Süddeutsche Zeitung

Nachruf:Immer ein charmanter, witziger und gewinnbringender Gesprächspartner

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Der langjährige Erdinger SZ-Redakteur Wolfgang Sardison ist am Wochenende unerwartet im Alter von 72 Jahren gestorben. Er hatte alles, was ein exzellenter Journalist mitbringen muss.

Von Florian Tempel, Erding

Wolfgang Sardison ist tot. Als die Wochenendausgabe am Montag noch immer vor seiner Wohnungstür im vierten Stock in der Kordonhausgasse lag, war klar, dass etwas nicht stimmte. Die Befürchtungen bestätigten sich, als man die Tür geöffnet hatte. Der langjährige Erdinger SZ-Redakteur war wahrscheinlich schon am Samstag verstorben. Er hatte sich in letzter Zeit etwas schlapp und müde gefühlt. Es schien aber nichts Ernstes, sein Tod kam überraschend und unerwartet. Er wurde 72 Jahre alt.

Wolfgang Sardison kam am 21. November 1949 in Karlsfeld auf die Welt. Er besuchte das Gymnasium in Dachau, brach es aber Mitte der 1960er Jahre ab, als in München gerade so viel Spannendes passierte, das man nicht im Schulunterricht erleben konnte. Auch die anschließende Ausbildung zum Kaufmann machte er nur pro forma. Mit Begeisterung wurde er dann aber Schallplattenverkäufer im Disco-Center an der Giselastraße, was für ihn als Rockmusik-Fan in mehrfacher Hinsicht lohnend war. Nun war er in der Musikszene mittendrin, lernte laufend neue interessante Leute kennen, tauchte in die Schwabinger Boheme ein, arbeitete als Komparse bei der Kinderfernsehserie "Das Feuerrote Spielmobil" und wurde DJ.

1977 sattelte er um und erfand sich neu

Im Jahr 1977, als der SZ-Lokalteil für Erding eingeführt wurde, sattelte er um, erfand sich neu und wurde Journalist. Seine damalige Freundin, Anna Brückner, hatte ihn dem ersten Erdinger Redaktionsleiter Winfried Schindler vorgestellt. Die beiden Musikfans verstanden sich auf Anhieb. Wolfgang Sardison hatte seine berufliche Bestimmung gefunden. Er hatte alles, was ein exzellenter Journalist mitbringen muss. Er hatte das nötige Schreibtalent und die richtige Stilsicherheit, das richtige Maß an Neugier und kritischer Distanz, sowie am wichtigsten: eine grundsätzliche, positive Aufgeschlossenheit anderen Menschen gegenüber.

Mit seinem gewinnenden Lächeln und seinem fröhlichen, klaren Blick kam er nicht nur bei seinen beruflichen Kontakten, die man als Journalist ja unbedingt braucht, so gut an. Ob einer Vorstands- oder Parteivorsitzender war, ein kleiner Ladenbetreiber oder eine einfache Angestellte, das machte für ihn keinen Unterschied. Er ging auf jeden Menschen, egal welcher gesellschaftlichen Schicht, mit der gleichen, ehrlichen Freundlichkeit zu. Er konnte mit Bürgermeistern im Bierzelt sitzen, mit Jazzmusikern an der Bar, mit Freunden am Tresen seiner Stammkneipe "Speak Easy", beim Sonntags-Stammtisch in Dorfen im "Lebzelter" oder in Damenbegleitung in einem Straßencafé in der Langen Zeile - er war stets ein charmanter, witziger und gewinnbringender Gesprächspartner.

Die ganze Bandbreite des Journalismus

Eine Rückblick-Seite auf das Jahr 2009 war sein letzter Beitrag, bevor er sich vor 13 Jahren vorgezogen in den Ruhestand verabschiedet. Zum Abschluss lieferte er noch einmal die ganze Bandbreite des Lokaljournalismus ab: Er fasste einen spektakulären Mordprozess zusammen, berichtete über die Ambitionen der Stadt Erding, eine Landesgartenschau auszurichten, schrieb über den Neubau der Museum Erding, die Planungen für den Jakobmayer in Dorfen, den Ausbruch der Schweinegrippe und Streiks am Flughafen München, dazu eine "Chronik der Ereignisse". Viele werden dieser Tage an ihn zurückdenken. Der Termin für seine Bestattung steht noch nicht fest.

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