Die Sanierung denkmalgeschützter Gebäude gilt als teuer, kompliziert und oft schwer kalkulierbar. Das zeigt sich derzeit auch beim Widnmann-Palais in Erding. Ausgehend von einer groben Kostenschätzung über 13 Millionen Euro war der Landkreis Erding nach einem Jahr in einer ersten Berechnung bei 20,7 Millionen Euro und wenig später bei 27 Millionen Euro angelangt. Die ursprünglich kalkulierte Bauzeit ist bereits um eineinhalb Jahre überschritten. Zudem ist der öffentliche Umgang von Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) mit dem Architekten Lorenz Lehmair deutlich angespannter geworden.
Lehmair hatte in der jüngsten Sitzung des Kreisausschusses für Bauen und Energie lediglich verschiedene Gestaltungsvarianten der neuen Türen in dem denkmalgeschützten Palais vorgestellt. Die historischen Türen sollen saniert und mit neuem Lärmschutz aufgewertet werden. Für neu eingebaute Türen ist eine Gestaltung im Stil der historischen Vorbilder vorgesehen, ebenfalls mit Lärmschutz. Die WC- und Techniktüren sollen dagegen schlichter ausfallen. Das führt dazu, dass bis zu fünf verschiedene Türvarianten verwendet würden.
Das missfiel Bayerstorfer, er sprach von einer „Villa Kunterbunt“. Auch die Kosten von rund 5000 pro Stück seien zu hoch. Er erinnerte daran, dass bereits bei den Fenstern die Ausgaben aus dem Ruder gelaufen seien – bis zu 10 000 Euro pro Fenster seien angefallen. Bayerstorfer forderte eine einheitlichere Gestaltung, zudem Einsparungen von mindestens 1000 Euro pro Tür. Bis dahin werde das Vorhaben zurückgestellt. Dass sich der Weiterbau dadurch verzögern könne, falle bei eineinhalb Jahren Bauzeitüberschreitung nicht mehr ins Gewicht. Ob er noch etwas dazu sagen dürfe, erkundigte sich Lehmair. „Nein“, entgegnete Bayerstorfer unwirsch. Mit hängendem Kopf verließ der Architekt den Sitzungssaal.
Das Widnmann-Projekt hatte bereits 2016 begonnen. Das Landratsamt meldete Eigenbedarf an und kündigte den Mietern: der Fachhochschule für angewandtes Management, einer Versicherung sowie der SZ, die hier ihr Erdinger Büro hatte. In die Räume sollte das Gesundheitsamt einziehen. Erst fiel auf, dass das denkmalgeschützte Palais nicht barrierefrei erreichbar und somit für die Behörde ungeeignet ist. Plan B sah deshalb einen großen Umbau zu einem modernen Verwaltungsgebäude vor.
Während die historische Substanz des Widnmann-Palais erhalten werden sollte, war geplant, die westlich anschließenden Anbauten aus der Mitte des 20. Jahrhunderts abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen. Dort sollten Abteilungen mit weniger Publikumsverkehr wie Kämmerei, Kreisentwicklung, Personalstelle, Abfallwirtschaft, Liegenschaften und das Büro des Landrats einziehen. Gleichzeitig wollte das Landratsamt mehrere bislang angemietete Standorte im Stadtgebiet aufgeben, etwa das Asylmanagement an der Max-Planck-Straße, die Baugenehmigungsbehörde an der Freisinger Straße und die Erziehungsberatung bei der Berufsschule. Das würde nach Angaben des Landratsamts zu Einsparungen bei den Mietkosten in Höhe von 330 000 Euro jährlich führen.

Allerdings stiegen die Baukosten rasch deutlich an: Auf eine grobe Kostenschätzung im März 2022 von 13,1 Millionen Euro folgte bereits Ende 2022 eine erste Kostenberechnung von 20,7 Millionen Euro. 2024 lagen die veranschlagten Kosten bei 27,3 Millionen Euro. Der Kreistag beschloss daher Einsparungen: Er verzichtete auf den ursprünglich geplanten Passivhausstandard. Auch die Kühlung in den Büros und im Palais fielen dem Sparzwang zum Opfer. An heißen Tagen sollte stattdessen eine Nachtlüftung für die Einhaltung der Arbeitsstättenverordnung sorgen. Ob diese Entscheidung heute noch einmal so getroffen würde, darf allerdings bezweifelt werden.
Ursprünglich sollte die neue Behörde Ende 2025 bezugsfertig sein. Angesichts der steigenden Kosten rückten jedoch Einsparungen vor Termineinhaltung. Nach aktuellem Zeitplan soll die Sanierung des Widnmann-Palais und des südlichen Anbaus bis Ende März abgeschlossen sein. Der Neubau soll ebenfalls bis dahin fertiggestellt werden, sodass beide Gebäude von Ende April 2027 an genutzt werden können. Viel Spielraum bleibt allerdings nicht: Zu diesem Zeitpunkt laufen auch die Mietverträge mehrerer Außenstellen aus, die in das Widnmann-Palais verlagert werden sollen.

