bedeckt München 14°
vgwortpixel

Erding:Seltenes Geschenk

Karl Käser war ein gebürtiger Erdinger.

(Foto: Privat)

Karl Käser hat Erding das Grundstück am Sternweg vermacht. Ein Porträt

Der 2013 verstorbene Karl Käser hat der Stadt Erding sein Grundstück am Sternweg vermacht. Sein Wunsch: "Etwas Vernünftiges" sollte darauf gebaut werden. Nun wird dort das Hospiz für die Landkreise Erding und Freising errichtet. Das würde ihm sehr gefallen, sagen Familie und Wegbegleiter. Kürzlich hat der Stadtrat darüber diskutiert, den Sternweg in Karl-Käser-Weg umzubenennen. Schließlich bekommt man so ein Geschenk nicht alle Tage.

Matthias Gallenberger aus Dorfen ist ein ehemaliger Kollege und der Testamentsvollstrecker von Karl Käser. Das riesige Grundstück am Sternweg habe Käser der Stadt Erding geschenkt mit dem ausdrücklichen Wunsch, dass dort "etwas Vernünftiges" verwirklicht werde, etwas fürs Gemeinwohl, betont Gallenberger. Ihm gegenüber habe er zudem den Wunsch geäußert, dass ein Platz oder eine Straße nach ihm benannt werde. Da Karl Käser mit seiner Schenkung sozusagen die Grundlage für das Hospiz geliefert habe, habe er es auch verdient, "dass sein Name erwähnt wird", fügt Matthias Gallenberger hinzu.

Der Ansicht ist auch Hermann Kraus, ein Freund des Verstorbenen. Er könne sich noch erinnern, das Käser schon in den 90er Jahren davon gesprochen davon habe, das Grundstück und das Haus der Stadt zu vermachen. Käser sei zudem "ein waschechter Erdinger", er ist hier geboren und aufgewachsen. Sein Leben lang habe er bei der Volksbank Erding gearbeitet, zunächst als Lehrling, später als Leiter der Kreditabteilung.

In der Stadtratssitzung Anfang November hatte sich Oberbürgermeister Max Gotz (CSU) für die Umbenennung des Sternwegs eingesetzt. Es gab eine kurze Debatte, weil Anwohner des Sternwegs eine Adressänderung kritisch sehen. Gotz hielt dagegen und erklärte, dass der Spender des Grundstücks mit dieser Geste gewürdigt werden sollte. Die endgültige Entscheidung wurde vertagt.

"Er würde sich sicher über diese Ehrung freuen", ist Karl Käsers Halbschwester Helga Drechsel überzeugt. Zudem sei Käser in Erding sehr bekannt gewesen. Wer ein Geldgeschäft zu erledigen hatte, "der ging nicht zur Bank, sondern zum Käser Karl".

Karl Käser und seine beiden Brüder hatten früh die Mutter verloren. Aufgewachsen ist er bei seiner Tante. In den 1950er Jahren ist er in das Haus am Sternweg gezogen. Geheiratet hat er nicht. Der Junggeselle hatte zahlreiche Hobbys und war in vielen Vereinen aktiv. Zum Beispiel bei den Freunden der Stadt Erding. "Er hat auch gerne Theater gespielt, war Mitglied der Liedertafel", erinnert sich Kraus. Zudem war er im BRK aktiv, zeitweise als Schatzmeister, und in der Badmintonabteilung des TSV Erding. Seine Fahrkünste allerdings ließen laut Kraus zu wünschen übrig. Die Tante habe nach einem Ausflug erklärt, sie werde nie mehr zu ihm ins Auto steigen. Daraufhin habe er das Auto verkauft und sei mit dem Rad gefahren, gerne auch zum Baden zum Notzinger Weiher. Sehr geliebt habe er seinen großen Garten, erzählt Helga Drechsel. Dass auf dem Grundstück jetzt ein Hospiz gebaut werde, findet sie "einfach wunderbar".

Am 20. Januar 2013 ist Karl Käser nachkurzer Krankheit im Alter von 84 Jahren gestorben. In der Traueranzeige stand, dass anstelle von Blumen und Kränzen an den Christophorus-Hospiz-Verein gespendet werden soll. Sein Wohnhaus ist inzwischen abgerissen und ein Teil des alten Baumbestands gefällt. Doch der große Walnussbaum, der ihm sehr am Herzen lag, steht noch. Dass das Hospiz nun auf seinem Grundstück gebaut werde, sei ganz bestimmt in seinem Sinne, sagt Helga Drechsel: "Mein Bruder würde sich freuen."