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Diskuswerferin:Spezialistin für schnelle Drehungen

Die 19-jährige Evi Weber ist in diesem Jahr in die nationale Elite des Diskuswurfs vorgedrungen. Sie trainiert sechs Mal in der Woche. Und wenn sie Ferien hat, dreht sie sich in den Karussells der Freizeitparks

Evi Weber aus Erding ist 19 Jahre alt, Schülerin, mag Lasagne und klappert mit ihren Freunden in den Sommerferien deutsche Freizeitparks ab. Ein ganz normales Mädchen - würde sie nicht nachmittags und am Wochenende einem außergewöhnlichen Hobby nachgehen, und das sehr erfolgreich: Sie ist bayrische Meisterin und deutsche Vizemeisterin der U20 im Diskuswurf und qualifizierte sich in diesem Jahr für die Weltmeisterschaft in den USA. Wenn sie an den Start gehe, sei sie meistens die Kleinste, erzählt die 19-Jährige. Mit ihren 170 Zentimetern und der zierlichen, wenn auch trainierten Figur passt sie so gar nicht in das Bild einer typischen Diskuswerferin. Es sei ein Vorurteil, dass es bei dieser Disziplin auf Masse und Größe ankäme, sagt sie, auch wenn manche ihrer gleichaltrigen Konkurrentinnen zwanzig Zentimeter größer seien und 30 Kilo mehr wögen als sie. Schnelle Bewegungen und schnelles Drehen seien viel wichtiger.

Die 19-Jährige trainiert fünf Mal in der Woche beim TSV Erding, einmal beim Landestrainer in München. Eine Trainingseinheit dauert zweieinhalb bis drei Stunden. Wenn man wie die Nachwuchssportlerin auch noch zur Schule geht, ist die Woche damit gut gefüllt. Zeit, sich mit Freunden zu treffen habe sie weniger, höchstens mal am Abend, sagt Weber. Aber meist verzichte sie auf langes Aufbleiben. "Sonst bin ich beim Training ja müde", sagt die 19-Jährige. Alkohol trinke sie auch eher selten. Und sie achtet auch darauf, nicht so viele Süßigkeiten zu essen und sich gesund zu ernähren. Das sei beim Diskuswurf allerdings nicht so wichtig wie beim Hochsprung.

Gefangen in ihrer sportlichen Leidenschaft: Evi Weber qualifizierte sich für die Weltmeisterschaften in den USA.

(Foto: privat)

Mit sechs Jahren begann Evi Weber mit der Leichtathletik beim TSV Erding. "Das war einmal in der Woche und eher Spiel und Spaß", erzählt sie. Bis zu ihrem 15. Lebensjahr trainierte Weber für den Mehrkampf, so sei es beim TSV Erding üblich. Dann suchen sich die jungen Sportler aus, auf welche Disziplin sie sich konzentrieren wollen. Für Weber stand fest, dass es der Diskuswurf werden sollte: "Das hat mir einfach am meisten Spaß gemacht." Zwei Jahre lang habe sie trainiert und trainiert, habe kämpfen müssen um in die Qualifikationen für die Deutsche Meisterschaft zu kommen. Mit 17 gelang ihr das zum ersten Mal, seit dem läuft es sportlich sehr gut. Auch weil sie weiß, worauf es außer der körperlichen Fitness ankommt: "In diesem Sport braucht man Ehrgeiz und Zielstrebigkeit und muss sich immer wieder motivieren."

Vor Wettbewerben schaut sie sich die Meldelisten an, vergleicht und überlegt, was realistische Ziele sein könnten. "Und wenn es nicht so gelaufen ist, wie ich es wollte, ist das eben so", sagt sie. "Ich bin kein Typ, der eine Woche lang enttäuscht herumsitzt. Es geht weiter, der nächste Wettkampf kommt." Trainiert wird Weber seit vielen Jahren beim TSV Erding von ihrem Vater. Er kümmert sich darum, dass seine Tochter auch dann trainieren kann, wenn in Erding in der kalten Jahreszeit die Plätze gesperrt und manchmal sogar zugeschneit sind. Im vergangenen Winter flog er mit ihr für eine Woche nach Lanzarote in ein Sporthotel. Zur Weltmeisterschaft in die USA kam er nach. So wurden mittlerweile auch die jüngeren Geschwister von der Begeisterung für die Leichtathletik angesteckt: Der 15-Jährige Bruder führt im Mehrkampf die bayrische Landesliste seiner Altersklasse an. "Und unsere kleine Schwester ist auf dem Sportplatz auch immer mit dabei", sagt Evi Weber. Druck in der Familie baue sich trotzdem nicht auf. "Wenn einer von uns keinen Sport machen wollte, wäre das auch nicht tragisch."

Die 19-jährige Evi Weber trainiert, seit sie sechs Jahre alt ist, beim TSV Erding.

(Foto: Renate Schmidt)

Ihre unverbissene Herangehensweise hat der 19-Jährigen in diesem Jahr viele Erfolge beschert. Am Jahresfang wurde sie bayrische Meisterin im Winterwurf, es folgte der bayrische Meistertitel der weiblichen U20 im Diskuswurf, die WM-Teilnahme in den USA und zum Saisonabschluss die Silbermedaille in ihrer Altersklasse bei den Deutschen Leichtathletikmeisterschaften. Im vergangenen September setzte sie sich das Ziel, die Qualifikation für die WM in diesem Jahr zu schaffen. In drei Wettbewerben versuchte sie ihr Glück - im letzten übertraf sie die erforderliche Weiter von 50,50 Metern. Gemeinsam mit 56 Teamkollegen aus Deutschland flog sie im Juli nach Eugene in die USA. "Im Deutschland-Trikot zu starten war ein tolles Gefühl", berichtet die 19-Jährige. Bis zum Finale reichte es nicht - mit einer Weite von 48,27 Metern schied sie im Vorkampf aus und belegte den 16. Platz. Mit ihrer Leistung sei sie aber dennoch zufrieden. Die Reise sei ein großartiges Erlebnis gewesen und der Höhepunkt ihrer bisherigen Sportkarriere. Nicht ohne Stolz erzählt sie von ihrem Jetlag, der sie noch eine Woche nach der Rückkehr in Deutschland plagte.

Die 19-Jährige hat in diesem Sommer das Fachabitur geschafft, im nächsten Schuljahr hängt sie die 13. Klasse dran. Anschließend will Weber sich für einen Ausbildungsplatz in der Spitzensportgruppe der Polizei bewerben. Die dauert zwar länger als gewöhnlich, nämlich fünf Jahre, hat aber einen Vorteil: "Man wird pro Jahr acht Monate freigestellt und kann sich auf den Sport konzentrieren." Für ihre sportliche Zukunft wünsche sie sich, dass es genauso erfolgreich weiter geht wie bisher. Vom kommenden Jahr an tritt die 19-Jährige in der Altersklasse U23 an gegen neue Konkurrentinnen. "Da ist auch Shanice Craft dabei, die gerade bei der EM in Zürich sehr erfolgreich war. Ich bin gespannt, wie das wird", sagt sie.

Ohne fleiß kein Preis: In dieser Saison gewann sie Silber bei den deutschen Jugendmeisterschaften.

(Foto: privat)

Für Weber ist jetzt erst einmal Sommer- und Trainingspause. In der freien Zeit geht sie jeden zweiten Tag joggen. "Würde ich das nicht machen, hätte ich ganz schön Muskelkater, wenn es wieder losgeht." Da sie sonst wenig Zeit für ihre Freunde hat, unternimmt sie jetzt umso mehr. Zuerst soll es in den Europapark gehen, dann in den Hanse- und Heidepark. "Und wir wollen ein paar Tage in Hamburg bleiben, eine Hafenrundfahrt machen und uns die Stadt anschauen."