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Erdinger Museum:Spektakuläre Erscheinung

Bei einer Besichtigung zeigt sich die Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern vom Neubau begeistert. Derweil plant die Museumsleitung für 2011 ein neues Großprojekt.

Nein, besonders glücklich wirkte Erdings Bürgermeister Max Gotz (CSU) nicht, als ihn Michael Henker, Landeskonservator und Leiter der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern darauf hinwies, dass die Beschilderung für das Erdinger Museum mangelhaft sei. Die Belegschaft der Landesstelle war zu Besuch, hatte ihre regelmäßige Dienstbesprechung verlegt, um nebenbei den am 25. Juni dieses Jahres eröffneten Neubau des Museums zu inspizieren - und es nicht sofort gefunden.

Seit Ende Juni verfügt das Erdinger Museum über einen Neubau. 2011 will die Museumsleitung die Sanierung des Altbaus in Angriff nehmen.

(Foto: Peter Bauersachs)

Außen präsentiert sich der neue Teil des Gebäudes in einem spektakulären Gewand. Ein kurzer Korridor mit Fensterscheiben setzt es vom zur Straße gewandten Altbau ab. Goldglänzende Metalltafeln schützen die Seitenwände und das Dach, schuppig angeordnet. "Eine Aluminium-Kupfer-Legierung, soll angeblich keine Patina ansetzen", sagt Museumsleiter Paul Adelsberger.

Zum Eingang hin wird der Besucher von einer Fotowand geleitet, die im Inneren des Baus ihre Fortsetzung findet. 1800 Abzüge aus dem Stadtgebiet Erdings und den verschiedensten Jahren, kopiert aus dem gewaltigen Fundus des Museums, sind auf Kunststoffplatten gedruckt worden. Die einzelnen "Mosaiksteine" haben einen gelblichen Stich, passen gut zur Goldhülle.

Das Äußere hält, was es für das Innere zu versprechen scheint. Drei spannende Ausstellungen laufen derzeit. Hier sind die für die Stadt Erding einst maßgeblichen Handwerksberufe, Loderer und Glockengießer, aufbereitet, dort präsentieren sich ein Dutzend wichtige Firmen der Gegenwart.

Die Abordnung der Landesstelle, die den Neubau beratend, gestalterisch und logistisch - besonders der Umzug des Depots war eine große Herausforderung - begleitete, war von dem Ergebnis begeistert. "Angemessen, architektonisch und gestalterisch sehr gelungen", befand Henker.

Gut 3,1 Millionen Euro kostete die Stadt Erding der Neubau. Dazu wird nochmals Geld in die Hand genommen - der Altbau soll saniert werden. "Die Planungen sind bald abgeschlossen, Mitte 2011 soll die Ausstellung über Vor- und Frühgeschichte eröffnet werden", erklärte Adelsberger.

80.000 Euro Förderung

Der seit 150 Jahren existierende Bau wird energetisch saniert, nach und nach werden dann weitere Teilbereiche eröffnet. Die Ausstattung erfolgt nach modernsten Gesichtspunkten. Adelsberger: "Zum Beispiel wird es wandelbare Karten geben, auf denen der Verlauf der Besiedelung Erdings zu sehen ist." Höhepunkte im Altbau würden eines Tages hochinteressante Funde aus der Keltenzeit und römischer Goldschmuck sein, sagte der Museumsleiter. "Letzterer ist einzigartig in Südbayern."

Gotz versuchte, die Belegschaft der Landesstelle für die Devise der Stadt Erding zu sensibilisieren: "Tradition pflegen, Zukunftschancen nutzen." Also Museum herrichten und sich über "1,5 Millionen Gäste der Erdinger Therme im vergangenen Jahr" freuen, wie der Rathauschef bilanzierte.

"Wir würden uns freuen, wenn nur zehn Prozent davon dieses Museum besuchen würden - und die Beschilderung verbessert würde", sagte Henker und meinte es freilich nur gut. Er händigte nach seinem Tadel den Antrag der Stadt auf Förderung unterschrieben aus. "80.000 der förderfähigen 350.000 Euro", verkündete er. Die Miene von Gotz hellte sich auf: "Sie dürfen wiederkommen."

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