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Erding:Reif für das Verfahren

Der Ringschluss-Abschnitt vom Flughafen bis Erding ist offenbar fertig geplant. Gotz kündigt bei einer SPD-Veranstaltung eine Klage an, falls die Stadt bei Unterführungen "alleine gelassen" werde

Die Planungen für den S-Bahn-Ringschluss hinken den Erwartungen offenbar nicht mehr ganz so weit hinterher, wie viele denken. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Ewald Schurer befasste sich bei einer Wahlkampfveranstaltung am Mittwoch mit einer Mitteilung des bayerischen Innenministeriums, derzufolge die Bahn in Kürze den Antrag auf Einleitung des Planfeststellungsverfahrens für den Abschnitt zwischen Flughafen und Erding stellen wird. An der Entwurfsplanung für den heiklen Abschnitt auf Stadtgebiet werde gearbeitet. Ein Zwischenfazit, das den SPD-Politiker selbst überraschte. Er wollte eigentlich mehr Tempo bei der Planung des Ringschlusses anmahnen.

Erst Ende Januar hatte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann verkündet, dass der Erdinger Ringschluss eines der wichtigsten Schienenprojekte in der neuen Legislaturperiode sei. Der Bau des ersten Abschnitts - die Neufahrern Kurve - soll im Herbst beginnen. Aber auch für den nächsten Abschnitt sind die Planungen offenbar weit gediehen, wenngleich die Gemeinden die Entwürfe offenbar noch nicht auf dem Tisch haben, wie OB Max Gotz (CSU) sagte. Er war bei der SPD-Veranstaltung ebenso zu Gast war wie die UWE-OB-Kandidatin Petra Bauernfeind. Das Innenministerium sei ja schon ziemlich weit, bemerkte staunend Schurer. Wie Gotz lobte Schurer den früheren Verkehrsminister Martin Zeil (FDP), der die Planung vorangebracht habe. Joachim Herrmann, in dessen Ministerium die Planung sämtlicher Verkehrsprojekte nun gebündelt sind, scheint die Früchte ernten zu können: Eine Antrag auf Planfeststellung für den Abschnitt nach Erding wäre ein großer Schritt nach vorne.

Heikel bleibt dagegen die Planung für den Abschnitt im Stadtbereich. Zwar betonten Schurer wie auch SPD-Stadtrat Willi Scheib, dass die Stadt Erding "ihre Hausaufgaben" gemacht habe: Sie hat die Planung für einen neuen Bahnhof verabschiedet, sie hat eine Variante festgelegt für die Verknüpfung von S-Bahn und Regionalbahn. Und sie hat Ideen für das Areal des jetzigen Bahnhofs, dessen Vermarktung Max Gotz' Wunsch zufolge zur Finanzierung einer unterirdischen Gleisführung im Stadtgebiet dienen soll. Gotz nützte die Gelegenheit, inmitten von SPD-Mitgliedern seine Sicht der Dinge darzulegen: Vorausgesetzt der Stadtrat trete geschlossen auf, stehe Erding vor "schwierigen, am Ende aber erfolgreichen Verhandlungen" um die Tieferlegung der Gleise an den Bahnübergängen Haager Straße und Bahnhofstraße, meinte er. "Erding wird den Klageweg beschreiten, wenn wir alleine gelassen werden", bekräftigte er. Auf Schurers Eingangsstatement, es habe sich "0,0" getan in den vergangenen zwei Jahren, erwiderte Gotz, es werde hinter den Kulissen "kräftig weiterverhandelt". Emotionale Debatten erwarte er vor allem zur Schienenführung durch den Erdinger Stadtpark: Dort will die Bahn zwei Gleise verlegen, was vermutlich nicht ohne ein üppiges Baumopfer gehen wird.

Vermehrte Planungsaktivitäten gibt es laut Schurer auch für den teilweise zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke von Markt Schwaben über Mühldorf nach Freilassing und ihre Elektrifizierung, die für eine komplette Wirksamkeit des Ringschlusses mit Walpertskirchen Spange unabdingbar ist. Alle Gemeinden entlang dieser Strecke sollen laut Schurer 2015 informiert werden, sagte Schurer. Sie können sich aber auch schon eigene Gedanken machen - nach Erdinger Vorbild, wie der SPD-Politiker anmerkte. "Das haben wir getan", erwiderte ihm der derzeit einzige SPD-Bürgermeister im Landkreis, Rudolf Borgo aus Wörth. Man habe schon vor Jahren angeboten, die Bahnunterführung bei Hörlkofen selbst zu bezahlen, sagte er. Denn wenn zu viele Forderungen gestellt werden würden, gefährde dies das Projekt. "Dann wird die gesamte Planung eingestampft", will Borgo erfahren haben.

© SZ vom 28.02.2014
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