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Erdinger Innenstadt:Gegen alle Widerstände

Stadträte beschließen den Bebauungsplan für das Areal rund um das Museum Franz Xaver Stahl. Nicht alle sind damit zufrieden, viele andere Fragen bleiben offen

Von Antonia Steiger, Erding

Die Stimmung drohte zu kippen, am Ende hat der Planungs- und Bauausschuss aber doch dem Willen von OB Max Gotz (CSU) und der Erdinger Stadtverwaltung Folge geleistet und mit 9:6 Stimmen den Bebauungsplan 224/I rund um das Museum Franz Xaver Stahl zur Satzung beschlossen. Jetzt kann der Erweiterungsbau für das Museum geplant werden, doch die Folgen sind weitreichender und stoßen nicht nur in Teilen des Stadtrates auf Missfallen.

Alles hatte 2016 seinen Anfang genommen, als die Stadt Erding einen Ideenwettbewerb angestoßen hatte für ein Areal, das nicht nur die Umgebung des Museums, sondern auch den großen Parkplatz am Mühlgraben umfasst hat; daraus resultierte der Beschluss, den Bebauungsplan 224 für das Areal aufzustellen. Der Grund, auf dem der Parkplatz steht, gehört jedoch zwei Privatleuten, die verlauten ließen, dass sie mit den Ergebnissen des Wettbewerbs nicht einverstanden seien, zumal sie nicht einbezogen worden seien. Sie wollten dort gerne weiterhin Parkplätze anbieten, die Stadt plant indes eine gemischte Bebauung für Wohnen und Gewerbe.

Es geht eng her, wenn Autofahrer von der Landshuter Straße auf den Parkplatz am Mühlgraben einfahren wollen. Links der Einfahrt will die Stadt ein großes Haus bauen.

(Foto: Renate Schmidt)

Also beschloss der Stadtrat, die Fläche rund um das Museum als 224/I aus dem Bebauungsplan 224 herauszulösen und gesondert voranzutreiben. Was nun dabei herausgekommen ist, finden nicht nur etliche Stadträte seltsam, sondern auch die Eigentümer der Parkplatzflächen, die direkte Nachbarn der geplanten Baumaßnahmen sind: Die Stadt will im Norden und Westen Gebäude bis an die Grundstücksgrenze bauen, nach Norden hin gar ein Haus mit neun Metern Höhe. Was darin untergebracht werden soll - wofür dieses Gebäude also benötigt wird -, das wisse er jetzt noch nicht, sagte Gotz. Am Dienstag stellte Rechtsamtsleiter Andreas Erhard klar - und das auch erst auf Druck des Nachbarn, wie dieser der SZ sagte -, dass auch er an die Grundstücksgrenze bauen dürfe. Abstandsflächen seien in diesem Fall nicht mehr relevant.

Dass der Nachbar benachteiligt sei, sahen aber auch Stadträte so, unter anderem Hubert Sandtner (CSU), der monierte, dass "städtisches Eigentum" durch diese Planung "begünstigt" sei. Es werde Baurecht geschaffen zu Lasten des Nachbarn. Daran änderte auch Erhards Hinweis nichts. Denn falls er gar nicht an die Grenze bauen will, blickt er Richtung Süden auf eine neun Meter hohe Wand. Und wenn die Stadt ihre städtebauliche Planung für eine Wegebeziehung zwischen Innenstadt und neuem Bahnhof auf dem Fliegerhorstareal durchsetzen will, darf sie die Bebauung beiderseits der Grenze gar nicht gestatten. Denn genau da soll der Weg entlangführen, den der Bahnfahrer Richtung Bahnhof entlangschlendern soll. Das ist Ergebnis des städtebaulichen Wettbewerbs, auf den Gotz sich mehrfach berufen hatte.

In dem Bebauungsplan dreht sich alles um das Museum Stahl, das erweitert werden soll, der Garten bleibt unangetastet.

(Foto: Renate Schmidt)

Es ist nicht die einzige Unstimmigkeit: Die beiden Eigentümer der Parkplatzflächen hatten eine Überplanung des gesamten Bebauungsplans 224 angestrebt und dies durch einen Anwalt kundgetan. Auch Johann Fehlberger (Freie Wähler) und Thomas Schmidbauer (Erding Jetzt) wollten das so, doch das Rathaus ließ sich nicht von seinem Credo abbringen, dass für die jetzt vermeintlich so dringende Museumserweiterung ein Bebauungsplan nötig sei. Sei er nicht, sagt einer der Eigentümer der SZ: Einer Museumserweiterung bis an seine Grenze hätte er zugestimmt.

Unbeantwortet bleibt die Frage, was mit dem Parkplatz am Mühlgraben passiert. Die Pachtverträge laufen bis 2028 und 2030. Man könne jetzt nicht das gesamte Areal überplanen, weil man für die Parkplätze noch keinen Ersatz habe, erläuterte Erhardt - was keiner so recht verstand. Denn die Stadt will die Parkplätze dort ohnehin nicht mehr haben, auch die Eigentümer wären gerne in die Planung eingestiegen. Ob sie auf ihren Flächen die Ideen des Wettbewerbs umsetzen werden, ist ohnehin fraglich: Parkplätze seien nicht nur dringend nötig für die Innenstadt, sagte einer. Die Ideen aus dem Wettbewerb umzusetzen, sei finanziell kaum zu stemmen. Er fürchtet jedoch, dass mit dem jetzigen Beschluss eine Vorentscheidung darüber gefallen sei, dass die Parkplätze nicht über das Ende der Verträge dort bleiben. Denn die Zufahrt über die Landshuter Straße werde durch das neue Gebäude - das mit der neun Meter hohen Wand - erschwert. Ein verkehrsberuhigter, vielleicht sogar verkehrsfreier Bereich, das ist auch laut Wettbewerbsergebnis das Ziel.

© SZ vom 11.09.2020

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