An der Eingangstür zur Grundschule am Lodererplatz hängen zwei weiße Zettel. Der eine ist der Spielplan fürs Fußballfeld auf dem Gelände, der zweite, und fast wichtigere, ist der Belegungsplan für die beiden Tischtennisplatten im Schulhof. An der Erdinger Schule erfreut sich Tischtennis so großer Beliebtheit, dass die Plätze klassenweise organisiert werden müssen.
Wann es mit dem Tischtennis-Hype losgegangen ist, kann Helena Goderbauer, Klassenleitung der 4a und Sportkoordinatorin an der Erdinger Grundschule, nicht genau sagen. Vor ein paar Jahren hätten Schüler Tischtennisschläger und Bälle von zuhause mitgebracht und die Spielplatte im Pausenhof in Beschlag genommen. „Und dann wollten plötzlich ganz viele spielen.“ So viele, dass die Stadt der Schule im vergangenen Jahr eine zweite Platte spendiert hat. Der Spielplan legt nun fest, welche Klasse in der ersten oder zweiten Pause an der alten oder neuen Platte loslegen darf.
Bei so viel Begeisterung lag es nahe, sich beim erstmals ausgetragenen Wettbewerb „Platten Helden“ des Bayerischen Tischtennisverbands (BTTV) anzumelden. Anfang des Jahres wurde in einem schulinternen Wettbewerb in den dritten und vierten Klassen jeweils eine Schulmannschaft mit vier Spielerinnen und Spielern sowie einem Ersatzkind ermittelt. Das Ganze ging bei einem Vier-Gegen-Vier-Rundlauf nach den offiziellen Tischtennisregeln vonstatten, wie Helena Goderbauer erklärt.
Während des Schulturniers wurde in der Woche im Rahmen der Sportzeiten trainiert, jeweils eine Doppelstunde und eine Einzelstunde, so die Sportkoordinatorin. Wobei sich ihre Rolle eher auf die Beaufsichtigung beschränkt habe. „Die Schüler spielen besser als ich.“
Im Regionalturnier in Neubiberg erreichte das Schulteam der dritten Klassen den zweiten Platz. Die Mannschaft der vierten Klassen alias „TSV Ping Pong“ wurde Erster. Beim Landesentscheid in Beratzhausen, Landkreis Regensburg, mit 50 Schulen am Start, kamen die Drittklässler aus Erding auf den fünften Platz.


Aufs Siegertreppchen ging es bei dem bayernweiten Turnier für das Team der Viertklässler um Cezar Matei Bordean, David Haratunjan, Roman Burfeindt-Ragusa, Rafael Dieringer, Niklas Lumpreitsch – trotz schwieriger Anfangsphase, wie Helena Goderbauer einräumt. Das Auftaktspiel hatte die Mannschaft nämlich verloren. „Ich dachte schon: Oje, das wird eine traurige Heimfahrt.“
Aber die fünf Erdinger Schüler kämpften sich zurück und gewannen das Finale schließlich mit 5 zu 2 Sätzen. Damit ist die Mannschaft des „TSV Ping Pong“ nun offiziell bayerischer Schulmeister im Tischtennis. So richtig nervös seien sie eigentlich nicht gewesen, da sind sich die Zehnjährigen einig. „Wir dachten schon, dass wir gewinnen können“, sagt einer der Spieler. Die Teamkollegen nicken. Für den Sieg erhielt die Mannschaft Urkunden, einen Pokal sowie eine Tischtennisplatte im Kleinformat fürs Klassenzimmer.
Der erstmals veranstaltete Schulcup für Dritt- und Viertklässler solle ein niedrigschwelliges Sportangebot sein, um „die Kinder in Bewegung zu bringen, natürlich am liebsten mit Tischtennis“, sagt Lisa Saur, Referentin für Vereinsservice beim BTTV. Die Teilnahme von 50 Schulen bei der Premiere sei „eine sehr schöne Bilanz“. Fürs kommende Turnier lägen bereits 40 Anmeldungen vor. Dass an der Erdinger Grundschule so viele Kinder Tischtennis spielen wollen, „das freut uns sehr“, erklärt Saur. Das sei wirklich außergewöhnlich.
Topspin und Schupfen: Die zehnjährigen Tischspieler kennen sich aus
Wenn die erfolgreichen Viertklässler aus Erding von ihrem Sport erzählen, von Topspin und Schupfen, von Unterschnitt und den unterschiedlichen Eigenschaften des Schlägers, dann merkt man ihnen an, wie sehr ihnen der Sport gefällt und wie gut sie sich auch auskennen. Ein paar der Schüler spielen zudem Tischtennis in einem Verein, andere sind zusätzlich im Fußballverein.
Dass sie es als Schulmannschaft so weit gebracht haben, darauf sind die fünf Jungs sichtlich stolz. Die Heimfahrt vom Landesfinale sei auf jeden Fall nicht traurig gewesen, sondern sehr lustig, verrät Helena Goderbauer.
Auch die gesamte Schulfamilie sei stolz „auf unsere Tischtennisspieler“, betont Goderbauer. Der Landessieg habe an der Schule eine „regelrechte Tischtennis-Euphorie“ ausgelöst. „Viele Kinder trainieren nun noch motivierter in den Pausen.“ Sie hoffen, im neuen Schuljahr einen Platz in der Schulmannschaft zu ergattern. Angemeldet für den kommenden BTTV-Schulcup ist die Erdinger Grundschule bereits.

