Im April 2025 haben sich die drei Brüder mit der Generalsanierung des Traditionswirtshauses Münchner Hof in Erding in ein großes Abenteuer gestürzt. Gut ein Jahr später sitzen Jakob, 35, und Vitus, 34, Anfang Juli in der Gaststube. Der 39-jährige Sepp Ehrenthaler kann an diesem Tag nicht dabei sein. Auf dem Tisch liegt ein großer Bauplan ausgebreitet, links und rechts überprüft eine Elektrofirma das Licht. Die schwarze Lampe im schlichten modernen Design über dem Holztisch leuchtet bereits zuverlässig.
Als die drei Brüder vor wenigen Jahren zunächst den Gasthof des Onkels nebenberuflich übernahmen, war ihnen eines wichtig: Der Traditionsgasthof sollte in Familienhand bleiben. Der Eigentümernachweis reiche bis ins 18. Jahrhundert zurück, sagt Jakob Ehrenthaler. Dann habe sich die Frage gestellt: abreißen und neu bauen oder sanieren? Die Ehrenthalers entschieden sich für eine Generalsanierung.
Seit mehr als einem Jahr verbringen die Brüder nahezu jede freie Minute auf der Baustelle an der Münchner Straße 25. „Es war ein Auf und Ab“, sagt Jakob Ehrenthaler. Nicht immer sei alles reibungslos verlaufen, immer wieder habe es unvorhergesehene Herausforderungen gegeben. „Letztendlich ist es ein kompletter Neuaufbau geworden“, so Vitus Ehrenthaler.
„Jeder Meter, jede Wand, jede Leitung, einmal durchdacht und neu gemacht“, so beschreiben die Wirte die Sanierung auf ihrer Facebook-Seite. Zu den aufwendigsten Arbeiten gehörten die Gründungsmaßnahmen. Um dem Gebäude ein stabiles Fundament zu verleihen, wurden 18 Stahlpfähle zehn Meter tief in den Boden gerammt.


Manches wurde wieder verwendet. Die Deckenbalken der Gaststube wurden zum Beispiel in die Holzvertäfelung der Wände integriert. Die Tische und Stühle für den Gastraum mit seinen gut hundert Plätzen wurden so weit wie möglich übernommen. „Es war uns wichtig, dass wir unser Konzept beibehalten“, betont Vitus Ehrenthaler. Der Münchner Hof solle eine „gemütliche, bayerische und bodenständige Wirtschaft“ bleiben, ein Gasthof, der generationenübergreifend gut besucht und Heimat von zahlreichen Stammtischen ist.
Jakob, ein studierter Braumeister, und Sepp, ein selbständiger Produktionstechniker, werden weiterhin nebenberuflich als Wirte tätig sein. Vitus, gelernter Elektroniker, hat sich jedoch dafür entschieden, den Münchner Hof hauptberuflich zu führen. Die drei Erdinger Brüder blicken optimistisch in die Zukunft. „Wir können uns auf unsere Stammgäste verlassen“, sagt Vitus Ehrenthaler. Der Landkreis Erding habe 140 000 Einwohner und die Therme Erding ziehe jährlich fast zwei Millionen Gäste an. „Leute sind genügend da“, ergänzt Jakob Ehrenthaler überzeugt.
„Alle haben an einem Strang gezogen“, sagen die Brüder
Konkurrenz belebe zudem das Geschäft. Doch von Konkurrenzdenken wollen die Ehrenthalers wenig wissen: Mit einigen Erdinger Wirten seien sie befreundet, „wir unterstützen uns gegenseitig“. Es sei ihnen wichtig, ein familiär geführtes bayerisches Wirtshaus „ohne Chichi“ zu erhalten und damit ein Stück Heimat. „Wir investieren nicht in die Zukunft von uns, sondern für Erding“, fügen sie hinzu.
Dass nach gut einem Jahr Bauarbeiten am 21. Juli mit dem Soft Opening des Wirtshauses begonnen werden kann, sei der tatkräftigen Unterstützung von Familie und Freundeskreis, dem Architekten und den beteiligten Fachfirmen zu verdanken. „Alle haben an einem Strang gezogen“, sagen die Brüder.

Der Anblick der vollständig eingerüsteten Fassade wird den Erdingern und Erdingerinnen allerdings noch ein wenig länger erhalten bleiben. Noch wollen die Brüder nicht verraten, wie das Wirtshaus von außen aussehen wird. Nur so viel: Es soll einer Fassade auf einer Postkarte von 1920 nachempfunden sein.
Gastwirtschaft Münchner Hof, Münchener Straße 25, Erding, Soft Opening ab Dienstag, 21. Juli, vorläufige Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag, jeweils ab 17.30 Uhr

