Erding Strittige Schneise für Monaco

Durch den Landkreis wird eine Erdgaspipeline verlegt, um Industrie und Kraftwerke zu versorgendurch den Landkreis. Der Graben soll von St. Wolfgang bis Finsing verlaufen und Wald und Landschaftsschutzgebiete queren

Von Thomas Daller

- Durch den Landkreis Erding soll eine Gashochdruckleitung verlaufen, deren Rohre mit einem Durchmesser von 1,2 Meter so groß sind, wie die der Gaspipeline auf dem Grund der Ostsee. Der erste Abschnitt der Pipeline "Monaco II" soll von Burghausen bis zum Knotenpunkt Finsing verlaufen. Die Trasse schwenkt in Pyramoos bei Sankt Wolfgang in den Landkreis ein und führt über die Gemeindegebiete Isen, Buch und Pastetten bis Finsing. Voraussichtlich im Frühjahr des kommenden Jahres soll das Planfeststellungsverfahren beginnen. Die betroffenen Gemeinden im Landkreis haben sich bereits im Raumordnungsverfahren gegen das Projekt ausgesprochen.

Mit dem Ausstieg aus der Atomkraft werden mehr konventionelle Gaskraftwerke benötigt, um die Stromversorgungssicherheit zu gewährleisten. Über die Nabucco-Pipeline soll Gas aus den zweitgrößten Reserven der Welt in der Region Aserbaidschan, Turkmenistan und in Nordirak angezapft und nach Österreich gepumpt werden. Über Burghausen soll das Gas auch Bayern und Baden-Württemberg versorgen - mittels der Gashochdruckleitung "Monaco II". In der ersten Bauphase soll die Monaco-Pipeline auf 90 Kilometern Burghausen und den Knoten Finsing verbinden, wo sich der Anschluss zur Pipeline nach Schwandorf befindet. In der Phase zwei soll die Monaco-Pipeline weiter bis Amerdingen gebaut werden, wo der Anschluss Richtung Baden-Württemberg entstehen soll. Die Gaskraftwerksbetreiber gehen nach Angaben der Fachzeitschrift Energiemarkt davon aus, dass der erste Abschnitt von Burghausen bis Finsing bereits 2016 fertiggestellt sein wird.

Politisch sind die Weichen bereits gestellt: Die positive landesplanerische Beurteilung durch die Regierung von Oberbayern ist seit März 2011 abgeschlossen; auch der Bayerische Landtag hat erst in der vergangenen Woche das Projekt der Bayerngas GmbH und der Bayernnets GmbH explizit befürwortet.

Auf die Gemeinden kommt nun das Planfeststellungsverfahren zu. Doch die Kommunen sehen nur Nachteile. Die Gashochdruckleitung soll zwar unterirdisch verlegt werden, doch die Grundstücksbesitzer, in der Regel Landwirte, betrachten die erforderliche Grunddienstbarkeit skeptisch. Denn die Schutzstreifenbreite links und rechts des verlegten Rohres beträgt jeweils fünf Meter. Eine landwirtschaftliche Bearbeitung ist darauf noch möglich, nicht aber eine Bebauung des Streifens mit Gebäuden. "In einigen Gemeinden kann die Verlegung der Leitung die künftige Siedlungsentwicklung hemmen", heißt es dazu in der landesplanerischen Beurteilung. Außerdem sollen die Grundbesitzer als Dienstbarkeitsentschädigung 20 Prozent des Verkehrswertes ihres betroffenen Grund und Bodens erhalten. Das ist vielen zu wenig.

Hinzu kommen die Flurschäden während der Bauphase. Im freien Gelände wird ein Arbeitsstreifen von bis zu 28 Metern, im Wald von 17 bis 20 Metern benötigt. Die sogenannte Vorzugstrasse durchschneidet nicht nur größere, zusammenhängende Waldgebiete, sondern quert neben Straßen, Gewässern und Gleisen auch das Isental mit seinen Nebenbächen, ein FFH-Schutzgebiet von europäischem Rang. Macht aber nichts, sagt die Regierung von Oberbayern: "Nach den Ausführungen in der FFH-Vorprüfung ist voraussichtlich nicht von erheblichen Beeinträchtigungen gebietsbezogener Erhaltungsziele auszugehen." Die Eingriffe und Auswirkungen würden sich im Wesentlichen auf die Bauzeit beschränken. Deswegen würden aus Sicht des Naturschutzes und der Landschaftspflege keine Bedenken bestehen. Schließlich sei ja auch eine ordnungsgemäße Rekultivierung vorgesehen.