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Erdinger Arztpraxen:Mangelware Grippeimpfstoff

Gegen die Influenza: So funktioniert die Grippeschutzimpfung

Eine Grippeschutzimpfung ist schnell gemacht, nur ein kleiner Pieks und das war es auch schon - wenn Impfstoff vorhanden ist.

(Foto: Franziska Gabbert/dpa)

Schon im September haben sich nicht nur Risikopatienten impfen lassen, jetzt wird es knapp.

Von Dan Urner

Erding - Die Influenza-Saison hat noch gar nicht richtig begonnen, doch der Grippeimpfstoff ist in den Erdinger Arztpraxen bereits zu einem knappen Gut geworden. Die öffentliche Empfehlung für Risikopatienten, sich gegen die Grippe impfen zu lassen, hat eine erhöhte Nachfrage nach dem Impfstoff ausgelöst, der vorerst nur schwerlich beizukommen ist. Patienten müssen sich auf Wartezeiten einstellen.

Wie groß der Ansturm auf die Schutzimpfung im Vergleich zu den vorigen Jahren ist, verdeutlicht das Beispiel der Arztpraxis von Elmar Gerhardinger. "Wir haben im September so viel geimpft wie sonst in einer kompletten Saison", berichtet der Erdinger Allgemeinmediziner. Es seien nicht allein ältere Patienten, die einen Grippeschutz wünschten, sondern Personen jeden Alters. Seiner Praxis sei der Impfstoff bereits ausgegangen. "Wir haben keine einzige Ampulle mehr." In zwei bis vier Wochen erwartet Gerhardinger Nachschub. Zu genaueren Prognosen sieht er sich nicht imstande.

Gerhardinger ist mit seinen Sorgen nicht allein. Es scheine so, dass in diesem Jahr die gleiche Menge auf dem Markt sei wie zuvor, mutmaßt eine andere Praxis der Kreisstadt. "Die Nachfrage von Ärzten und Patienten ist in jedem Fall aber deutlich gestiegen." Die im Sommer getätigten Bestellungen habe man zwar bekommen, Nachschub sei nun aber nicht in Sicht. Man werde bisher nur vertröstet. "Es ist auch eine Verteilungsfrage. Leider kommt bei vielen Arztpraxen schlicht nichts an." Markus Marschall, Facharzt für Lungen- und Bronchialheilkunde und zugleich Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbands Erding, konstatiert lakonisch, Vorbestellungen seien ausgeliefert worden, spätere Bestellungen könnten hingegen nicht sofort bedient werden. "Das bekommen wir an der Basis mit." Er beruhigt aber, die Impfung könne durchaus noch im Dezember oder Januar erfolgen.

Um zumindest gefährdeten Personengruppen eine sofortige Grippeimpfung zu ermöglichen, priorisiert Julian Bloch in seiner Praxis vorerst Patienten ab einem Alter von 60 Jahren aufwärts oder mit anderen Risikofaktoren, wie der Allgemeinmediziner erklärt. Mitte September, als der Impfstoff ausgeliefert worden sei, seien sofort Personen aber jeden Alters gekommen. "Wir hatten bereits Anfang Oktober keinen Impfstoff mehr" - und das, obwohl man sich im Sommer schon auf eine höhere Nachfrage eingestellt und mehr Impfdosen bestellt habe als in den Jahren zuvor. "Glücklicherweise haben wir vor ein paar Tagen noch von einer Apotheke neuen Impfstoff bekommen", sagt Bloch, der sich vor weitreichenden Voraussagen scheut. Er wisse nicht, ob und wann seine Praxis noch Nachbestellungen ausgeliefert bekomme.

Auch Heinrich Feldmann bestätigt den Engpass, im Moment gehe nichts. Die angespannte Situation ruft beim Erdinger Apotheker Unmut hervor. Er hadert gar mit "DDR-Verhältnissen". Die Verteilung des Impfstoffs durch den Großhandel sei "bescheiden" geregelt, kritisiert er. Man müsse sich bereits ein halbes Jahr vorher festlegen, wie viele Dosen man bestellen wolle. Dabei falle es schwer, sich frühzeitig festzulegen. "Das ist ein schwieriges Geschäft für Apotheken."

© SZ vom 16.10.2020
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