Erdinger Herbstfest 1700 Hektoliter Bier und sechs Tonnen Hendl

Von einer Bienenzucht-Ausstellung zum drittgrößten Volksfest in Bayern: Das Erdinger Herbstfest wäre ohne einen Großaufwand an Logistik nicht mehr realisierbar. Bei manchen Beteiligten löst dies durchaus Wehmut aus.

Von Sarah Ehrmann

Ein ganzer Lastwagen voll Schweinshaxen, Ochsenbraten, Knödel und Kartoffelsalat wird sich ab Freitag täglich zum Weissbräu-Zelt auf den Volksfestplatz hinunterschlängeln. Das ist eine Sisyphos-Aufgabe, denn bis zum Abend wird alles verspeist sein, was am Morgen geladen worden ist. Fünf bis sechs Tonnen Brathendln blüht das gleiche Schicksal: In Erding ist ab übermorgen wieder Herbstfestzeit. Mehr als 200.000 Besucher werden erwartet, die sich in zehn Tagen mit insgesamt 1700 Hektolitern Bier und 550 Hektolitern Apfelschorle, Cola und Co die Kehlen spülen werden.

Ausschank am Erdinger Volksfest im Jahr 1928.

(Foto: Peter Bauersachs)

Einst als eine landwirtschaftliche Gewerbeausstellung für Obst- und Bienenzucht gegründet, begleitet von Ringkämpfen und Ochsenrennen, hat sich das Volksfest inzwischen zum Drittgrößten in Oberbayern entwickelt. Größer sind nur das Volksfest in Rosenheim und die Münchner Wiesn. Tonnen von Kartoffeln werden nach Aussage des Weissbräu-Festwirts Uwe Pianka in den zehn Tagen zu Salat und Knödeln verarbeitet, 300 Kilogramm Käse angekarrt und hunderte Kilo Haxen. Täglich werden 2500 bis 3500 Portionen Essen zubereitet. Der Renner seien aber Schweinswürstl, allein davon gingen in den eineinhalb Wochen 2000 Portionen über den Tresen, ebenso von den Enten, sagt Pianka.

Als der Stadtrat Fritz Steinberger 1968 zum ersten Mal das Erdinger Herbstfest besuchte, "war die Welt noch in Ordnung", sagt er. "Das Weißbierzelt war klein und hat sich erst gefüllt, wenn das Zelt der Fischer's Stiftung voll war." Man habe damals so viel Platz in dem kleinen Weißbierzelt gehabt, dass man tanzen konnte, sagt er. "Aber nicht zu Landler, sondern zu tollen Schlagern der 60er und 70er Jahre." Heute schüttelt der ehemalige inoffizielle Volksfestbürgermeister den Kopf, wenn er von den Mindestabnahmemengen für eine Tischreservierung im Weissbräuzelt hört. 209,50 Euro, umgerechnet 20 Bier- und 10 Hendlzeichen werden pro Tisch vorausgesetzt. Doch die Zelte werden wieder voll sein, kündigt Weissbräu-Marketingleiter Wolfgang Kuffner an. "Wir sind von der Dynamik und der Wucht überrascht - mit unserem neuen Online-Buchungssystem waren wir am ersten Tag ausgebucht", sagt er. Zum 125-jährigen Jubiläum der Privatbrauerei und um die hohen Sicherheitsauflagen zu erfüllen, mietet das Weissbräu heuer ein neues, größeres Zelt: 13 statt vier Notausgänge, zehn Meter breiter, fünf Meter länger. Mehr Plätze kommen aber nicht dazu. Es bleibt bei 3900 im Zelt und 1500 im Biergarten. Kuffner hat eine Erklärung für den Erfolg des Erdinger Festes: "Was Erding ausmacht, ist der Charme. Es ist ein kleinerer Festplatz, die Leute können einen Rundlauf machen und es sieht ziemlich schnell voll aus - dann fühlen sich die Leute wohl." Auch Gäste der Brauerei aus China und Australien schätzten die gemütliche und nicht so hektische Atmosphäre wie in München.

Dass man seinen ersten Volksfestbesuch nicht vergisst, bestätigt die Geschichte, die Bürgermeister Max Gotz (CSU) als seine schönste Herbstfestepisode berichtet: "Bis mein Opa in hohem Alter war, war der erste und der zweite Sonntag unser Kindertag. Meine Schwester und ich durften Fahrgeschäfte fahren, essen und trinken, soviel wir wollten." Anfang der 70er Jahre, nach der großen Teuerungswelle, habe der Opa dann gesagt: "Jetzt haben wir zum ersten Mal mehr als 100 Mark verbraucht."

Im April dieses Jahres hatte der Volksfestausschuss, dem Gotz vorsteht, ein Schnapsverbot in die Volksfestsatzung aufgenommen. "Der Konsum hatte sich so entwickelt, wie wir es nicht auf dem Herbstfest haben wollen", sagt er. Nun hätte die Polizei eine Handhabe, wenn Gäste Schnaps auf dem Gelände oder den Parkplätzen konsumieren. Grundsätzlich, da ist er sich mit den Wirten und der Polizei einig, sei das Herbstfest eine relativ ruhige und friedliche Veranstaltung. "Vermutlich haben alle dort das gleiche Ziel", sagt Josef Mairoth, Dienstgruppenleiter der Polizeiinspektion.