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Erdinger Geothermie auf der Erfolgswelle:Zufrieden mit den Geschäften

Geothermie

Im Inneren voller Leistungskraft: Die erste Bohrung an der Therme, wo 65 Grad heißes Wasser aus einer Tiefe von 2300 Meter nach oben befördert wird.

(Foto: Renate Schmidt)

Zweckverband rechnet 2016 mit einem Gewinn von einer Million Euro. Wie die Erdinger das machen, das interessiert auch die Fachwelt

Das Erdinger Geothermie-Projekt besitzt auch 25 Jahren nach seinem Start noch große Zugkraft. Geschäftsleiter Alois Gabauer ist eigenen Worten zufolge weiterhin ein gern gesehener Gast auf Veranstaltungen zum Thema, so auch vor einigen Tagen beim Praxisforum Geothermie Bayern, wo er die neusten Kennzahlen der Wärmegewinnung aus heißem Wasser aus dem Erdinneren präsentierte. Auch dem Verbandsausschuss des Zweckverbandes für Geowärme offenbarte er am Montag diese Zahlen. Sie zeigen, dass die Geothermie in Erding weiter auf der Erfolgswelle schwimmt. Und das obwohl das Wasser, das in Erding gefördert wird, gar nicht so heiß ist wie das aus anderen Quellen rund um München. Finanziell ist die Geothermie trotzdem so erfolgreich, dass die Stadt Erding nun auch von ihrem Recht auf ein Gestattungsentgelt Gebrauch macht: Sie bekommt Geld dafür, dass der Zweckverband städtische Grundstücke nutzen darf.

Mehr als zwei Millionen Euro hat der Geowärmezweckverband bereits im ersten Halbjahr 2016 erzielt. Damit befindet man sich gut im Plan, der Erlöse in Höhe von gut vier Millionen Euro bis zum Jahresende vorsieht. Übrig bleiben soll ein Gewinn in Höhe von etwa einer Million Euro, außerdem sollen Schulden "zügig zurückgezahlt" werden, wie Gabauer sagte. Zum Halbjahr hatte der Zweckverband etwa 20,5 Millionen Euro Schulden. Der Verbandsvorsitzende Max Gotz (CSU), der sich als Erdinger OB mit Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) in diesem Amt regelmäßig abwechselt, äußerte sich sehr zufrieden. Er wies noch darauf hin, dass der anvisierte Gewinn in Höhe von einer Millionen Euro trotz Abschreibungen in Höhe von 1,8 Millionen Euro erzielt werden solle. Dies sei "sehr bemerkenswert", fand er.

Gabauer wiederholte vor dem Verbandsausschuss einige Kennzahlen zur Erdinger Geothermie, mit der er auch das Praxisforum Geothermie Bayern beeindrucken konnte. Mit einigen Zahlenstrahlen veranschaulichte er die Entwicklung hin zu einer Thermalwasserabgabe, die 2015 bei knapp 850 000 Liter lag, alleine 200 000 Liter nahm die Therme dem Zweckverband ab. Die Anschlusswerte sind auf 67,3 Megawatt geklettert, das Netz der Fernwärmetrasse hat eine Länge von gut dreißig Kilometer. Und alles soll noch ein bisschen weiter ausgebaut werden: Das Netz soll in den Neubaugebieten ausgebaut und verdichtet werden. Für die gestiegenen Anforderungen der ausgebauten Therme Erding soll die Wärmetechnik angepasst und eine weitere mit einem Blockheizkraftwerk betriebene Wärmepumpe eingebaut werden. Wie Gabauer betonte, ist die Therme Erding der mit Abstand wichtigste Kunde des Zweckverbandes. Das Rutschen-, Bade- und Saunaparadies, das erst nach dem Fund des heißen Wassers gebaut wurde, hat in den vergangenen Jahren immer mehr Wasser benötigt: 2003 waren es noch 75 000 Liter Wasser und 2015 knapp 200 000 Liter.

"Bestaunt" und "positiv aufgenommen" werde diese Erfolgsgeschichte unter Fachleute, sagte Gabauer - auch weil das Erdinger Wasser deutlich weniger heiß ist als das, das im Süden Münchens an die Erdoberfläche befördert wird. Dort könne man mit dem über 100 Grad heißen Wasser sogar Strom gewinnen. Allerdings müsse dort auch großer Aufwand getrieben werden, denn das Wasser ist 4500 bis 5000 Meter tief im Erdinneren versteckt, in Erding muss man das Wasser dagegen nur etwa 2300 Meter hoch pumpen.

Vor dem Hintegrund dieses wirtschaftlichen Erfolges wird es dem Geowärmezweckverband nicht schwer fallen, der Stadt Erding künftig ein Gestattungsentgelt zu bezahlen als Ausgleich dafür, dass die Anlagen auf städtischem Grund stehen. Bislang hatte die Stadt darauf verzichtet, weil der Zweckverband wegen der hohen Investitionen in den ersten Betriebsjahren hohen Verluste erwirtschaftet hatte, in der Satzung festgeschrieben war das Entgelt jedoch von Anfang an. "Jetzt steht der Zweckverband gut da", sagte Gabauer. "Er kann das zahlen und sollte auch." Der Erdinger Stadtrat hatte sich bereits mit einem einstimmigen Votum hinter den Vorschlag von Gotz gestellt, dieses Entgelt nun einzufordern. Der Verbandsausschuss des Zweckverbandes stimmte in seiner Sitzung am Montag auch zu. Das Entgelt soll jährlich 60 000 Euro betragen und soll jeweils im Juli überwiesen werden, erstmals im kommenden Jahr.