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Erdinger Rathaus:Im Tunnel

Man braucht nicht gerade ein Fernrohr, um vom alten Erdinger Rathaus aus das neue ins Visier zu nehmen. Die Mitarbeiter, die offenbar in großer Zahl künftig zwischen den Häusern hin- und herrennen werden, sollen vor Wind und Wetter geschützt werden, Akten und Daten ebenfalls.

(Foto: Renate Schmidt)

Erdings OB Max Gotz (CSU) erhält vom Planungs- und Bauausschuss die gewünschte Zustimmung zu einem unterirdischen Verbindungsgang zwischen altem und neuem Rathaus. Überzeugt sind aber nicht alle

Das alte und das neue Erdinger Rathaus beiderseits der Landshuter Straße sollen mit einem Tunnel verbunden werden. Der Planungs- und Bauausschuss hat diesem Vorhaben auf Wunsch von Oberbürgermeister Max Gotz (CSU) mehrheitlich zugestimmt, nur Günther Kuhn (Grüne) votierte am Ende dagegen. Bedenken hatten allerdings mehrere Stadträte, ob das mehr als eine Million Euro teure Bauwerk unter der Erde wirklich sein muss. Gotz hatte auf den Datenschutz hingewiesen und auch darauf, dass sich die Mitarbeiter "witterungsunabhängig begegnen" können müssen. Würde die Stadt den Tunnel jetzt nicht bauen, würde man sicher in zehn oder 20 Jahren fragen, warum das damals nicht passiert sei, sagte Burkhard Köppen (CSU), der den Plan von OB Gotz voll und ganz unterstützte.

Die Landshuter Straße wird an dieser Stelle nicht für den Tunnel alleine aufgerissen. Es werden außerdem die Bushaltestellen am Rathaus verlegt und dann auch gleich barrierefrei ausgebaut; und die Stadt möchte die Gelegenheit nutzen, um den Belag in diesem Bereich bis zum Schrannenplatz zu modifizieren. Ziel ist es, die starren Grenzen zwischen Verkehrs- und Fußgängerbereich so aufzuweichen, dass Autofahrer auf die anderen mehr Rücksicht nehmen und die Fahrtgeschwindigkeit drosseln. Dagegen ist wenig Widerstand in Stadtrat und Bürgerschaft zu erwarten. Die Notwendigkeit eines Tunnels erschloss sich in der Sitzung allerdings nicht jedem auf Anhieb. Dass die Ingenieure gezwungen sein werden, das eiförmige Profil des im Boden liegenden Abwasserkanals in Kastenform zu quetschen, damit Tunnel und Kanal Platz finden, sorgte auch nicht für mehr Akzeptanz. Man spricht von einem "etwas komplizierterem Ingenieur-Bauwerk".

Auf Stefan Trefflers (ÖDP) Nachfrage, wie viele Botengänge unterirdisch denn täglich zu erwarten seien, erwiderte ihm Gotz, dass er mit 300 bis 350 Nutzungen rechne. Der Tunnel soll vom Treppenhaus des alten Rathauses quer unter der Straße zum neuen führen, wo er auf das vordere Eck des Hauses stößt. Und er wird den Angestellten des Rathauses vorbehalten bleiben. Dass die erst einmal in den Keller und dann durch den Tunnel zum anderen Teil hinüber gehen statt gleich ebenerdig über die Straße zu laufen, das bezweifelte Günther Kuhn, der am Ende als einziger seine Zweifel nicht beiseite geräumt sah und gegen diesen Teil des Beschlusses stimmte. Die Kosten stünden in keinem Verhältnis, sagte er. Den Hinweis auf den Datenschutz und dass etwas verloren gehen könne, wenn man Akten über die Straßen trägt, halte er für "an den Haaren herbeigezogen". Auch Johanna Heindl (FW) hatte Bedenken. Sie verwies auf jüngst getätigte Äußerungen des OB, denen zufolge auf die Stadt Erding gewaltige finanzielle Belastungen zukämen. Dass man weit mehr als eine Million Euro für diese Maßnahme ausgeben wolle, könne sie nicht verstehen. Insgesamt rechnet sie gar mit fünf Millionen Euro für das Gesamtpaket. Am Ende stimmte sie aber doch für den Tunnel. Horst Schmidt (SPD) sagte, man brauche die Verbindung unter der Erde unbedingt.

Wie die Stadträte erfuhren, wird der Tunnel in offener Bauweise erstellt, er soll 28,30 Meter lang, 2,50 Meter weit und 2,10 Meter hoch sein. Und er wird nur 50 Zentimeter unter der Erde liegen. Für die Querung der Landshuter Straße müssen sämtliche längs laufenden Sparten umgelegt oder umgebaut werden, unter anderem der Kanal des Abwasserzweckverbandes Erdinger Moos (AZV). Mit ihm, dessen Vorsitzender auch OB Gotz ist, sollen die Arbeiten genau abgestimmt werden, weil der AZV auch den Regenüberlauf am Schrannenplatz umbaut, eine Maßnahme, die für sich genommen bereits zur Sperrung der Stadtdurchfahrt führen wird. Für die Arbeiten am Tunnel wird die Landshuter Straße komplett gesperrt. Die Bauarbeiten für den Tunnel sollen im Frühjahr 2020 beginnen. Die Kosten werden - ohne archäologische Untersuchungen, Kampfmittelfreigabe und ohne erhöhte Aufwendungen für die Umlegung oder Neuverlegung von Kabel und Leerrohren - auf 1,1 Millionen Euro geschätzt.

Wegen der Verlegung und des barrierefreien Ausbaus der Bushaltestellen muss außerdem ein Kasten der Telekom versetzt werden. Insbesondere diese Kosten ließen sich schlecht beziffern, sagte Tiefbauamt-Leiter Harald Woellert, weil dies ein Knotenpunkt sei und die Telekom ein "komplett neues System errichtet" müsse. Er sei von Erfahrungswerten ausgegangen: 450 000 Euro soll der barrierefreie Umbau der Bushaltestellen auf beiden Seiten der Landshuter Straße auf Höhe des Rathauses kosten. Weitere 600 000 Euro kostet die Sanierung des Straßenbelags der Landshuter Straße zwischen der Straße Am Mühlgraben und der Schrannenhalle, der bereits etliche Senkungen aufweise, worauf Woellert hinwies.