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Erdinger Jugendkulturtage:Am Zielpublikum vorbei

So viel Aufwand wie selten wurde für die Jugendkulturtage Erding betrieben. Die Bilanz fällt traurig aus: Die Jugend blieb weg. Sie war auch bei der Planung zu wenig einbezogen

Keine Anmeldung für die Fotokurse, keine Anmeldung für den Selbstfindungskurs, sieben Zuhörer bei einer Influencerin und kaum jemand im Museum: Die Jugendkulturtage Erding sind mit viel Aufwand entwickelt worden, sie haben ihr Zielpublikum aber nicht gefunden. Die mehr als sechzig Veranstaltungen waren deutlich schlechter besucht als erwartet, darin sind sich alle einig. Ein Grund sei die fehlende Öffentlichkeitsarbeit, heißt es. Ein anderer: Die Jugendlichen waren selbst zu wenig in den Planungsprozess eingebunden. Im Veranstaltungskomitee saßen ausschließlich Erwachsene.

Beim Auftakt im Jugend- und Kulturhaus Sonic sah noch alles ganz gut aus. Knapp 130 Leute waren gekommen, um die Bands diverser Schulen aus Erding zu bewundern. Aber sobald deren Auftritte vorbei waren und der eigentliche Hauptact Lvng auftrat, lichteten sich die Reihen schlagartig - die Schüler und ihre Eltern waren gegangen. Alexander Just, Leiter des Sonic bedauere dies sehr, da Lvng ja als Highlight des Abends gedacht war.

Das gleiche Bild zeigte sich auch an Tag zwei, beim "Grünen Tag" im Sonic. Anfangs wären die Veranstaltungen mit knapp 15 Teilnehmern noch halbwegs gut besucht gewesen. Allerdings verschwanden diese nach und nach. Außerdem war es laut Just nicht möglich, alle Vorträge abzuhalten, weil die ersten Referenten überzogen hätten. Noch schlimmer traf es den Fotoclub und die Ergotherapeutin Silvia Renner. Laut Lothar Ritze-Bodenstein vom Fotoclub Erding waren gar keine Anmeldungen vorhanden, deswegen haben die Fotokurse Erding bei Nacht und Portrait-Fotografie nicht stattgefunden. Die Kurse von Renner mussten ebenfalls ausfallen, auch dafür hatte sich keiner angemeldet.

Schlecht besucht waren auch die Veranstaltungen der Selbermacher-Werkstatt. Insgesamt seien zehn Leute bei zwei Veranstaltungen da gewesen, sagt Christine Weimer. "Man hätte eventuell mehr werben müssen", so Weimer. Bodenstein und Renner bemängelten ebenfalls fehlende oder falsche Werbemaßnahmen. Auch der Museumsleiter Harald Krause sagt: "Es ist schade, dass das Programm nicht so angenommen wurde, wie wir gedacht haben." Er könne sich nicht erklären, woran das gelegen haben könnte. Laut Krause war das Interesse der Erwachsenen höher als das der Jugendlichen. "Vielleicht muss man mehr Werbung im virtuellen Raum betreiben", sagt Krause. Die Führung durch das Franz Xaver Stahl Museum war laut Heike Kronseder auch nur mäßig besucht.

Bei den Zukunftsmachern, einer Initiative von Anna Maria Blau, sah es etwas besser aus. Bei der Podiumsdiskussion mit einer Influencerin waren zwar auch nur sieben Leute anwesend, wohingegen zur Vorführung von neun Kurzfilmen über junge Erdinger Talente das Haus voll war. Circa 50 Leute waren ins Museum Erding gekommen. Anna Maria Blau sagte, sie habe selbst viel Werbung gemacht, sonst wären ihrer Meinung nach keine Leute erschienen. Allerdings seien laut Krause ein Großteil der Besucher Freunde und Familien der Protagonisten der Filme gewesen. Blau beanstandete, dass die Jugendlichen zu wenig in die Planung miteinbezogen worden seien. "Im Veranstaltungskomitee saßen nur Personen zwischen 40 und 60 Jahren, der jüngste war Alexander Just vom Sonic", so Blau. Gut besucht war der Gesangsworkshop von den Guardians. Hier kamen zwischen 20 und 25 Teilnehmer.

Relativ gut angenommen wurden Russisch für Teens und Kids und der interkulturelle Kochabend im Jugendtreff Altenerding. Allerdings sei nicht von der Hand zu weisen, dass man beim nächsten Mal etwas anders machen müsse, sagte Just. Nur was genau, müsse das Planungskomitee herausfinden. "Wir haben zwar versucht, die Schulen mit einzubinden, sowohl bei der Ideenfindung als auch bei Werbemaßnahmen, aber die sind anderweitig beschäftigt oder zeigen schlichtweg zu wenig Hilfsbereitschaft", klagt Just. Außerdem fehle Engagement der Schüler. Auch die Veranstalter selbst seien nicht aus der Verantwortung zu nehmen. "Es gab große Zeitverzögerungen, weil die Texte für das Programmheft einfach nicht fertig geworden sind, deswegen konnte auch erst verzögert mit der Bekanntgabe begonnen werden."