Reinhard Bloch und seine Frau Senta Mayer-Bloch führen seit über 25 Jahren erfolgreich den Tagwerk-Biomarkt in Erding. Bio, regional und fair – so lautet das Credo der Tagwerk-Genossenschaft, bei der sie sich seit der Gründung engagieren. Die Kundschaft schätzt nicht nur das riesige Sortiment inklusive Fleisch- und Käsetheke, sondern auch die Freundlichkeit der Angestellten und von Chef und Chefin.
„Wir sind jetzt beide 70 Jahre alt“, sagt Senta Mayer-Bloch – es sei Zeit, ein wenig kürzerzutreten. Zum Gespräch im winzigen Büro haben sich neben dem Ehepaar Bloch auch der neue Ladeninhaber Kevin Baumgartner und seine Partnerin Christina Banuelos eingefunden. Den Laden haben die Blochs zum 1. Januar 2026 an Baumgartner übergeben. „Ein Glücksfall“, sagen Reinhard Bloch und seine Frau. Kevin Baumgartner strahlt, der gebürtige Erdinger sieht das genauso.
Bereits im Kinderwagen habe er seine Mutter, Stammkundin Gabi Baumgartner, beim Einkaufen im Tagwerkladen begleitet, erzählt der neue Ladeninhaber, der seit vergangenem Jahr auch im Aufsichtsrat der Genossenschaft sitzt. Als Teenager hat er im Laden mitgeholfen und dort auch seine heutige Partnerin kennengelernt – Christine Banuelos arbeitete hier nämlich auch schon einige Jahre. Beide kennen also den Laden, die Abläufe und die Stammkundschaft.
Reinhard Bloch und Senta Mayer-Bloch sind überzeugt, dass ihr Geschäft auch künftig in guten Händen ist. Viel Ruhe haben sich die beiden in der Vergangenheit ja nicht gegönnt. Familie, Beruf, das Engagement in der Genossenschaft. Die Blochs waren von München in den Landkreis Erding gezogen, genauer gesagt nach Obergeislbach, Gemeinde Lengdorf, wo die beiden heute noch wohnen. „An Bio war ich schon immer interessiert“, erklärt der gelernte Kaufmann Reinhard Bloch. Da traf es sich gut, dass zu der Zeit, Ende August 1984, in der Bahnhofswirtschaft in Erding 47 umweltbewusste Verbraucherinnen und Verbraucher mit vier Landwirten die Tagwerk-Genossenschaft gründeten. Mit dabei: Reinhard Bloch.


Gemeinsam sollten ökologisch produzierte Lebensmittel regional und fair vermarktet werden. „Das waren damals noch andere Zeiten“, erinnert sich Reinhard Bloch. Man konnte nicht einfach in Erding in einen Laden gehen und Biolebensmittel kaufen. Oder ein Öko-Waschmittel. Senta Mayer-Bloch entwickelte sogar selbst ein umweltfreundliches Waschmittel mit Nachfüllsystem. Es gehört heute noch zum Sortiment.
Der allererste Tagwerkladen in der Stadt Erding, „Die Zwiebel“, wurde 1988 an der Freisinger Straße eröffnet, ein paar Jahre später erfolgte der Umzug an die Landshuter Straße. 1999 übernahm das Ehepaar Mayer-Bloch dort das Geschäft. Es lief richtig gut. So gut, dass die 70 Quadratmeter bald zu klein wurden. „Wir platzten aus allen Nähten“, erinnert sich Reinhard Bloch.

Auf dem täglichen Weg von Obergeislbach zu ihrem Laden kamen sie am Discounter Norma an der Dorfener Straße vorbei. Eines Tages sahen sie dort ein Schild im Schaufenster: „Wir ziehen um.“ Das Ehepaar bewarb sich für den 400 Quadratmeter großen Laden und erhielt den Zuschlag – nach längerem Zittern, denn auch eine Handelskette war sehr an den Räumen interessiert. „Wir hatten unglaubliches Glück“, da sind sich beide einig. Die Größe, die Lage, alles passte. Vor allem auch der eigene Kundenparkplatz direkt beim Haus.
Heute umfasst das Sortiment im Erdinger Tagwerk-Biomarkt etwa 8000 Produkte. Neben der Fleisch- und Käsetheke gibt es auch eine Backwarenabteilung, es gibt Obst, Gemüse ebenso wie Körperpflegeprodukte, Kosmetik, Müsli, Mehl, Gewürze und ein großes Wein- und Spirituosenangebot. Viermal die Woche wird ein frisch gekochtes Mittagessen angeboten. Dienstag ist schon lange immer Schweinebraten-Tag – das Rezept stammt von Baumgartners Mutter, die dem Laden immer verbunden war. Wer will, kann an dem langen Holztisch auch auf Kaffee und Kuchen vorbeikommen.
Er wolle den Laden ganz im Sinne seiner Vorgänger führen, erklärt Kevin Baumgartner. Wichtig sei ihm, das öffentliche Bewusstsein für die Bedeutung von Regionalität und Ökologie zu stärken.
Die Kinder der Stammkundschaft bleiben dem Laden treu
Zum Tagwerk-Netzwerk zählen heute rund 150 Erzeuger und zahlreiche regionale Verarbeitungsbetriebe. Seit 2022 gibt es auch eine eigene Tagwerk-Metzgerei in Niederhummel im Landkreis Freising, die allerdings zuletzt finanziell zu kämpfen hatte. Neben der Genossenschaft existiert ein gemeinnütziger Tagwerk-Verein.
Kevin Baumgartner übernimmt in Erding ein erfolgreiches Geschäft. „Der Laden läuft sehr gut“, erklärt Reinhard Bloch. Das liege sicher auch am Personal, das kompetent und freundlich sei und für eine gute Atmosphäre sorge. Viele Stammkunden kaufen hier ein – und auch deren Kinder bleiben dem Tagwerk-Biomarkt treu. „Weil sie überzeugt sind, dass sie hier richtig gute Qualität bekommen“, sagt Bloch. Auch wenn die Preise höher sind als im Discounter. „Es sind halt ehrliche Preise.“
Zudem punkte Tagwerk bei der Müllvermeidung. Der 400 Quadratmeter große Laden benötige zum Beispiel nur eine einzige Biotonne, erklärt Bloch. Altes Brot hole Biobäuerin Bernadette Lex für ihre Tiere. Ware, die kurz vor dem Ablaufdatum stehe, werde zu reduziertem Preis angeboten. „Das nehmen die Kunden sehr gerne an“, so Kevin Baumgartner.
Baumgartner und Christine Banuelos müssen wieder in den Verkaufsraum. Kundschaft ist da. Im Büro läutet das Telefon. Reinhard Bloch geht ran. „Dinkelsemmelbrösel? Moment“, sagt er und schaut zu seiner Frau. „Klar haben wir die“, sagt Senta und macht sich im Laden auf die Suche. „Man kann ja nicht alles wissen“, sagt Reinhard schmunzelnd, „bei 8000 Produkten, die wir inzwischen haben“.
Dieses Jahr zumindest ist das Ehepaar immer noch stundenweise im Laden. Wer sie treffen will, sollte an einem Montag kommen: Da sind sie auf jeden Fall da. Das haben sie sich fest vorgenommen.

