Süddeutsche Zeitung

Landkreis Erding:Glück gehört zum Gewinnen von Personal dazu

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Auch im Landkreis Erding werben die Kommunen mit zusätzlichen Vergünstigungen zum Tariflohn, um ihre Stellen besetzen zu können. Nicht alle Gemeinden dürfen aber etwa die Erding-Zulage bezahlen.

Von Gerhard Wilhelm, Erding

Es ist noch nicht so lange her, dass öffentliche Verwaltungen klagten, dass es sehr schwierig sei, offene oder neue Stellen zu besetzen. In der teuren Region München herrscht unter den Kommunen ein harter Kampf um Personal, im Klinikbereich war sogar von "Kannibalisierung" die Rede. Kommunen mit viel Geld lockten mit zusätzlichen Vergünstigungen, unter anderem Zulagen, Prämien oder Mitarbeiterwohnungen. Im Landkreis ist die Situation nicht einheitlich: "So weit sind alle Stellen besetzt", teilt die Stadt Erding mit. "Die Suche nach Personal gestaltet sich nach wie vor schwierig", sagt indes Josef Steinkirchner, Geschäftsleiter der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Oberding.

Über 30 Ausschreibungen sind beim Klinikum offen

Am Landratsamt Erding wird ein gemischtes Fazit gezogen: "In der Regel können Stellen mit wenigen Ausnahmen (wieder-) besetzt werden", schreibt das Landratsamt. Nur am Klinikum Erding hat sich die Situation nicht verbessert. Über 30 Ausschreibungen sind offen, vor allem im Pflegebereich. Gerade dort wird mit harten Bandagen um Personal gekämpft. Anfang des Jahres warb Freising zum Beispiel mit einer Antrittsprämie bis zu 11 000 Euro und Ebersberg suchte mit großen Plakaten nach Personal.

Auch am Landratsamt wird mittlerweile mit "Benefits" gearbeitet, schreibt Markus Hautmann, Pressesprecher des Landratsamtes. Darunter sind unter anderem eine Erding-Zulage von 135 Euro, die Hälfte der Großraumzulage, die München zahlt, eine Jahressonderzahlung, eine Flexi-Prämie, wenn man bereit ist, "völlig spontan eingesetzt zu werden", oder eine betriebliche Altersvorsorge zu verstehen. Zudem werben das Landratsamt und das Klinikum mit kostenlosen Mitarbeiterparkplätzen, Sonderkonditionen bei Ticketsprinter, Vergünstigungen im klinikeigenen Therapiezentrum und vergünstigter Wohnmöglichkeit im hauseigenen Personalwohngebäude. Um Mitarbeiter zu gewinnen, sei sowohl das Landratsamt als auch das Klinikum Erding auf den einschlägigen Jobportalen vertreten, teilt der Pressesprecher mit. "Auch in Printmedien erscheinen die Stellenanzeigen. Zusätzlich wird auf Jobmessen ausgestellt."

Bei der VG Oberding, zu der die Gemeinde Eitting gehört, seien "Vergünstigungen" mittlerweile obligatorisch, sagt Steinkirchner. Man zahle sogar die Großraumzulage München und das Doppelte der Erding-Zulage, 270 Euro. Bis vor ein paar Monaten sei die Personalsituation in der VG noch gut gewesen, dann habe es ein paar unverhoffte Abgänge gegeben und seitdem suche man Ersatz, sagt der Geschäftsleiter. Die Suche gestalte sich durchaus schwierig. Zum Beispiel suche die VG seit etwa einem halben Jahr für das Bauamt einen Bauingenieur. Um einen Eindruck von der hohen Nachfrage im öffentlichen Dienst zu bekommen, müsse man laut Steinkirchner nur im Internet die Stichworte "Stellenangebot öffentlicher Dienst" eingeben. Die Internetseite " Jobs beim Staat/Öffentlicher Dienst" weist für Bayern aktuell rund 11 800 offene Stellen aus. Im Zehn-Kilometer-Umkreis von Erding sind es noch 72.

Die Stadt Erding meldet wie das Landratsamt keine größeren Probleme. Soweit seien im Rathaus alle Stellen besetzt, bis auf zwei Ausnahmen: "Im Bauhof suchen wir Straßenwärter oder Fachleute für den Unterhalt der Straßen und hier im Rathaus haben wir Bedarf an einem Planer oder Ingenieur", schreibt Pressesprecher Christian Wanninger. Auch die Stadt lockt mit der Erding-Zulage über 135 Euro, zudem eine monatliche Zuwendung über die Erding Card, "ein attraktives Arbeitsumfeld und gutes Betriebsklima sowie flexible Arbeitszeitmodelle, insbesondere für Mütter".

Die VG Wartenberg darf keine Erding-Zulage zahlen.

"Es gehört wohl auch ein bisschen Glück dazu, wenn man die offenen Stellen schnell wieder besetzt bekommt", sagt Werner Christofori, Geschäftsstellenleiter der VG Wartenberg, zu der die Gemeinden Langenpreising und Berglern gehören. Der Zeitpunkt der Ausschreibung müsse zusammenfallen mit der des passenden Jobsuchenden, dann klappe es. In der VG seien die Stellen besetzt, obwohl die Personalgewinnung über die Jahre gleich schwierig geblieben sei. Dabei schlagen sich die VG und die drei Rathäuser in der VG mit einem großen Handicap herum: "Wir dürfen die Erdinger Zulage nicht zahlen, weil Wartenberg gerade so aus dem zulässigen Bereich ist." Vor allem bei der Stellenbesetzung in den Kindergärten sei man deshalb gegenüber anderen Kommunen im Nachteil. Sogar im Innenministerium sei man gewesen, um doch die Zulage zahlen zu dürfen, aber ohne Erfolg, sagt Geschäftsstellenleiter Christofori.

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