Erdinger Immobilienmarkt: Ein Rückblick:Wohnen wird von Jahr zu Jahr teurer

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Erdinger Immobilienmarkt: Ein Rückblick: Wohnraum ist Mangelware in Erding. Auf der Baustelle am Poststadl Areal geht es immerhin gut voran.

Wohnraum ist Mangelware in Erding. Auf der Baustelle am Poststadl Areal geht es immerhin gut voran.

(Foto: Renate Schmidt)

Die Corona-Pandemie hat keinen bremsenden Einfluss auf die Immobilienpreise. Eher im Gegenteil: Sie verschärft den Mangel im Landkreis Erding. Die Preise für Bauland sind explodiert. Dazu sind die Kosten für Baumaterial gestiegen

Von Gerhard Wilhelm

Eigentlich hätte man an dieser Stelle auch den Artikel von 2020 setzen können. Oder von 2019. Auch in diesem Jahr gab es für die Immobilienpreise nur eine Richtung: nach oben. Die Corona-Pandemie hat daran nichts geändert. Dass neue Wohnungen und Häuser, aber auch vorhandene Immobilien immer teurer werden, hat mehrere Gründe: Die Nachfrage im Landkreis wie in der gesamten Region München übersteigt das Angebot, die Preise für Baugrundstücke explodieren regelrecht, und dazu kommt noch, dass auch die Preise für Baumaterial, vor allem für Holz, stark angestiegen sind. Vom Mangel an Handwerkern mal ganz abgesehen. Nur am Mietmarkt ist 2021 eine etwas geringere Steigerung spürbar gewesen.

Die Bilanz, die das Marktforschungsinstituts des Deutschen Immobilienverbands (IVD) jüngst zog, war ernüchternd. Im Fünfjahresvergleich erzielen in Erding Eigentumswohnungen mit gutem Wohnwert neue Rekordwerte: Um 77 Prozent sind die Kaufpreise seit 2016 angestiegen. Je näher man München oder dem Flughafen kommt, umso teurer wird es. Für ein freistehendes Einfamilienhaus wird manchmal je nach Lage und Ausstattung eine Million Euro verlangt. Auch in den Gemeinden entlang der neu eröffneten A 94 wie in Dorfen wird alles teurer.

Auch das Marktforschungsunternehmens F+B bestätigt die Preissteigerungen. In Erding sprangen laut F+B die durchschnittlichen Kaufpreise innerhalb von zwölf Monaten um fast 35 Prozent nach oben. Nach München kommen im Ranking der teuersten Städte Deutschlands die Städte Freising, Erding, Fürstenfeldbruck und Dachau - erst auf Platz sechs folgt mit Frankfurt wieder eine Metropole. Der gesamte Flughafenbereich hat zwar während der Pandemie "einen Dämpfer erfahren" laut IVD-Marktforschungsinstitut, aber der währte nur kurz. Bei Doppelhaushälften und Eigentumswohnungen im Bestand lag Erding im Frühjahr 2021 bei einen Quadratmeterpreis von 5350 Euro, im Vergleich zum Herbst 2020 ist das ein Plus von 3,9 Prozent.

IVD sieht aber eine Auswirkung durch die Corona-Pandemie: Dank dem Breitbandausbau sei mittlerweile fast überall Homeoffice möglich. Dadurch würden sich auch die Wohn- und Lebensformen ändern: Wenn es keine Pflicht mehr gebe, jeden Tag im Büro zu sein, werde man es sich gut überlegen, ob man im teuren München als Mieter bleibt oder ins günstigere Umland zieht. Und dort vielleicht Eigentümer wird.

Auch vom Gutachterausschuss für Grundstückswerte am Landratsamt Erding, der alle zwei Jahre die sogenannte Bodenrichtwertliste mit den Kaufpreisen für Bauland und landwirtschaftlichen Grundstücken der vergangenen zwei Jahre vorlegt, gab es keine Entwarnung - im Gegenteil: In den Jahren 2019 und 2020 muss man eine neue Definition für Preissteigerungen finden, da "Explosion" wie in den Jahren zuvor nicht mehr ausreicht: In vielen Gemeinden stiegen die Preise um rund 50 Prozent, teilweise um 65 (Fraunberg) und in Langenpreising sogar um 71 Prozent (350 auf 600 Euro). Erneut nimmt die Große Kreisstadt den Spitzenplatz bei den Kaufpreisen für baureifes Land ein. Im Zentrum Erdings mussten 2019/2020 durchschnittlich 2400 Euro für den Quadratmeter Bauland gezahlt werden.

Etwas verhaltener ist die Entwicklung am Mietmarkt, nachdem nach einer Mietpreis-Analyse des Pestel-Instituts die Mieten im Landkreis Erding in den vergangenen sechs Jahren um 45,9 Prozent gestiegen sind. Nach einer IVD-Studie wurden im Altbau im Herbst 11,60 bis 14,60 Euro pro Quadratmeter verlangt. Bei Wohnung nach dem Baujahr 1950 sind es über 15 Euro. Bei Erstbezug werden durchschnittliche Mieten je nach Lage von 14,60 bis 17,20 Euro ermittelt. Ein gebrauchtes Reihenmittelhaus in Erding kostet 1500 bis 1800 Euro im Monat, ein neues im Schnitt 1900 bis 2120 Euro. Für eine Doppelhaushälfte mit "einfachem Wohnwert" werden 1720 Euro fällig, bei "gutem Wohnwert" schon fast 2000 Euro.

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