Erding Vorreiter beim Digitalfunk

Rettungszweckverband Erding stellt als erste Flächenregion Bayerns auf die neue Technik um

Von Thomas Daller

Beim Digitalfunk für Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste will Erding bayernweit eine "absolute Vorreiterrolle" übernehmen. In der Versammlung des Zweckverbandes für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF) kündigte Geschäftsführerin Susanne Reum an, man werde als einer der ersten am erweiterten Probebetrieb teilnehmen. Neben dem Landkreis Erding gehören auch die Kreise Freising und Ebersberg dem Zweckverband an. In Freising scheren allerdings zwei Gemeinden aus dem Projekt aus: In Wang und Mauern wehrt sich eine Bürgerinitiative gegen einen Sendemast. Die Digitalfunkgegner warnen vor Gesundheitsrisiken.

Sieht aus wie die Brücke des Raumschiffs Enterprise, ist aber die Integrierte Rettungsleitstelle Erding. Hier laufen nicht nur die telefonischen Notrufe ein, bald soll auch die Funkzentrale für den digitalen Behördenfunk entstehen. Dann wird es allerdings Platzprobleme geben.

(Foto: Peter Bauersachs)

Eigentlich hätten Polizei und Rettungskräfte schon zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland auf die neue Technik umsteigen sollen, die eine bessere Sprachqualität verspricht und zudem einen höheren Datenaustausch sowie abhörsichere Verbindungen erlaubt. Technische Probleme sorgten jedoch immer wieder für Verzögerungen. Hinzu kommt der Widerstand aus der Bevölkerung: In Bayern wehren sich noch etwa 50 Gemeinden gegen Sendemasten, die bei ihnen aufgestellt werden sollen.

Bürgerinitiativen ist der Tetrafunk nicht geheuer, doch der Druck auf diese Kommunen wächst. Auch der Erdinger Stadtrat hat sich im Februar dieses Jahres für die Erstteilnahme am erweiterten Probebetrieb des Digitalfunks für "Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben" (BOS) entschieden; nicht zuletzt mangels Alternative: Denn Kommunen, die nicht teilnehmen, sind nach dem Wegfall des analogen Netzes selbständig für die notfalldienstliche Versorgung ihrer Bürger verantwortlich.

Absolute Vorreiter", wie ZRF-Geschäftsführerin Reum ankündigte, wird Erding allerdings nur für die flächendeckende Versorgung sein; im Ballungszentrum München, dem Netzabschnitt 34, ist der erweiterte Probebetrieb bereits abgeschlossen. Die Projektgruppe "DigiNet" des Innenministeriums will nun den Probebetrieb im Netzabschnitt 33 anlaufen lassen. Dieser Abschnitt erstreckt sich auf das ganze Gebiet des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord. Innerhalb dieses Gebietes gibt es drei Zweckverbände für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung: die Leitstellen befinden sich in Ingolstadt, Fürstenfeldbruck und Erding. Weil Erding mit dem Ausbau der Funkstationen am weitesten ist, soll nun hier als nächstes mit dem erweiterten Probebetrieb begonnen werden. Nach Angaben von Kreisbrandrat Willi Vogl sind im Landkreis Erding keine neuen Funkmasten für den Digitalfunk aufgestellt worden, sondern die Funkanlagen wurden auf bereits bestehende Mobilfunkmasten montiert.

Ursprünglich sollte mit dem sechsmonatigen Probebetrieb im Juli 2013 begonnen werden; mittlerweile hat sich der Termin auf September 2013 verschoben. Der sogenannte "echte Wirkbetrieb" war für Beginn des Jahres 2014 geplant und verschiebt sich nun auch entsprechend um ein paar Monate.

Bis zum Start des Probebetriebs läuft die Vorbereitung in den Arbeitsgruppen und die Digitalfunkgeräte müssen noch angeschafft werden. Die Feuerwehren in den Landkreisen Erding, Freising und Ebersberg wollen die Ausschreibung gemeinsam machen, um günstigere Preise zu erzielen. Außerdem gibt es einen Zuschuss in Höhe von 80 Prozent der Kosten, die der Freistaat übernimmt. Keine Zuschüsse gibt es hingegen für den Einbau der Geräte.

Die "taktisch-technische Betriebsstelle" des digitalen Behördenfunks soll in der Integrierten Leitstelle Erding eingerichtet werden. Das ist nicht ganz unproblematisch, weil das Gebäude mittlerweile an seine Grenzen gerät.