KulturSinnflut Erding droht das Aus

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Das Sinnflut Erding ist ein Besuchermagnet. Hier ein Bild vom Festival 2024.
Das Sinnflut Erding ist ein Besuchermagnet. Hier ein Bild vom Festival 2024. Renate Schmidt

Das Festival lockt jedes Jahr Zehntausende Besucher an. Und doch steht die Veranstaltung auf der Kippe, denn einer der beiden Organisatoren will aufhören – und ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin ist nicht in Sicht.

Von Regina Bluhme, Erding

Es regnet in Strömen an diesem Montagvormittag. Auf dem Volksfestplatz in Erding sind die Aufbauarbeiten für das Sinnflut-Festival in vollem Gange. An diesem Donnerstag, 24. Juli, geht es los. Die Veranstalter Börnie Sparakowski und Peter Feller packen kräftig mit an, Regen hin oder her.  Dabei wollte zumindest Peter Feller längst kürzertreten, doch es findet sich bislang kein neuer Partner oder Nachfolger.

Die Wettervorhersagen für den Eröffnungstag: Bewölkt, eventuell Regenschauer, um die 20 Grad. „Zu heiß ist auch nicht gut“, sagt Börnie Sparakowski. „Aber Dauerregen halt auch nicht“, fügt Peter Feller hinzu. „Das Krasseste waren mal vor Jahren acht Tage Regen und 15 Grad. Das war echt deprimierend.“ Man müsse es eben nehmen, wie es kommt, sagt Sparakowski. Das Wetter ist jedenfalls nicht der Grund dafür, dass Peter Feller aufhören will. „Ich bin 70 Jahre alt, ich will einfach aus der Verantwortung raus“, sagt er.

Sein gleichaltriger Geschäftspartner Börnie Sparakowski hingegen würde gerne weitermachen. „Aber alleine kann ich das nicht stemmen.“ Schon länger sucht die Sinnflut Kultur GmbH einen neuen Partner oder eine Partnerin.  Die Zukunft des Festivals bewegt die Gemüter. Bereits im vergangenen Jahr gab es Spekulationen, die über den Landkreis Erding hinaus beliebte Veranstaltung stehe vor dem Aus. Ob es dieses Jahr wirklich das letzte Mal sein wird, dass das Festival stattfindet, das können die beiden nicht sagen. „Wir hoffen, dass noch jemand einsteigt“, sagt Sparakowski. Ein jüngerer kreativer Kopf mit neuen, frischen Ideen und Geschäftssinn wäre optimal.

Vor 31 Jahren haben Börnie Sparakowski, Peter Feller und Willi Wermelt das Sinnflut-Festival in Erding zum ersten Mal veranstaltet. Alle drei Gründungsmitglieder arbeiteten damals beim Tollwood-Festival in München. So entstand die Idee für ein kleineres Festival, weniger kommerziell als Tollwood. Peter Feller stammt aus Erding und so kam das Sinnflut in die Große Kreisstadt. 2004  ist Willi Wermelt bei der Sinnflut Kultur GmbH, die auch die Nacht der Blauen Wunder in Dorfen, Bad Tölz und Landshut organisiert, ausgestiegen.

Kurze Verschnaufpause: Börnie Sparakowski (links) und Peter Feller sitzen auf der halbfertigen Bühne. Bis spätestens Donnerstagvormittag muss alles aufgebaut sein.
Kurze Verschnaufpause: Börnie Sparakowski (links) und Peter Feller sitzen auf der halbfertigen Bühne. Bis spätestens Donnerstagvormittag muss alles aufgebaut sein. Renate Schmidt

Ein paar Täler galt es in den vergangenen Jahren für die Organisatoren natürlich zu durchschreiten, aber: „Es rechnet sich durchaus, sonst würde es uns nicht schon 31 Jahre geben“, sagt Feller. In den vergangenen Jahren strömten bis zu 80 000 Menschen auf das Festivalgelände mit seinen drei Live-Bühnen, den Verkaufsständen und den internationalen Spezialitäten. Fellers Tochter Lea Feller unterstützt die Festivalmacher seit Jahren. Sie sollte, so der ursprüngliche Plan, in die GmbH voll einsteigen. Doch dann brachte Corona den gesamten Kulturbereich zum Stillstand, Lea Feller suchte und fand anderswo eine Stelle. Dafür haben Peter Feller und Börnie Sparakowski volles Verständnis.

Seit Corona ist es nicht leichter geworden

Leichter sei es nach Corona nicht geworden für Kulturschaffende, erklären beide. Weltweit geben immer mehr Festivals auf. Der Verwaltungsaufwand sei groß, dann seien da die Gema-Forderungen, die Inflation und Kostensteigerungen – auch bei den Gagenforderungen einiger Amateurbands, erklärt Feller. Zudem habe sich das Ausgehverhalten seit Corona verändert. Die Leute blieben öfter daheim, anstatt auf Live-Konzerte zu gehen, fügt Sparakowski hinzu. Dabei seien die Festival-Veranstalter dieses Jahr von Anfragen von Bands aus ganz Deutschland überschüttet worden. An Anfragen von Standbetreibern mangelte es ebenfalls nicht.

Traditionell sind auf dem Sinnflut Erding alle Generationen unterwegs, auch viele Familien. „Bisher war es stets ein friedliches Miteinander“, sagt Börnie Sparakowski.  Das soll so bleiben. Bis heute wird kein Eintritt verlangt. „Wir wollen einfach, dass hier alle eine gute Zeit haben, ohne Konsumzwang.“ Und abends komme bei Beleuchtung und Barbetrieb – und passendem Wetter – „richtiges südliches Urlaubsflair“ auf, sagt Feller.

Sinnflut Erding, Donnerstag, 24. Juli, bis Sonntag, 3. August, Volksfestplatz Erding. Eintritt frei. Das komplette Programm sowie weitere Informationen gibt es unter www.sinnflut.biz.

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