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Erdinger Arbeitsmarkt:Leichte Erholung

Die Arbeitgeber halten sich mit Neueinstellungen zurück, vor allem die im produzierenden Gewerbe.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Die Arbeitslosenzahlen gehen zum zweiten Mal seit März 2020 zurück

Von Antonia Steiger, Erding

Das klingt nach vorsichtigem Optimismus; die Frage ist nur, wie lange er anhält: Zum zweiten Mal ist seit Beginn der Corona-Pandemie die Zahl der Arbeitslosen im Bezirk der Agentur für Arbeit Freising, der die Landkreise Erding, Freising, Ebersberg und Dachau umfasst, leicht zurückgegangen. Im Oktober 2020 waren in den vier Landkreisen 10 120 Personen arbeitslos gemeldet, 472 Personen weniger als im Monat zuvor. Der Trend ist auch im Landkreis Erding spürbar: Die Zahl der Arbeitslosen sank um 142 Personen auf 2161 Personen. Die Arbeitslosenquote verringerte sich um 0,1 auf 2,6 Prozent. Besser ist sie im Agenturbezirk nur im Landkreis Ebersberg: 2,5. Vor einem Jahr war sie überall besser und in Erding mit 1,6 am besten. In Ebersberg und Dachau lag sie bei 1,7 und in Freising bei 1,9.

Ohne Kurzarbeit lägen die Arbeitslosenzahlen noch deutlich höher. Dieses Instrument stütze den Arbeitsmarkt im Agenturbezirk weiterhin in großem Umfang, heißt es in der monatlichen Pressemitteilung der Agentur. Und wie es nun weitergehen wird, das könne man noch nicht sagen, sagt Pressesprecherin Christine Schöps. Es sei denkbar, dass einige Betriebe die Zeit durch Urlaub oder den Abbau von Überstunden zu überbrücken, andere würden Kurzarbeit beantragen oder auch Personal entlassen. "Die nächsten Wochen werden zeigen, welche Wege die regionalen Betriebe gehen werden."

Von März bis Oktober hatten etwa 6100 Betriebe im gesamtem Agenturbezirk vorsorglich Anzeigen auf Kurzarbeitergeld gestellt, aber nicht alle wurden realisiert. Tatsächlich wurde im März 2020 in 1918 Betrieben kurzgearbeitet. Betroffen waren 16 310 Mitarbeiter. Im April waren es mit 4063 Betrieben deutlich mehr und im Mai mit 3702 Betrieben schon wieder weniger. Im Juni sank diese Quote weiter auf 2961 Betriebe. Auch im Landkreis Erding lag im April der Höhepunkt der Kurzarbeit mit 876 Betrieben und 11 872 Mitarbeitern. Im März haben 4907 Männer und Frauen in 450 Betrieben kurzgearbeitet und im Mai 11 677 Menschen in 790 Betrieben.

Dass der Arbeitsmarkt zuletzt wieder angezogen hat, lässt sich bei der gestiegenen Nachfrage nach Personal erkennen: Im Oktober hatten die Unternehmen 661 neu zu besetzende Stellen in den vier Landkreisen gemeldet, 37 Stellen mehr als im September. Demnach fanden sich zuletzt 3963 Arbeitsangebote im Stellenpool, 691 bei Unternehmen im Landkreis Erding.

Seit Beginn des Jahres hatten die Arbeitgeber insgesamt 1515 neue Stellen im Landkreis Erding gemeldet, das entspricht einem Rückgang von 26,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im produzierenden Gewerbe waren es 231 Stellen weniger als im Vorjahreszeitraum, im Bereich Verkehr, Logistik, Schutz und Sicherheit 136 Stellen weniger und bei kaufmännischen Dienstleistungen, Handel, Vertrieb und Tourismus 114 Stellen weniger.

Die Zahlen spiegelten "eine deutliche Zurückhaltung vieler Arbeitgeber bei Neueinstellungen wider", teilt Nikolaus Windisch dazu mit, der Chef der Agentur für Arbeit Freising. Denn auch im gesamten Agenturbezirk ist die Zahl der neuen Stellen deutlich zurückgegangen: 7657 waren es im Jahr 2020 zwischen Januar und Oktober, 2666 Stellen weniger als im Jahr 2019. Dies entspreche einem Rückgang um ein Viertel, so Windisch. Betroffen seien sämtliche Berufsbereiche, in absoluten Zahlen sei das produzierende Gewerbes mit 774 Stellen weniger jedoch am stärksten betroffen.

© SZ vom 30.10.2020

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