingegangen, sagt Sobolewski. Die Brauerei habe letztendlich die 300 verfügbaren Plätze auslosen müssen.

Der Fanclub vereinigt unter seinem Dach verschiedene Ortsvereine und Stammtische. Zum Beispiel den Stammtisch von Katharina und Manuel Waldkirch aus dem Kreis Lörrach in Baden-Württemberg, den es jetzt auch schon 26 Jahre gibt. Einmal im Monat treffen sich dort 15 Leute, sitzen gemütlich zusammen und ratschen.  Bei Fantreffen war das Ehepaar schon mehrfach in Erding, im Anschluss geht es noch übers Herbstfest und dann in die Therme.

Ein paar Stunden Fahrt haben zwei Fans aus der Pfalz hinter sich. Nikolaj Lubanov ist mit Schwager Erik Isselhard aufs Fanfest gekommen. Der erfolgreiche „Bierfluencer“ spricht unter Nikolaj.lu97 (Tiktok; 1,1 Millionen Follower, Instagram über 280 000) über diverse Brauerzeugnisse und auch über den Erdinger Weißbräu. Die beiden Pfälzer in Lederhose und Trachtenhemd sind begeistert, klar vom Bier, aber auch von der Stimmung. Ihm gefalle die bayerische Kultur so gut, sagt Lubanov. Was er damit meint? „Dass hier so viele Tracht tragen, dazu das Bier in der Hand, jeder sieht glücklich aus und ist zufrieden.“

Zu Gast aus Baden-Württemberg (von links):  Lars Buntenbach, Katharina und Manuel Waldkirch.
Zu Gast aus Baden-Württemberg (von links):  Lars Buntenbach, Katharina und Manuel Waldkirch.
Renate Schmidt
„Bierfluencer“ Nikolaj Lubanov mit Erik Isselhard in der Erdinger Hütt'n.
„Bierfluencer“ Nikolaj Lubanov mit Erik Isselhard in der Erdinger Hütt'n.
Renate Schmidt

Die Stimmung ist prächtig beim Fanfest. Lachend und ratschend sitzen die Gäste bei Live-Musik zusammen, trinken – natürlich – Bier und greifen beherzt beim Weißwurstfrühstück zu. Eine nicht repräsentative Umfrage an mehreren Tischen ergibt, dass sich die bayerische Wurstspezialität höchster Beliebtheit erfreut. Auch die Brezn: „Die kriegen sie bei uns einfach nicht so hin“, erklärt Waldkirch.

Die Gäste aus ganz Deutschland und darüber hinaus können sich in der Hütt'n an mehreren Stationen auch in typisch bayerischen „Sportarten“ üben. Unter Aufsicht von Profis aus dem Werdenfelser Gau versuchen sich manche zum Beispiel im Fingerhakeln. Wie ein Werdenfelser anerkennen muss, „stellen sich die Amateure wirklich recht gut an“. Besonders beliebt ist das Bierhumpenstemmen, bei dem ein überdimensional großes und circa fünf Kilo schweres Bierglas möglichst lange in der Luft gehalten werden muss.

Für einen kurzen Schreckmoment sorgt zu Beginn des Fests ein ohrenbetäubender Knall: Mitglieder des Schützenvereins Almarausch Langengeisling führen vor der Hütt'n die Tradition des Böllerschießens vor. Nach dem ersten Schreck breitet sich Begeisterung aus und die Handys werden gezückt.

Gaudiwettbewerbe gehören zum Programm des Fanfests. Hier im Bild versucht sich Lars Buntenbach aus dem Kreis Lörrach beim Fingerhackeln.
Gaudiwettbewerbe gehören zum Programm des Fanfests. Hier im Bild versucht sich Lars Buntenbach aus dem Kreis Lörrach beim Fingerhackeln.
Renate Schmidt
Ziemlich leicht zu erkennen, woher Patrick Grotenhuis kommt: Der Erdinger Weißbräu-Fan im orangen Shirt  ist aus  Holland angereist.
Ziemlich leicht zu erkennen, woher Patrick Grotenhuis kommt: Der Erdinger Weißbräu-Fan im orangen Shirt  ist aus  Holland angereist.
Renate Schmidt

Zum 30-jährigen Bestehen des Fanclubs hat die Brauerei einen Anstecker mit Erdinger Stadtsilhouette und Brauerei-Logo gestaltet. Der Erlös vom Verkauf dieser „Gaudiknöpfe“ wird für einen guten Zweck gespendet. Am Nachmittag überreichte die Brauerei einen Scheck in Höhe von 3000 Euro an die Nachbarschaftshilfe Erding zugunsten der Tafel Erding.

Ein kleiner Wermutstropfen ist dieses Jahr der Tod von Brauereiinhaber Werner Brombach, der erst vergangene Woche beerdigt wurde. Brombach hatte 1965 von seinem Vater die Brauerei übernommen und das 1886 gegründete Familienunternehmen durch geschicktes Marketing zu einer Weltmarke gemacht. Heute ist Erdinger die größte private Weißbierbrauerei weltweit und exportiert in über einhundert Länder.

Die 300 Plätze in der doppelstöckigen Erdinger Hütt'n mussten wegen der enormen Nachfrage  ausgelost werden.
Die 300 Plätze in der doppelstöckigen Erdinger Hütt'n mussten wegen der enormen Nachfrage  ausgelost werden.
Renate Schmidt
„It's just lovely“, so lautet das Urteil von  Julie Parker zum Erdinger Weißbier. Sie ist mit Bill Somerville aus London angereist.
„It's just lovely“, so lautet das Urteil von  Julie Parker zum Erdinger Weißbier. Sie ist mit Bill Somerville aus London angereist.
Renate Schmidt

Zu einer Mitgliedschaft im Fanclub gehört eine kostenlose Führung durch die Brauerei. Dort gibt es eine „Wall of Fans“ mit Fotos aus der ganzen Welt, wie PR-Manager Konstantin Daum erzählt. Sie zeigten strahlende Urlauber am Meer oder in den Bergen – mit einem Erdinger Weißbier in der Hand.

Sogar in einem Bierbrauerland wie den Niederlanden gibt es echte Erdinger Weißbierfans. Patrick Grotenhuis sitzt im orangefarbenen Polohemd gemütlich am Biertisch. Seit acht Jahren sei er ein Fan von Erdinger Weißbräu, inzwischen sei seine ganze Familie ein einziger Fanclub, wie er erzählt.

Den weitesten Weg zum Fanfest haben Julie Parker und Bill Somerville hinter sich. Sie sind extra fürs Fantreffen aus London angereist. In England sind beide Mitglied im Fanclub. Sie habe ihm die Mitgliedschaft vor Jahren zum Geburtstag geschenkt, erzählt Julie Parker. Die beiden kommen regelmäßig nach Erding, sie haben Freunde hier.

Auf ihren ausgedehnten Reisen haben die beiden festgestellt, dass es nahezu überall auf der Welt Erdinger Weißbier gibt. Sogar in Peru am Machu Picchu und in China, wie sie erzählen. Sie schwören zudem auf ein Hotel auf Teneriffa, in dem es das Erdinger Bier gibt. Was ihnen so gut gefällt am Erdinger Weißbier? „It's so refreshing“, sagt Bill Somerville. „It's just lovely“, sagt Julie Parker.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Neu im Stadtrat
:„Ich will Erding etwas zurückgeben“

Mit 21 Jahren zieht Maximilian Wägner überraschend in den Stadtrat ein. Nach einem schweren Unfall kämpfte sich der Student zurück ins Leben und möchte nun in seiner Heimatstadt Verantwortung übernehmen.

SZ PlusVon Regina Bluhme

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: