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Wohnungsbau:Unverzichtbar am Wohnungsmarkt

Nach Einigung mit Politik und Verwaltung: Erdinger Baugenossenschaft errichtet 16 barrierefreie Wohnungen.

Die Wogen haben sich geglättet: Die Baugenossenschaft Erding ist nach den Differenzen zwischen Aufsichtsrat und Geschäftsführung zur strategischen Neuausrichtung wieder in ruhigerem Fahrwasser. Die Mitgliederversammlung in der Stadthalle, an der 141 der 865 Mitglieder teilnahmen, verlief in diesem Jahr wieder ruhig und harmonisch. "Es freut mich, dass sich die seit fast hundert Jahren erfolgreiche Baugenossenschaft wieder im ruhigen Fahrwasser befindet", sagte der zweite Bürgermeister Ludwig Kirmair (CSU). Die Baugenossenschaft habe in einem "dramatischen Wohnungsmarkt mit enorm großer Nachfrage" eine große Bedeutung. Eine Lösung für das Problem der hohen Nachfrage bei hohen Mieten und hohen Baulandpreisen hatte er nicht parat. Die Stadt "soll und wird weiter wachsen", sagte er, "aber moderat".

Kirmair sagte, er bedauere, dass sich wie im Mittelalter bald nur noch reiche Menschen eine Wohnung in der Stadt leisten könnten, er sei deshalb froh, dass die Stadt und die Baugenossenschaft im südlichen Thermengarten einige Wohnungen zu bezahlbaren Konditionen ermöglichten. Das Projekt liege auch dem im Urlaub weilenden OB Max Gotz sehr am Herzen. Der Stadtrat habe die Umsetzung des Vorhabens im Erbbaurecht genehmigt.

Matthias Lindmayer, geschäftsführender Vorstand, teilte dazu mit, dass im südlichen Thermengarten 16 neue barrierefreie Wohnungen mit zwei bis vier Zimmern für eine voraussichtliche Investitionssumme von 5,5 Millionen Euro entstehen sollen. Durch eine am Einkommen orientierte Förderung im bayerischen Wohnungsbauprogramm sollen die subventionierten Mieten im Thermengarten Süd deutlich unter dem hohen Erdinger Niveau liegen: Einige Wohnungen sollen unter sieben Euro pro Quadratmeter vermietet werden, das sei etwa der Hälfte des Marktniveaus von "14 Euro plus x" für nicht subventionierte neue Wohnungen am freien Markt.

"Wir müssen die Sozialverträglichkeit der Mieten in den Vordergrund stellen, denn wir brauchen in Erding dringend mehr sozial verträgliche Mietwohnungen", fügte Eva Kolenda (SPD) an, die Aufsichtsratsvorsitzende der Baugenossenschaft und Vorsitzende des Mietervereins. Sie bedankte sich beim Erdinger Stadtrat für die positive Entscheidung für das Projekt am südlichen Thermengarten, die aber nicht ganz reibungslos zustande gekommen ist. Ein Beschluss des Stadtrates hatte die Pläne der Baugenossenschaft torpediert, indem er einen Bebauungsplan verabschiedet hatte, dem zufolge ein gläserner Zwischenbau zwischen den beiden Wohnblöcken, in dem der Aufzug fahren sollte, nur sechs statt acht Meter hoch werden sollte. So wären die obersten Stockwerke nicht barrierefrei und damit die finanzielle Förderung in Gefahr gewesen. Auf Nachfrage sagte nun Lindmayer, in einem Gespräch mit Gotz seien Lösungsmöglichkeiten angesprochen worden. Ein neuer Bauantrag soll samt Antrag auf Befreiung auch im Hinblick auf die Höhe des Zwischenbaus ausgearbeitet werden, es werde bereits am Feinschliff gearbeitet. "Wir schauen, dass wir alles richtig machen, damit keine Einwände von der Stadt kommen", sagte Lindmayer. Wenn alles gut geht, könnte im Frühjahr 2020 Baubeginn sein. "Ein Baubeginn im Herbst 2019 wäre zwar schön, ist aber unwahrscheinlich."

In seinem Bericht zu 2018 erklärte Lindmayer, dass Preise für Bau- und Sanierungsarbeiten wegen der guten Baukonjunktur stark gestiegen seien, Handwerker würden händeringend gesucht. Das Sanierungsbudget der Baugenossenschaft musste voll ausgeschöpft werden, weil 23 Wohnungen nach Mieterwechsel auf Vordermann gebracht wurden, leere Wohnungen gibt es kaum. Die Betriebskosten lagen 2018 wegen des guten energetischen Zustands der 378 eigenen Wohnungen auf konstantem Niveau. "Insgesamt sind wir gut aufgestellt, wir dürfen uns aber nicht übernehmen", zog Lindmayer ein Fazit. Die Baugenossenschaft betreut 378 eigene und 806 fremde Wohnungen in 22 eigenen und 37 fremden Wohnanlagen. Sie zählte Ende des vergangenen Jahres 865 Mitglieder, 2017 waren es 875.