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Erdinger Ringschluss:Wünsche und Pläne

Die S-Bahnen sollen später einmal, vom Münchner Flughafen kommend westlich von Langengeisling abtauchen, zum neuen unterirdischen Bahnhof im südlichen Eck des Fliegerhorstgeländes fahren und von dort noch ein Stück weiter Richtung Süden.

Bei einer "Bürgerinformationsveranstaltung" will das Innenministeriums "für alle Anliegen rund um den Erdinger Ringschluss offen" sein. Ein Gleistunnel unter der Haager Straße ist jedoch weiterhin nicht vorgesehen.

Wenn es nach der Mehrheit der Erdinger Bürgerschaft und ihres Stadtrats ginge, sollten die S-Bahngleise im Zuge der Realisierung des Erdinger Ringschlusses im Stadtbereich weitgehend im Untergrund verschwinden. Schon in Altenerding müssten sie runter, aber auf alle Fälle unter der Haager Straße durch. Wenn aber an diesem Mittwochabend das bayerische Innenministerium zu einer "Bürgerinformationsveranstaltung" in die Stadthalle Erding lädt, Beginn 18 Uhr, werden andere Pläne präsentiert. Nicht, dass es in diesen keine Gleistunnel gäbe. Die S-Bahnen sollen später einmal, vom Münchner Flughafen kommend westlich von Langengeisling abtauchen, zum neuen unterirdischen Bahnhof im südlichen Eck des Fliegerhorstgeländes fahren und von dort noch ein Stück weiter Richtung Süden. Bis sie auf Höhe des jetzt noch bestehenden, dann aber aufgelösten Bahnhofs wieder auftauchen. Eine Unterquerung der Haager Straße oder gar ein Tieferlegung in Altenerding ist in den Plänen des Innenministeriums nicht vorgesehen.

Bei der Bürgerinformationsveranstaltung wird Ministerialdirigent Hans-Peter Böhner, der Leiter der Verkehrsabteilung des bayerischen Innenministeriums, den aktuellen Stand der Planung vorstellen. Mit dabei sind Vertreter der vom Ministerium beauftragten Planungsbüros sowie ein Vertreter der Deutschen Bahn. Dieser ist, da die Bahn den Erdinger Ringschluss eben nicht selbst plant, nach Auskunft eines Bahn-Sprechers jedoch nur zur Ergänzung mit von der Partie, falls es bahntechnische Spezialfragen geben sollte.

Aus Altenerding kommend sollen die S-Bahnen abtauchen, bevor sie den Übergang Haager Straße erreichen. Das wünscht man sich in Erding.

(Foto: Renate Schmidt)

Erdings Oberbürgermeister Max Gotz (CSU) wird laut einer Ankündigung der Stadt den Abend moderieren. Das ist insofern eine bemerkenswerte Rollenverteilung, da OB Gotz eine sehr klare Meinung zu den von einem Vertreter des Innenministeriums bereits Ende März im Stadtrat vorgelegten Plänen des Freistaats hat: Ohne die Untertunnelung des Haager Straße gehe es nie und nimmer, sagt Gotz. Sollte der Staat auf diese in Erding "nicht mehrheitsfähige Lösung" bestehen und im Planfeststellungsverfahren Pläne ohne einen Gleistunnel unter der Haager Straße einreichen, werde die Stadt dagegen vor Gericht klagen.

Im Innenministerium reagiert man auf diese Drohung bislang gelassen. Ein Ministeriumssprecher teilte auf Anfrage mit, dass "nach intensiven Abstimmungen mit Bund, Deutscher Bahn und der Stadt Erding nun ein Planungsstand erreicht ist, über den wir im Rahmen einer frühen Öffentlichkeitsbeteiligung die Bürgerinnen und Bürger informieren und die Möglichkeit zum Dialog geben wollen". Das hört sich doch so an, als ob man nicht nur eine Diskussion führen, sondern auch Argumente aus Erding wirklich ernst nehmen wolle.

"Wir sind für alle Anliegen rund um den Erdinger Ringschluss offen", heißt es denn auch aus dem Ministerium. Es sei sogar das "Ziel dieser Veranstaltung (...) auch Anregungen von betroffenen Bürgerinnen und Bürgern aufzunehmen, zu prüfen und gegebenenfalls in den Planfeststellungsunterlagen zu berücksichtigen". Im Gegensatz zu einer Erdinger Bürgerversammlung haben bei dem Abend in der Stadthalle, zu dem ja das Ministerium einlädt, nicht nur einfache Bürger, sondern auch alle Stadträte Frage- und Rederecht.

Bei der Vorstellung der Pläne im Stadtrat hatte ein Vertreter des Innenministeriums Ende März allerdings betont, dass bei jedem Verkehrsprojekt stets nur die sogenannte wirtschaftlichste Lösung vom Staat bezahlt werden könne. Eine oberirdische Gleisführung kostet eben - wie sich jeder denken kann - weniger, als einen Tunnel zu bauen. Die Stadt Erding hat jedoch auch ein wirtschaftliches Argument parat: Nur wenn der S-Bahntunnel schon südlich der Haager Straße beginnt, kann man den gesamten Bereich ab der Haager Straße nach Norden, dort wo heute Gleisen verlaufen und sich der Bahnhof befindet, anderweitig nutzen. Man könnte Wege angelegen, aber auch einen Teil des Gebietes bebauen. Das wäre nicht nur eine städtebauliche Chance und eine Verbesserung für den Verkehr in der Stadt, sondern eben auch ein echter wirtschaftlicher Mehrwert.

Dass das Innenministerium womöglich tatsächlich beim Thema Gleistunnel gesprächs- und kompromissbereit ist, darauf deutet noch ein weiterer Hinweis zum Mittwochabend. im Juni wolle "Bayerns Innen- und Verkehrsminister Joachim Herrmann zusammen mit Oberbürgermeister Gotz sowie Vertretern der Deutschen Bahn und der Obersten Baubehörde einen runden Tisch über weitere Details zu den Planungen beim Erdinger Ringschluss durchführen" - und Gotz wird daran nicht in der Rolle des Moderators teilnehmen.

© SZ vom 29.04.2015
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