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Erdinger Tafel:Im Team

BHV

Im Tafelladen (von links): Dominik Klein, BHV, Peter Zilles, Tafel Bayern, Petra Bauernfeind, Tafel Erding, Ben Schulze, BHV.

(Foto: Renate Schmidt)

Der Bayerische Handballverband verkauft ab sofort Schutzmasken für einen guten Zweck: Die Hälfte des Verkaufserlöses geht an die Tafeln. Im Erdinger Tafelladen stellen die Verantwortlichen die bayernweite Aktion vor. Zuvor erhalten sie eine Führung durch die Einrichtung

Schnell einmal werfen, aber nur fürs Pressefoto: Im Lager der Tafel Erding fliegt eine Zitrone durch die Luft, Dominik Klein fängt sie mit sicherem Griff. Klein, Handballweltmeister 2007, war am Mittwoch mit einer Delegation des Bayerischen Handballverbands (BHV) bei der Tafel zu Besuch. Die Sportler waren gekommen, um den Start der bayernweiten Maskenaktion #handballkannhelfen vorzustellen. Die BHV-Schutzmasken können im Internet bestellt werden, die Hälfte des Erlöses geht an die bayerischen Tafeln. Und die können das Geld gut brauchen. Petra Bauernfeind, Vorsitzende der Nachbarschaftshilfe Erding und 2. Bürgermeisterin der Großen Kreisstadt, führte die Gäste vor dem Tafelladen an einer langen Warteschlange vorbei.

Dass der Bayerische Handballverband einmal Mundschutzmasken in seinem Online-Shop verkaufen würde, das hätte sich Dominik Klein, inzwischen Geschäftsführer der BHV-Marketing GmbH, wohl nicht träumen lassen. Aber das Corona-Virus hat in der Sportwelt alles durcheinandergewirbelt. "Auch der Handballverband will seinen Beitrag in der Krise leisten, wir wollen etwas Gutes tun", sagte Klein. Handballer seien Teamspieler, "wir sehen die Werte einer Gemeinschaft und diese Werte setzen wir jetzt gnadenlos um".

Ben Schulze, Vizepräsident Talentförderung beim BHV, stellte kurz den Verband vor. Knapp 90 000 Mitglieder gibt es aktuell. Corona-bedingt müsse der Spielbetrieb nun pausieren. Dann sei die Idee mit der Maskenverkauf für einen caritativen Zweck entstanden. Die Hälfte der Einnahmen soll nun den bayerischen Tafeln zukommen.

Zum Termin waren Peter Zilles, Landesvorsitzender der Tafeln Bayern, und Manfred Schneider, Logistik-Chef der Tafeln Bayern, aus Bayreuth angereist. Vor dem Tafelgebäude hatte sich am Mittwoch gegen 9 Uhr bereits eine lange Schlange gebildet. Um die 150 Abnehmer gebe es im Durchschnitt pro Tag, "es sind nicht weniger geworden, eher mehr", sagte Petra Bauernfeind. "Schon erschreckend", lautet der Kommentar der BHV-Delegation, darunter auch Geschäftsführer Thomas Reichard und stellvertretender Bezirksvorsitzender Bildung Nikolaus Stuewer. Laut Zilles hat Corona auf die Tafeln ganz unterschiedliche Auswirkungen, "in Bayreuth zum Beispiel haben wir jetzt 25 Prozent weniger Abnehmer". Auch die Versorgung der Tafeln mit Lebensmittelspenden sei durchaus unterschiedlich.

Corona-bedingt werden jetzt die Erdinger Tafelkunden bereits mit gefüllten Tüten versorgt, selbst einpacken dürfen sie nicht mehr wegen der Hygiene- und Abstandsregeln. Die Ausgabe findet nicht mehr im Laden, sondern draußen vor dem Eingang statt. "Für manche Helfer ist das schlimm. Ihnen fehlt der Kundenkontakt", weiß Petra Bauernfeind. Dort, wo sonst bedürftige Familien, Alleinerziehende oder Rentner Lebensmittelspenden in ihre Taschen füllen, packen jetzt die Helfer die Tüten zum Mitnehmen. Am Mittwoch Vormittag warteten mindestens 50 prall gefüllte Tüten mit Gemüse und Obst aufs Verteilen. Die Corona-Pandemie habe die Tafeln bayernweit unterschiedlich stark getroffen, informierte Zilles. Um die 80 hatten zeitweise schließen müssen. Es gab zuweilen Probleme mit dem Lebensmittelnachschub. Aktuell haben zwei Tafeln geschlossen, weil es Kontakte zu Erkrankten gab. "Das Corona-Virus wird uns noch lange begleiten", so Zilles. Über die Maskenaktion des BHV sei er daher dankbar, das Geld könne sehr gut gebraucht werden, denn durch die notwendige Anschaffung von Desinfektionsmittel sei ein "teurer Ausgabeposten" hinzugekommen. Gerhard Schmidt, Bezirksvorsitzender BHV-Altbayern, hatte eine weitere gute Nachricht mitgebracht. Die Masken, die für die Bezirksmitarbeiter gekauft worden seien, werden den Tafeln gespendet.

Der Verkauf der BHV-Masken im Internet sei gerade erst angelaufen, "aber von den Rückmeldungen her, lässt es sich sehr gut an", sagt Ben Schulze am Mittwoch. Dominik Klein machte dann auch gleich in Erding noch ein bisschen Werbung: Die Masken seien schlicht gehalten mit dem dezenten Logo #handballkannhelfen, es gibt sie in hell- oder dunkelblau mit angedeuteter Bayernraute und: "Sie sehen gut aus: Modern, frisch und jung." Im Angebot sind verschiedene Sets: Eine einzelne Single-Maske kostet 10 Euro, ein Double-Set beläuft sich auf 15 Euro. Dann gibt es da noch das Team-Set: 14 Masken für 100 Euro - und einem zusätzlichen Bonus: Wer das Team-Set bestellt, macht mit bei einer Verlosung, bei der es ein Training mit Weltmeister Dominik Klein zu gewinnen gibt. Peter Zilles nutzte die Gelegenheit und fragte bei der BHV-Delegation nach, ob es nicht auch Freikartenspenden für Handballspiele möglich wären. Damit stieß Zilles auf offene Ohren. Dies sei nämlich auch eine gute Gelegenheit, so Ben Schulze, noch mehr Zuschauer für Handballspiele zu finden und vielleicht auch das eine oder andere Nachwuchstalent zu gewinnen.

Die Masken des Bayerischen Handballverbands gibt es im Internet zu bestellen unter shop.bhv-online.de

© SZ vom 28.05.2020

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