Erdinger Einzelhandel Streik, nein danke!

Aktuelle Lohnverhandlungen im Einzelhandel sind in Erding kaum Thema, da die wenigsten Firmen tariflich gebunden sind

Von Viktoria Walter

Die Situation der Beschäftigten im Erdinger Einzelhandel birgt offenbar wenig Streikgefahr. In München ist die dritte Runde der Tarifverhandlungen zwischen der Gewerkschaft Verdi und den Vertretern der Arbeitgeberverbände ohne Einigung zu Ende gegangen, doch im Landkreis Erding scheint die Forderung nach verbesserten Lohn- und Arbeitsbedingungen ohnehin kaum ein Thema zu sein. "Wir sind sowieso nicht an die Tarife gebunden" und "Dazu dürfen wir leider keine Äußerungen machen", so der Tenor der Mitarbeiter einiger Einzelhandelsketten in der Erdinger Innenstadt.

Auch im Modehaus Kraus richtet man sich nicht nach dem Tarif: Wie Geschäftsführer Hermann Kraus sagt, haben die Mitarbeiter "außertarifliche Arbeitsverträge". Diese lägen jedoch im Rahmen dessen, was die Tarifverträge als Orientierung vorgeben. Im Sporthaus Gerlspeck möchte man überhaupt keine Auskünfte zu Gehaltsfragen geben - dies sei eine "Sache zwischen dem Chef und den Angestellten", aber man könne versichern, dass die Mitarbeiter "gut bezahlt" würden.

Die Nachfrage bei Verdi München ergibt ein ähnliches Bild: Nach Angaben des Fachbereichssekretärs Georg Wäsler ist eine "Erodierung der Tarifverträge" festzustellen, die dazu führe, dass sich immer mehr Unternehmen aus den Vereinbarungen windeten. Die Tendenz bei den Firmen gehe zunehmend in Richtung "o.T.- Mitgliedschaft", das heißt, eine Mitgliedschaft zwar mit Anspruch auf betriebswirtschaftliche Beratung, aber "ohne Tarifgebundenheit". Zudem fehle es an Transparenz, da Auskünfte zu unter- oder übertariflichen Zahlungen kaum überprüft werden könnten.

Weder dem Gewerkschaftsverband noch der Öffentlichkeit sind Auflistungen über die Tarifbindung der Unternehmen zugänglich. Diese Information bleibt dem Handelsverband Bayern als Arbeitgeberverband vorbehalten, der laut Pressesprecher Bernd Ohlmann jedoch keine Auskünfte über "mitgliedsbezogene Daten" geben will. Die laut Agentur für Arbeit knapp 3000 Beschäftigten im Landkreis versprechen sich somit wenig von den Tarifverhandlungen in München. "Wir haben hier doch keine Chance", sagt eine Angestellte vor Ort.

Am 8. Juni hatten die Arbeitgeber ein neues Angebot vorgelegt, das den Angestellten vom 1. August an eine Lohnerhöhung von 2, 5 Prozent sowie im Folgejahr eine weitere Anhebung um 1,5 Prozent in Aussicht stellt. Die Offerte war von Verdi jedoch als unzureichend zurückgewiesen worden.

Zur Streiksituation in Erding zeigte sich Verdi-Verhandlungsführer Hubert Thiermeyer zurückhaltend. Bei Vorankündigungen ginge der Überraschungs-Effekt verloren. Zudem sollten Arbeitsniederlegungen "die Arbeitgeber, nicht den Kunden treffen".