Corona-Krise:Wie es der Therme Erding geht

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Corona-Krise: Frischluft beim Plantschen: In der Therme lässt sich - wie im Bild zu sehen - das Kuppeldach öffnen.

Frischluft beim Plantschen: In der Therme lässt sich - wie im Bild zu sehen - das Kuppeldach öffnen.

(Foto: Renate Schmidt)

Nur die Hälfte der maximal möglichen Gästezahl ist derzeit zugelassen - für Themen-Inhaber Jörg Wund eine schwere Belastung. Er lässt sich was einfallen, um den Umsatzverlust von etwa 50 Millionen Euro nicht noch zu vergrößern.

Von Gerhard Wilhelm

Wer plant, die Therme Erding zur Zeit spontan zu besuchen, könnte Pech haben: Sie ist in den Sommerferien jeden Tag fast voll belegt, was auch dem Umstand geschuldet ist, dass wegen der Corona-Pandemie nur die Hälfte der maximal möglichen Besucher erlaubt ist. Auch durch die aktuellen Beschlüsse der Bundesregierung sieht Thermen-Inhaber Jörg Wund keine Besserung der Situation.

"Bei rund fünfzig Prozent können keine Gewinne erwirtschaftet werden. Aber wir versuchen alles, die Verluste so gering als möglich zu halten. Bei einer 80-prozentigen Auslastung wären wir im Plus. Aber so gut besucht kann sich aktuell niemand mehr die Therme Erding vorstellen, selbst ich nicht." Derzeit bereitet sich die Therme auf die Umsetzung der 3G-Regel vor. "Die Teststation an unserem Hotel Victory kann 250 Gäste testen, eine Verdreifachung wird gerade vorbereitet. Auch eine Testung vor der Therme ist angedacht", sagt Wund.

1850 Gäste dürfen derzeit in den Textilbereich eingelassen werden, wie Prokurist Marcus Maier sagt. Ist das Wetter schlecht, nur 1450, weil sich dann mehr Personen innen aufhalten. Im Saunabereich liege die Obergrenze bei 850 beziehungsweise 650 Gästen. Wer die Erdinger Therme besuchen will, sollte sich vorher online anmelden, um nicht umsonst nach Erding zu fahren. Marcus Maier hofft aber, dass das Wetter weiter stabil schön ist, weil man dann für das Wochenende und Freitag zusätzliche Kontingente freischalten könne. Was aber nicht für das Hotel Victory und das Gästehaus gelte. Beide seien bis Ende August "voll ausgebucht".

Mit dem Kurs in der Politik sind weder Maier noch Jörg Wund glücklich nach zuvor mehr als 300 Tagen erzwungener Schließung wegen Covid-19. "Die beschlossene 35-er Inzidenz ist viel zu niedrig. Diesen Wert werden wir in den nächsten Tagen überschreiten, und noch in den Sommerferien könnten wir Werte um oder über 80 sehen", sagt Wund. Und er erinnert daran, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am 21. Juli gesagt habe, 200 sei das neue 50. "So viel zu den Zusagen der Politik", bemerkt Wund. Um möglichst vielen die Chance auf einen Besuch der Therme zu ermöglichen, bereite man sich auf die Umsetzung der 3G-Regel - geimpft, genesen oder getestet - vor und weite die Kapazität in der eigenen Teststation aus.

Auf die November- und Dezember-Hilfen wartet der Themen-Inhaber noch

Doch nicht nur über die aktuellen Beschlüsse wegen Covid-19 ist der Thermeninhaber wenig glücklich: "Leider wurden bis heute weder die November- noch die Dezemberhilfe aus 2020 ausbezahlt. Auch hier bin ich von der Politik, die schnelle und unbürokratische Hilfe zugesagt hatte, sehr, sehr enttäuscht. Als Überbrückungshilfe III haben wir für das Jahr 2021 nur rund 14 Prozent des Umsatzausfalls erhalten. Ein kleiner Tropfen auf einen heißen Saunastein. Aktuell haben die behördlichen Schließungen über 50 Millionen Umsatzverlust in beiden Thermen und im Hotel verursacht", sagt Jörg Wund.

Nichtsdestotrotz wird investiert, obwohl die Therme mehr Einschränkungen hinnehmen muss als vergleichbare Anlagen in anderen Ländern und obwohl bei höheren Inzidenzzahlen wieder mehr Einschränkungen drohen. Marcus Maier verweist auf Österreich, aber auch Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. "Bis zu einer Inzidenz von 35 gelten dort so gut wie keine Beschränkungen mehr." Auch Wedeln und Aufgüsse in den Saunen seien dort erlaubt. "Bayern hält starr an seiner Regelung aus der Zeit nach dem ersten Lockdown fest, als noch niemand gegen Corona geimpft war", sagt Maier. Dabei sei man in der Lage, nur für Geimpfte, Getestete und Genesene zu öffnen.

Die Sanierung der Kerntherme und der Vitaloase trifft die Corona-Pandemie indirekt. "Aktuell sind neun Firmen mit über 80 Monteuren daran, die alte Therme technisch auf neusten Stand zu bringen. Gemeinsames Ziel ist es, die Wiedereröffnung zum 3. Oktober, unserem 22. Geburtstag, den Gästen zum Geschenk zu machen", sagt Wund. Material und Arbeitskräfte seien aber knapp und die Arbeiten - zum Beispiel an der Kuppel - würden sich deshalb länger als geplant wohl bis Mitte/Ende September hinziehen.

Es fehlt nach den langen Zeiten der Schließung auch Personal - auch Auszubildende. "Wir haben in den letzten Tagen einige Mitarbeiter einstellen können, aber für die Wiedereröffnung nach der Grundsanierung und für die Zusatzangebote im Winter brauchen wir von Oktober an 20 bis 25 zusätzliche Mitarbeiter", sagt Wund.

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