DrogenpolitikCannabis-Razzia beim Sinnflut-Festival

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Alle 56 Stecklinge abgezwickt, eingesackt und mitgenommen: Die Staatsanwaltschaft Landshut spricht von einem Anfangsverdacht, dass nicht alle Regeln vollständig eingehalten wurden.
Alle 56 Stecklinge abgezwickt, eingesackt und mitgenommen: Die Staatsanwaltschaft Landshut spricht von einem Anfangsverdacht, dass nicht alle Regeln vollständig eingehalten wurden. privat

Polizeibeamte beschlagnahmen im Auftrag der Staatsanwaltschaft Landshut in Erding 56 Stecklinge: Der Händler spricht von widerrechtlicher Schikane und sagt, er wolle sich nicht einschüchtern lassen.

Von Thomas Daller, Erding

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Im Auftrag der Staatsanwaltschaft Landshut haben fünf Polizeibeamte 56 Stecklinge am Hanf-Stand von Wenzel Cerveny auf dem Sinnflut-Festivalgelände beschlagnahmt. Der Vorgang ereignete sich am Montag, 29. Juli. Cerveny spricht von Willkür: Bei Stecklingen und Samen handele es sich um „Vermehrungsmaterial“, die laut Cannabisgesetz auch gehandelt werden dürften.

In einem ähnlich gelagerten Fall in Aschheim, wo er Hunderte Stecklinge züchtet, habe die Staatsanwaltschaft München nach einem Rechtsgespräch mit seinem Anwalt die Drogenfahnder unverrichteter Dinge wieder abrücken lassen.

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Da das Cannabisgesetz den Anbau von bis zu drei Pflanzen für Erwachsene unter Sicherheitsauflagen erlaubt, muss es auch Wege zulassen, um sogenanntes „Vermehrungsmaterial“ wie Samen und Setzlinge zu erwerben. Bei Samen geschieht das meist auf dem Versandweg aus dem europäischen Ausland, aber auch der Erwerb von Stecklingen ist grundsätzlich rechtskonform.

Der Gesetzgeber unterscheidet zwischen Cannabis und meint damit das Harz und die Blüten der adulten Pflanze, die den berauschenden Wirkstoff THC enthalten. Dafür gelten strenge Regelungen. Ferner wird auch der Umgang mit „Vermehrungsmaterial“ geregelt, wie der Gesetzgeber in diesem Zusammenhang Samen und Stecklinge nennt. Dabei geht es weit weniger streng zu, weil sie kein THC enthalten. Samen kann man mittlerweile sogar schon an manchen Tankstellen in Bayern kaufen.

Diese Unterscheidung zwischen Cannabis und Vermehrungsmaterial stellt auch der renommierte Rechtsanwalt Kai-Friedrich Neumann in den Mittelpunkt eines Rechtsgutachtens, das er im Auftrag von Wenzel Cerveny erstellt hat. Cerveny wollte juristisch sichergehen, bevor er in Aschheim seinen ersten Cannabis-Club mit angeschlossener Aufzucht vorbereitete. Cerveny betreibt auch in Erding, in der Langen Zeile, einen Hanfladen, wo man Stecklinge erwerben kann.

Beim Sinnflut-Festival hat er ebenfalls einen Stand. Bis am Montag die Polizei in zivil anrückte und mit der Begründung „Gefahr in Verzug“ alle 56 Stecklinge „mit einer Zange abschnitt, in einen Sack packte und mitnahm“. Cerveny wollte noch mit der zuständigen Staatsanwaltschaft sprechen, was die Beamten mit der Begründung abgelehnt hätten, die wolle man nicht stören. Nicht einmal eine Kopie des Protokolls habe er erhalten, sagt Cerveny.

Er hält das Vorgehen für willkürlich und betrachtet es als „Schikane“. Denn im Mai 2024 habe er in Aschheim Besuch von der Drogenfahndung bekommen und ihnen dort auch seinen Anbaubereich mit den Stecklingen gezeigt. In dem 9 mal 4,50 Meter großen Bereich stünden „bis zu 1000 Stecklinge“. Sie wollten ihm ursprünglich auch Stecklinge wegnehmen, aber nach Rücksprache seines Anwalts mit der Staatsanwaltschaft München seien sie unverrichteter Dinge wieder gegangen. Seither habe er nichts mehr davon gehört.

Auf Anfrage der SZ erklärte die Staatsanwaltschaft Landshut, dass „das Gesetz zum Umgang mit Konsum-Cannabis komplexe Regeln zum Umgang mit Marihuanapflanzen vorgibt. Hier besteht der Anfangsverdacht, dass diese Regeln nicht vollständig eingehalten wurden“. Aufgrund der laufenden Ermittlungen gebe man derzeit keine weitergehende Stellungnahme ab und man kommentiere auch nicht Ermittlungsmaßnahmen anderer Behörden.

Cerveny hingegen ist sich sicher, gesetzeskonform zu handeln. Die Razzia in Erding sei mittlerweile die 26., die gegen seine Hanfladenkette erfolge. Aber er werde sich auch weiterhin nicht einschüchtern lassen.

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Die Initiative geht vom Inhaber einer Hanf-Shop-Ladenkette aus, der auch eine Filiale in der Langen Zeile betreibt. In Aschheim soll sein Pilotprojekt entstehen, und wenn alles läuft, will er ein paar Monate später in Erding nachziehen.

Von Thomas Daller

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