Es gibt Gremien, da sitzen sich CSU und Grüne feindselig gegenüber. Nicht so im Stadtrat Erding. Während zum Beispiel in Vaterstetten im Nachbarlandkreis Ebersberg jüngst CSU, FW und FDP bei der Wahl des Dritten Bürgermeisters den Kandidaten der Grünen verhindert haben, können sich in Erding die Grünen auf ihr gutes Verhältnis zur CSU, der stärksten Fraktion im Stadtrat, offensichtlich verlassen.
Trotz eines Schrumpfkurses von sechs auf vier Sitze brachte die Grünen-Fraktion in der konstituierenden Stadtratssitzung selbstbewusst und erfolgreich die langjährige Stadt- und Kreisrätin Helga Stieglmeier als Kandidatin für das Amt der Dritten Bürgermeisterin ins Rennen – und ins Ziel.


Als Dritte Bürgermeisterin ließ sich in der Sitzung auch Erdings bislang Zweite Bürgermeisterin Petra Bauernfeind (Freie Wähler, fünf Sitze) aufstellen. Bauernfeind, ebenfalls eine langjährige Stadt- und Kreisrätin, hatte zuvor bei der Kommunalwahl erfolglos gegen OB Max Gotz (CSU) kandidiert.
Als dritter Kandidat für den zweiten Stellvertreterposten trat der ebenfalls gescheiterte OB-Kandidat der Gruppierung Erding Jetzt (fünf Sitze), Gerhard Heilmaier, an, der erstmals in den Stadtrat eingezogen ist. Das Ergebnis der geheimen Abstimmung: Von 40 Stimmen gingen jeweils neun an Bauernfeind und Heilmaier, aber eine klare Mehrheit von 22 an Stieglmeier.
Für Petra Bauernfeind ging der Abend zunächst nicht nach Plan weiter, denn bei der Bewerbung um den Posten der Seniorenreferentin erhielt die ehemalige Zweite Bürgermeisterin überraschend Konkurrenz. Die AfD (vier Sitze) schickte Alfons Penzkofer ins Rennen. Von einer Brandmauer kann man bei der Abstimmung nicht sprechen. Von 40 Stadtratsmitgliedern stimmten zehn für Penzkofer, fünf Stimmabgaben waren ungültig. Bauernfeind wurde mit 25 Stimmen zur Seniorenreferentin gewählt.
Burkhard Köppen wird mit 27 von 40 Stimmen gewählt
Bei der Wahl zum Zweiten Bürgermeister schlug die CSU den langjährigen Stadtrat und CSU-Fraktionsvorsitzenden Burkhard Köppen vor. Er erhielt 27 von 40 Stimmen, acht waren ungültig und es wurden Stimmzettel mit zusätzlichen Namen abgegeben. Gerhard Ippisch von den Grünen und Peter Schachtl (Erding Jetzt) erhielten jeweils eine Stimme, Willi Vogl (CSU) drei.
Einstimmig votierte der neue Stadtrat zudem dafür, den bislang 13 Referaten ein weiteres hinzuzufügen. Referent für „Wohnen“ ist Leon Kozica von der SPD. Neu ist auch ein eigener Jubiläumsausschuss, denn die 800-Jahr-Feier der Stadt Erding im Jahr 2028 wirft ihre Schatten voraus.
Es gebe „keine Regierung und Opposition“, mahnt Gotz
Mit der Kommunalwahl kann Oberbürgermeister Max Gotz (CSU) zufrieden sein. Er war im März mit 51,7 Prozent auf Anhieb wiedergewählt worden, die CSU-Fraktion ist im Stadtrat stärkste Kraft und konnte sich um zwei Mandate auf jetzt 15 verbessern. Er sehe die Stadt mit aktuell 39 000 Einwohnern und Einwohnerinnen „unheimlich gut aufgestellt“, erklärte OB Gotz in einer kurzen Ansprache vor dem neuen Erdinger Stadtrat.
„Die kommunale Verfassung sieht keine Regierung und Opposition vor“, betonte Gotz. Das Gremium arbeite zum Wohle der Stadt, lautete sein Appell an den Stadtrat, dem 14 neue Mitglieder angehören. Bei der Vereidigung stand auch Petra Bauernfeind mit ihrem Handy bereit zum Knipsen: Ihr Sohn Georg Bauernfeind ist für die SPD auf Anhieb in den Erdinger Stadtrat gewählt worden.


