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Erdinger  Reisebüros haben was zu tun:Alle wollen weg

In vielen Reisebüros sitzt immer noch wegen der Corona-Auflagen nur ein Mitarbeiter. Die Zahl der Buchungen nimmt langsam aber zu.

(Foto: Renate Schmidt)

Am liebsten würde der Erdinger sofort in Urlaub fahren, an Pfingsten gerne auf die Balearen oder nach Griechenland. Im Herbst darf es auch ein wenig weiter sein. Die Ungewissheit lässt viele aber noch zögern

Von Gerhard Wilhelm, Erding

Je länger die Einschränkungen in der Corona-Pandemie andauern, umso stärker steigt bei den meisten Menschen das Gefühl, wieder mal "raus" zu müssen. Das Fernweh wächst von Tag zu Tag. Am liebsten, so die Reisebüros unisono, würde der Erdinger auf der Stelle weg wollen, aber dem stehen Testpflicht für Reiserückkehrer und Quarantäne nach der Rückkehr aus sogenannten Risikogebieten entgegen.

Über die Coronazeit sei das Reisebüro dank zweier Überbrückungshilfen "einigermaßen gut gekommen", sagt Bernd Schmid von der Flugbörse in Erding. "Hinfahren will der Erdinger überall, aber es geht halt nicht", sagt er stellvertretend für die Reisebüros im Landkreis. Gefragt seien vor allem die Balearen: "Die Leute wollen nach Mallorca oder Ibiza." Viel Zeit benötige man aber für die Aufklärung, welche Maßnahmen es vor Ort gibt, ob Ausgangssperren oder Quarantänemaßnahmen. Aber Auskünfte darüber seien langfristig nicht möglich. Gefragt werde nach Urlaub in den Pfingstferien. Aber auch für den Herbst und sogar für den nächsten Januar gebe es Anfragen. "Alle wollen weg. Auch die Verwandten und ich", gibt Schmid zu.

"Wir sind zwar schleppend, aber immerhin durch die Krise gekommen", sagt Sabine Kuliga-Lenffer, die Geschäftsführerin vom Holiday Land in Dorfen. "Es gibt uns nach wie vor, und es wird uns auch weiter geben. Nach 30 Jahren ist doch ein gewisser finanzieller Puffer da, und es gibt staatliche Unterstützung. Und mit der und den Rücklagen kommen wir derzeit noch durch." Die Anfragen steigen auch bei ihr, aber die Fragen gehen eher in die Richtung, was nach der Rückkehr sei. "Der Wille ist da, aber viele Länder stehen weiter auf der Risikoliste, und es ist nicht absehbar, wie lange noch. Und das schreckt viele nach wie vor ab" sagt Kuliga-Lenffer. Ganz viele Kunden sagten, dass sie Fernweh hätten und jetzt langsam aber sicher mal raus müssten. "Man mag einfach nicht mehr." Derzeit gehe man aber das Risiko ein, dass bei 14 Tagen Urlaub nur neun Tage im Zielgebiet bleiben, weil man dann noch fünf Tage danach benötige, bis man sich aus der Quarantäne frei testen könne. "Nicht jeder Arbeitgeber ist so kulant und sagt, sitz die Quarantäne im Home-Office ab", sagt die Geschäftsführerin. "Es gibt derzeit viele innerdeutsche Anfragen, aber auch Griechenland, Spanien und den europäischen Raum. Oder gleich mit eigener Anreise mit dem Auto, zum Beispiel nach Kroatien. Dann kann man sich spontan ins Auto setzen und heimfahren. Es ist aber alles noch verhalten", sagt Sabine Kuliga-Lenffer.

"Licht am Horizont" sieht Monika Hagl vom gleichnamigen Reisebüro in Dorfen, und deshalb gehe es ihr auch schon besser. "Wir sehnen uns doch alle nach Urlaub. Wir sind aber noch lange nicht auf Vorjahresniveau, das ist ganz klar. Aber die Urlaubsplanungen laufen bei jedem an." Die Pfingstferien kämen wohl noch ein wenig zu früh, es werde eher für die Sommerferien geplant. "Derzeit sind ja auch noch viele Länder auf der Risikoliste, und diejenigen mit Kindern achten da schon darauf." Für die Balearen gebe es Anfragen, aber auch Deutschland sei weiter beliebt. "Viele haben hier ihre Stammhotels, bei denen sie direkt anfragen." "Wer weg will, der bekommt auch was", sagt Hagl. Die Veranstalter hätten sich in der Corona-Pandemie gut aufgestellt. Noch gelte das Angebot, dass man ein sogenanntes Flex-Paket dazu buchen kann und so abgesichert sei. "Wer eine Pauschalreise bucht, ist gut beraten", sagt die Geschäftsführerin.

Auch Michael Gilch, Leiter des Tui-Reisebüros in Erding, sagt, dass man sich durch eine schwierige Zeit "durchkämpfen" musste, aber schön langsam steige die Nachfrage wieder. "Der Kunde fragt heute oft nach der Sicherheit bei den Reisen, was passiert, wenn zum Beispiel vor Ort was ist oder er positiv getestet wird", sagt Gilch. Für Pfingsten sei Mallorca stark nachgefragt, das sei derzeit "der Renner". Aber auch Griechenland öffne ab 14. Mai. "Fernreisen konzentrieren sich auf einzelne Länder wie die Malediven oder Mauritius, aber auch Dubai. Derzeit ist aber vor auch Deutschland gefragt, vor allem Autoreisen an die Nord- und Ostsee und die Mecklenburgische Seenplatte.

"Wir verspüren schon einen Anstieg bei den Buchungen", sagt auch Tobias Dorsch vom Erdinger ADAC Reisebüro. Dort hofft man, dass Reisebüro bald wieder ganz öffnen zu dürfen. "Bisher geht ja nur eine telefonische Beratung", sagt Dorsch. Viele planten Kurzurlaub mit dem Auto nach Italien oder Kroatien. Aber auch beim ADAC seien viele Kunden wegen der Coronabestimmungen unsicher, was das Reisen betreffe.

Beim Reiseatelier in Erding sind immer noch alle acht Mitarbeiter in Kurzarbeit, den Lockdown nutzt man zum Renovieren. Trotzdem ist viel zu tun für die Geschäftsführerinnen Corinna Gunst und Karin Keller. Auch Karin Keller berichtet, dass deutlich zu erkennen sei, "dass die Leute wegwollen und Sehnsucht nach Urlaub haben". Gebucht würde vordringlich langfristig - Dubai oder Malediven. Man hoffe auf die Impfungen. Nord- und Ostsee seien für Pfingsten schon ziemlich ausgebucht.

© SZ vom 14.05.2021
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