Erding:Radfahren kann die Lösung sein

Lesezeit: 3 min

Erding: Momentan ist es in Erding ruhiger als sonst. Der Autoverkehr in der Innenstadt wird von vielen jedoch als problematisch wahrgenommen.

Momentan ist es in Erding ruhiger als sonst. Der Autoverkehr in der Innenstadt wird von vielen jedoch als problematisch wahrgenommen.

(Foto: Renate Schmidt)

Die Stadt Erding arbeitet an einem Mobilitätskonzept; mit der Verabschiedung von Leitlinien ist die erste Phase abgeschlossen. Ob Bus oder Rad: Alternativen zum Privatauto sollen stärker in den Fokus gerückt werden

Von Antonia Steiger, Erding

Zu viele Autos in der Altstadt stören. Zu viele Autos in den Wohnbereichen ebenso. Mehr Radverkehr wäre wünschenswert, ein verlässlicherer Takt bei der S-Bahn ebenfalls. Manches, wenn auch nicht alles kann die Stadtpolitik im Bereich Mobilität beeinflussen. Um diesem Prozess Struktur zu geben, entwickelt die Stadt Erding ein Mobilitätskonzept. Nun hat der Stadtrat zehn Leitlinien verabschiedet zum Abschluss der ersten Phase dieses Prozesses, jetzt erarbeitet das Büro Team Red das eigentliche Konzept. In den Leitlinien heißt es unter anderem, dass wichtige Einrichtungen der Nahversorgung fußläufig erreichbar sein sollen, dass sich jedermann sicher durch Erding bewegen können muss und dass der Radverkehr mehr Raum bekommen soll. Nebenbei sollen aber auch immer einige Sofortmaßnahmen umgesetzt werden, damit bei den Bürgern ankommt, dass etwas passiert.

Eine aufwendige Analyse stand am Anfang des Prozesses, alle bestehenden Studien wurden auf ihre Brauchbarkeit hin durchforstet. Dazu gab es Befragungen, Workshops mit unterschiedlichen Teilnehmergruppen und Interviews. Die Zusammenfassung dieser ersten Phase gibt bereits gut Aufschluss darüber, was den Menschen nicht gefällt und wo das Büro Team Red Optimierungsmöglichkeiten sieht, zum Beispiel bei den Buslinien. So stellt Team Red fest, dass das Bussystem zu kompliziert ist. Es gebe unzählige Linien, die uneinheitlich getaktet seien, und zu viele unterschiedliche Fahrpläne. "Selbst für Fachleute ist das Busangebot in Erding unübersichtlich", heißt es in der 50-seitigen Zusammenfassung eines 250 Seiten umfassenden Berichts. Es könne sich daher lohnen, das Busangebot "einmal grundsätzlich zu überdenken". Bisher, so heißt es an anderer Stelle in dem Papier, finde in Erding insgesamt "nur wenig systematische Kommunikation zu Mobilitätsthemen" statt. Dies sei vor allem in Hinblick auf das "komplizierte Busangebot" problematisch. Ein weiterer Aspekt zum Thema Bus: Bei der Bürgerbefragung habe es wenig Verbesserungsvorschläge zum Busangebot gegeben hab. Es entstehe "der Eindruck, dass dem Großteil der Bürger die Praxiserfahrung mit dem Busangebot fehlt". Vielleicht ist das seit dem vergangenen Winter ein wenig anders: An den Adventssamstagen durfte man in Erding kostenlos mit dem Bus fahren, damit sollten mehr Menschen zum Busfahren motiviert werden. Aber auch andere Formen der Mobilität seien erklärungsbedürftig, heißt es in dem Papier von Team Red, zum Beispiel Car-Sharing. Daher solle die Stadt "dringend" auf ihrer Website oder über andere Wege ein Informationsangebot aufbauen, "das alle Mobilitätsangebote zusammenführt". Dem Bürger müssten Handlungsoptionen aufgezeigt und er müsse zum Ausprobieren motiviert werden, nur dann sei ein Bewusstseinswandel herbeizuführen. Für Dienstleistungen wie Car-Sharing oder ein Fahrradverleihsystem sieht das Team Red Potenzial.

Und natürlich beim Radverkehr, darin sind sich die Fachleute einig mit den Bürgern. Jeder erkenne, dass der Radverkehr das Potenzial habe, die Verkehrsprobleme in Erding zu lösen. Jeder registriere auch mit Wohlwollen "die Bestrebungen der Stadt zum Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur". Ein weiterer Ausbau der Radwege stehe trotzdem ganz oben auf der Liste der Verbesserungswünsche der Bürger. Bislang dominiert jedoch der Autoverkehr die Mobilität in Erding. Viele Bürger betrachteten ihn als "praktische Lösung", heißt es. Auch die Parkplatzprobleme in der Innenstadt hätten mehrfach zu intensiven Diskussionen geführt, heißt es in dem Papier. Interessant fand das Team Red jedoch, dass die Parkplätze zwar häufig als Problem dargestellt wurden, dass bei den Verbesserungsvorschlägen aber trotzdem der Radverkehr als erstes genannt worden sei. Langfristig möchte die Stadt Erding erreichen, dass 20 Prozent des Verkehrs in der Stadt mit dem Rad erledigt wird. Herbert Maier (Grüne) hätte da gerne 30 Prozent gehabt, aber Christian Famira-Parcsetich von der Stadtplanung erwiderte ihm, eine Steigerung von jetzt 18 auf 20 Prozent ließe sich gut erreichen. Er plädierte dafür, sich "ein realistisches Ziel zu setzen". Eine bedeutende Rolle spielt in diesem Zusammenhang der Weg zum Arbeitsplatz, wenn er in Erding liegt: 55 Prozent aller Mitarbeiter der Erdinger Arbeitgeber haben der Erhebung von Team Red zufolge einen Weg zur Arbeit, der kürzer als zehn Kilometer ist. Solche Wege seien prinzipiell mit dem Rad oder dem E-Bike zurückzulegen, heißt es weiter. Entsprechend hoch dürfen die Potenziale für das Rad sein, "wenn die notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen würden". Einig sind sich demnach alle, ob Radfahrer oder Noch-nicht-Radfahrer, wie das gehen könnte: mehr und sichere Radwege.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB