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Erding:Schutzbedürftige Innenstadt

Gutachter Professor Heinritz warnt abermals vor einer Expansion der Gewerbegebiete am Erdinger Stadtrand - um einen Magneten in die City zu locken.

Es wird noch etwas dauern, bis Erding zum Einkaufsparadies für junge Leute wird, die sich schick und günstig einkleiden wollen. Der Gutachter Professor Günther Heinritz empfiehlt jedenfalls, dass Erding sich mäßigen möge bei der Ansiedlung weiterer Textilgeschäfte im Gewerbegebiet West.

Der Grüne Markt  auf dem Schrannenplatz zieht Passanten in die Innenstadt.

(Foto: erd)

Der Unternehmer Georg Scharl möchte dort Verkaufsflächen vermarkten, weil seinen Angaben zufolge die Textilketten nach Erding drängen. Scharls Wunsch nach weiteren Verkaufsflächen hat die Stadt Erding zum Anlass genommen, das Einzelhandelsgutachten von Heinritz fortschreiben zu lassen. Mit den Ergebnissen dieser Untersuchung beschäftigte sich nun der Planungs- und Umweltausschuss, am 16. Oktober hält die Stadt Erding dazu auch eine Bürgerversammlung ab - und wird danach entscheiden.

Die Bestandsaufnahme von Heinritz erbrachte dabei, dass die Verkaufsflächen im Gewerbegebiet steigen und in der Innenstadt seit 2005 gesunken sind - ebenso die Zahl der Betriebe. "Die Innenstadt scheint auf der Verliererseite zu stehen", sagte Heinritz. Doch sein Partner Ralf Popien relativierte diese Aussage umgehend: Die Passantenfrequenz in der Innenstadt habe nicht nachgelassen, es gebe sogar mittlerweile eine zweite 1a-Lage außer der Langen Zeile zwischen Gewandhaus Gruber und Süddeutscher Zeitung: das Gebiet um den Müller-Markt. Passantenbefragungen in der Innenstadt hatten ergeben, dass 60 Prozent der Besucher dort von auswärts kämen - "ein ganz guter Wert für so eine Stadt", urteilte Popien. Die Passanten kämen nicht nur zum Einkaufen in die Innenstadt, sondern um sich zu treffen, um Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen und für Kultur, Gesundheit und Sport.

Bereits in seinen früheren Gutachten hatte Heinritz vor Gewerbegebieten am Rande der Stadt gewarnt. Die Stadtpolitik hat sich nicht immer an seine Vorgaben gehalten, wenngleich es viele Stimmen gab und gibt, die die Entwicklung im Westen mit Sorge begleiten. Schon einmal hatte Heinritz jedoch festgestellt, dass die Innenstadt einen geringeren Schaden als erwartet genommen habe. Dennoch legte er auch dieses Mal dem Stadtrat ans Herz, seine gutachterlichen Empfehlungen zu beherzigen.

"Wenn Sie die Textil-Konkurrenz einschränken, tun Sie auch etwas Gutes", sagte er. Ließe man weitere Bekleidungsläden am Stadtrand zu, schmälere dies die Chancen, einen zugkräftigen Textiler in die Innenstadt zu bekommen. Popien sagte, die Stadt könne versuchen, das Mayr-Wirt-Gelände anzubieten. Immer wieder fällt in diesem Zusammenhang der Name des Unternehmens H&M. "Aber diese Unternehmen wollen am liebsten ganz rein in die Innenstadt", sagte Popien.

Kluge Ratschläge hatten die Wissenschaftler auch zur Situation der Parkplätze in der Tasche. Am Telefon hatten drei Viertel der Befragten gesagt, sie hätten in Erding auf Anhieb einen Parkplatz gefunden. Ein Wert, der die meisten erstaunte, zumal Zählungen ergeben haben, dass den Kunden nur 1010 Parkplätze in Erding zur Verfügung stehen, "die sie auch akzeptieren". Die Hälfte sei von Dauerparkern belegt, die die Plätze "für ein Butterbrot" den ganzen Tag blockieren dürften, wie Popien sagte. Hier sah er dringenden Handlungsbedarf - nicht in der Schaffung neuer Parkplätze, sondern indem die Dauerparker umgelagert werden. Tatsächlich soll dies auch bald geschehen mit dem neuen Parkplatz am Hans-Kogler-Weg, wie Bürgermeister Max Gotz einwarf.

Zu viel Kraft solle man auf die Parkplatz-Frage aber nicht verwenden, sagte Heinritz. "Da arbeiten Sie sich an der falschen Front ab." Viel wichtiger wäre es, darauf zu achten, dass nicht noch mehr Waren außerhalb der Innenstadt verkauft würden: Teller, T-Shirts und Kerzen im Garten- oder Baumarkt. Quadratmeter für Quadratmeter würden Einzelhändler wie Obi sich diese Verkaufsflächen erobern, sagte Gotz. Aber wenn Erding vom neuen Jahr an zur Großen Kreisstadt erhoben sei, gehe die Aufgabe, dies zu kontrollieren, an das Rathaus über. Gotz ließ keinen Zweifel daran, dass er diese Aufgabe ernst nehmen wird.