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Erdinger Jugendzentrum:Offen für alle

Mit täglichen Treffs am Nachmittag hat sich das Sonic neues Publikum erschlossen. Leiter Alexander Just bekommt viel Zustimmung im Stadtrat für sein Konzept

Durchschnittlich sechzig Besucher kommen jeden Tag zum offenen Treff im Jugend- und Kulturhaus Sonic in Erding. Mehr Jungs als Mädchen, mehr Mittelschüler als Realschüler und mehr Jugendliche mit Migrationshintergrund als ohne Migrationshintergrund. Der Sonic-Leiter Alexander Just ist seit einem guten Jahr im Amt, er hat dem Haus ein neues Konzept verpasst, und das stößt im Stadtrat auf Zustimmung. Vor allem den offenen Treff von Dienstag bis Freitag von 14 bis 19 Uhr betrachten demnach alle als großen Gewinn. Just sagte, er soll künftig möglichst auch montags angeboten werden.

So einfach ist es gar nicht, heutzutage offene Treffs in Jugendzentrum mit Leben zu füllen. Denn immer mehr Schüler haben nachmittags Unterricht oder nehmen am offenen oder gebundenen Ganztagsunterricht teil. Es bleibt weniger Freizeit, während der die Jugendlichen nicht unbedingt gleich wieder losziehen und sich mit anderen treffen wollen, darin ist man sich einig. Im Vergleich zu früher sei das Angebot im Sonic nun aber deutlich vielseitiger. "Vorher ging es mehr in Richtung Musik", sagte auch OB Max Gotz (CSU), der sich zufrieden zeigte mit der offenen Jugendarbeit der Stadt Erding. Er findet, es gebe jetzt eine größere Bandbreite. Als "geordnet" bezeichnete Gotz die Erdinger Jugendszene. "Da gab es auch schon andere Zeiten." Auch er sah die Schwierigkeiten, Jugendliche in ihrer knapper werdenden Freitag zum Besuch eines Jugendzentrums zu bewegen. Umso erfreulicher sei der Zuspruch, der das Haus jetzt finde. Lob gab es auch vom Jugendreferenten Hubert Sandtner (CSU): Er sagte, das Konzept habe sich den Bedürfnissen der Jugendlichen angepasst.

Jugendzentrum Sonic

Der Billardtisch im Jugend- und Kulturhaus Sonic ist eine Neuanschaffung, mit der mehr Jugendliche in die Begegnungsstätte gezogen werden sollen. Und es scheint zu klappen. Die Besucherzahlen sind nach oben gegangen, der Erdinger Stadtrat ist zufrieden.

(Foto: Stephan Goerlich)

Einiges hat sich verändert, seit Just im Oktober 2018 die Leitung des Jugendzentrums übernommen hat. So sind neben dem offenen Treff auch die verstärkte Zusammenarbeit mit der Mittelschule Erding, Discoabende und mehr kostenlose Kurse für Jugendliche Pfeiler des neuen Konzeptes. Auch Teile der Ausstattung wurden neu angeschafft, zum Beispiel ein Tonstudio, Blumenbeete für die Terrasse, ein Billardtisch, eine Tischtennisplatte und eine Play-Station-Konsole. Mit einem Fragebogen hat die Jugendzentrumsleitung eigenen Aussagen zufolge die Zufriedenheit der Besucher abgefragt. Es habe eine "höhere positive Resonanz" gegeben, sagte Just. Und es gebe mehr jugendliche Besucher und Besucherinnen. In einer vorläufigen Bilanz für 2019 von Januar bis Oktober kam Just zu dem Ergebnis, dass insgesamt 5522 Besucher ins Jugendzentrum gekommen waren, 1537 in den offenen Treff, 1667 in offene Gruppen und 659 in Workshops und Kurse. 35 Prozent der Besucher des offenen Treffs seien Mädchen sagte Just. Das sei erfreulich, denn gerade in Familien mit Migrationshintergrund werde das oftmals nicht so gerne gesehen. Ohne spezielle Angebote zum Thema Gender zu haben, versuche man, überkommen Rollen aufzubrechen: Jungs sollen kochen und Mädchen handwerklich arbeiten.

Kleinere Gruppen bildeten die Besucher von Großveranstaltungen (265), von Konzerten und Disco (235) und von Wohnzimmerkonzerten (169). Auch die Organisatoren von Fridays for Future träfen sich im Sonic, sagte Just. Worauf Gotz darum bat, aufzupassen, dass das Jugendzentrum kein Treffpunkt für politischen Jugendgruppierungen werden solle.

Jugendzentrum Sonic

Alexander Just hat noch einiges vor: Im kommenden Jahr will er beispielsweise einen JUZ-Beirat wählen lassen.

(Foto: Stephan Goerlich)

Auch die vom Jugend- und Kulturhaus Sonic organisierten Jugendkulturtage waren nochmals ein Thema. Kritik an der niedrigen bis gar nicht vorhandenen Akzeptanz, die Teile des Angebotes bei der Zielgruppe gefunden hatte (die SZ hatte berichtet), ließen die Stadträte nicht gelten. Die Kritik wurde von Gotz und Sandtner als überzogen dargestellt, die Jugendkulturtage nähmen eine "hervorragende Entwicklung", sagte Horst Schmidt (SPD).

Dass nur Menschen zwischen 40 und 60 Jahren im Organisationskomitee gesessen seien, wies Just lächelnd zurück: Er sei ja erst 38 Jahre alt. Die Mitwirkung von Jugendlichen sei durchaus geplant gewesen. Er habe Schülermitverwaltungen und die Katholische Landjugend einbinden wollen. Wechsel an verantwortlichen Positionen hätten eine Zusammenarbeit jedoch nicht zustande kommen lassen.