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Erding:Startschuss für den Klimaschutz

Klimaschuztzatlas

Landrat Martin Bayerstorfer, Klimaschutzmanager Michael Perzl und EVE-Geschäftsführer Stefan Munding bei der Vorstellung des Klimaschutzatlas.

(Foto: Daller)

Landkreis legt umfassende Bestandsaufnahme und ein Konzept für die Zukunft vor

Der Landkreis hat einen Klimaschutzatlas vorgestellt, der einen Überblick über Energieerzeugung und -verbrauch im Landkreis Erding bietet. Außerdem macht er, angelehnt an die Ziele der Staatsregierung, einen Vorschlag für ein Konzept, wie man den CO₂-Ausstoß bis 2030 auf drei und bis 2050 auf zwei Tonnen pro Landkreisbürger senken könnte. Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) betonte im Strukturausschuss, der Klimaschutzatlas sei eine Bestandsaufnahme und Diskussionsgrundlage. "Er kann nur der Startschuss sein, um in einen Dialogprozess einzutreten und die Grundlagen für eine nachhaltige Klima- und Umweltpolitik zu schaffen." Für Klimamanager Michael Perzl vom Liegenschaftsmanagement des Landkreises gab es im Strukturausschuss Beifall von allen Fraktionen. Sein Klimaschutzatlas sei sehr strukturiert und gut geworden.

Perzl hat seit Sommer vergangenen Jahres im Auftrag von Landrat Bayerstorfer mit der Datenerhebung begonnen. Er hat den CO₂-Ausstoß untergliedert in die Bereiche Strom, Wärme und Mobilität. Den größten Anteil nimmt dabei mit 42 Prozent beziehungsweise 334 500 Tonnen die Mobilität ein, gefolgt von der Wärme mit 39 Prozent beziehungsweise 310 000 Tonnen. Der Stromanteil beläuft sich auf 19 Prozent und knapp 150 000 Tonnen.

Rein rechnerisch kommt der Landkreis beim Strom sehr gut weg, weil der Abteil der Wasserkraft an der regenerativen Stromerzeugung mit 48 Prozent und 313 000 Megawattstunden enorm hoch ist. Das ist aber eine rein bilanzielle Rechnung, denn dieser Strom kommt zum Großteil aus den drei großen Wasserkraftwerken am Mittleren Isarkanal, die vorwiegend Bahnstrom erzeugen. An zweiter Stelle mit einem Anteil von 32 Prozent kommt Biomasse und Biogas mit 209 000 Megawattstunden. Photovoltaik kommt mit 19 Prozent und 124 000 Megawattstunden erst an dritter Stelle. Windkraft und fossile Blockheizkraftwerke spielen kaum eine Rolle. Ziel ist es, den Anteil der regenerativen Stromerzeugung um 20 Prozent zu erhöhen und den Stromverbrauch um 20 Prozent zu senken.

Bei der Wärmeversorgung sieht die Bilanz deutlich schlechter aus, weil im Landkreis überwiegend mit Heizöl geheizt wird. Der Anteil des Heizöls bei den CO₂-Emissionen liegt bei 58 Prozent oder 180 000 Tonnen. Der Erdgasanteil liegt mit 28 Prozent auf Platz zwei mit 86 000 Tonnen CO₂, dann kommt die regenerative Wärmeerzeugung mit neun Prozent und 28 000 Tonnen. Schlusslicht ist die Stromheizung mit fünf Prozent und knapp 16 000 Tonnen. Perzl geht davon aus, dass in den nächsten Jahren viele Hauseigentümer ihre veralteten Ölheizungen gegen moderne regenerative Heizformen austauschen. Auch bei der Wärme sollen einerseits die verbrauchsbedingten Co₂-Emissionen um 20 Prozent reduziert werden und andererseits der Anteil der regenerativen Wärmeerzeugung um 20 Prozent gesteigert werden.

Bei der Mobilität mit 334 500 Tonnen CO₂ wird es wohl am schwierigsten, das gesteckte Ziel von 20 Prozent Emissionen einzusparen. Mit 1,6 Kraftfahrzeugen je Haushalt liegt der Landkreis Erding über dem Mittelwert aller Landkreise im MVV-Gebiet, der bei 1,4 Autos je Haushalt liegt. Allerdings sind die Landkreisbürger auch aufgeschlossener für Hybrid- und E-Autos als im Bundesdurchschnitt: Ihr Anteil liegt im Landkreis Erding bei 1,5 Prozent, bundesweit ist es nur ein Prozent. Für den Ausbau der Elektromobilität ist laut Perzl der Ausbau der flächendeckenden Ladesäuleninfrastruktur ein wichtiger Treiber. Parallel dazu soll der öffentliche Verkehr und das Radwegenetz ausgebaut werden.

Geplant ist nun ein Klimagipfel am 17. Februar, bei dem über den Klimaschutzatlas und das Konzept diskutiert werden soll. Die Mitglieder des Strukturausschusses nahmen die Vorstellung zustimmend zur Kenntnis.

© SZ vom 28.01.2020
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