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Erding:Weiter Druck aufbauen

Hochwasser SPD 30.9.

Altenerdings Ortssprecher Georg Bichlmaier (links) mit den SPD-Landtagsabgeordneten Doris Rauscher und Florian von Brunn am Ufer der Sempt.

(Foto: oh)

Die SPD-Landtagsfraktion stellt eine Anfrage ans Umweltministerium zu den geplanten Hochwasserschutzmaßnahmen an der Sempt. Anlieger und Mitglieder von Bürgerinitiativen wehren sich gegen Dämme und Deiche

Von Regina Bluhme, Erding

Der Widerstand gegen den geplanten Hochwasserschutz an der Sempt erreicht die nächste Stufe. Am Mittwoch trafen sich die SPD-Landtagsabgeordneten Doris Rauscher und Florian von Brunn auf Einladung des SPD-Ortsvereins mit Anliegern und Mitgliedern von Bürgerinitiativen, die sich gegen den geplanten Hochwasserschutz mit Dämmen und Deichen wehren. Rauscher kündigte an, die SPD werde im Landtag eine Anfrage ans Umweltministerium stellen. Sie fordert nähere Auskunft, warum keine Bachabkehr erfolgt und wie die Bewertungskriterien für die Ausbauvarianten gewichtet wurden.

Treffpunkt Landgerichtstraße am Semptufer unter altem Baumbestand: Nur ein Holzbalken stört das idyllische Bild. Die Stange in 1,45 Metern Höhe soll anzeigen, wie hoch an der Stelle die Schutzmauern gebaut werden sollen. "Wir brauchen Hochwasserschutz - die Frage ist nur, wie man's macht", sagte Florian von Brunn, der Mitglied des Umweltausschusses im Landtag ist. Die Entscheidung des Wasserwirtschaftsamts, das große Auffangbecken in Wörth aufzugeben zugunsten eines linearen Ausbaus durchs Erdinger Stadtgebiet mit Deichen zwischen 40 Zentimetern und circa 1,45 Metern, wollen die Anlieger jedenfalls nicht hinnehmen.

Anton Bichlmeier, Anlieger der Sempt und Mitglieder der Altenerdinger Bürgerinitiative, führte am Mittwoch die Forderungen der BI auf: Sie will einen natürlichen Hochwasserschutz, mit vielen kleinen Rückhaltebecken entlang der Sempt, dazu ein Wasser- und Schleusenmanagement. "Wichtig wäre auch, dass wieder regelmäßig eine Bachabkehr durchgeführt wird", betonte Bichlmeier. Von Brunn verwies auf EU-Wasserrahmenrichtlinie, die "einen guten ökologischen Zustand" erreichen will - ein Ausbaggern könne Kleintiere gefährden und an der Vegetation erhebliche Schäden anrichten. Jedoch sollte seiner Ansicht nach ein Umweltschutzgutachten eruieren, welche Schäden Dämme samt der erforderlichen vier bis fünf Meter tiefen Spundwände am Semptufer anrichten. Das Argument des Wasserwirtschaftsamts, die lineare Variante komme eben am günstigsten, ließ Florian von Brunn nicht gelten. "Machen wir uns nichts vor: Wenn es von Seiten der Regierung "politisch so gewollt ist, dann kommt es auf die eine Million mehr oder wenige nicht an".

SPD-Stadtrat Stefan Grabrucker kritisierte die Auswahlkriterien. Das Wasserwirtschaftsamt gewichtet die Auswirkungen auf den Bereich Menschen, Sach- und Kulturgüter oder Landwirtschaft mit insgesamt 20 Prozent, die Auswirkungen unter anderem auf Bau- oder Unterhaltskosten mit 60 Prozent. 20 Prozent für Menschen und 60 Prozent für die Wirtschaft: Das könne er nicht verstehen. Sicher gebe es Vorgaben, "aber es gibt auch Spielraum", sagte Grabrucker.

Die beiden Landtagsabgeordneten machten zum Schluss noch Station an der Ardeobrücke. Das Bauwerk, Jahrgang 1971, soll im Zuge der Hochwasserschutzmaßnahmen nicht erneuert werden. Hier bleibe ein gefährliches Nadelöhr bestehen, betonte Anrainer Josef Stimmer. Altenerdings Ortssprecher Georg Bichlmaier sprach aus, was viele fürchten: Dass hierauf 1,2 Kilometern ein "Kanal" entstehe, durch den das Wasser nur umso schneller durchschießen werde. "Irrsinnig" sei das.

Doris Rauscher kündigte an, die SPD-Fraktion werde eine Anfrage an das Umweltministerium richten. Es soll erklären, warum eine Bachabkehr nicht forciert werde, welche Bewertungsmatrix der Variantenwahl zugrunde liege und welche Auswirkungen die geplanten Bauten auf den Mikroorganismus im Uferbereich haben. Dadurch können "schon ein gewisser Druck" aufgebaut werden, sagte die SPD-Landtagsabgeordnete. Eine Antwortet erwartet sie in vier bis sechs Wochen.

Antworten von Vertretern des Wasserwirtschaftsamts München gibt es in den kommenden Wochen bei Infoveranstaltungen direkt vor Ort. Die erste Station ist am Donnerstag, 8. Oktober, in Bergham, es folgen in den nächsten Wochen Langengeisling, Altenerding und das Erdinger Stadtwehr. Der Besuch dürfte auf großes Interesse stoßen. Seit Mai läuft eine Online-Petition der Bürgerinitiative gegen die Pläne des Wasserwirtschaftsamt sowie eine Unterschriftenaktion. Über 4500 Menschen haben bereits ihre Unterstützung erklärt, sagte Josef Stimmer am vergangenen Mittwoch: "Wir sind nicht allein."

© SZ vom 05.10.2020
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