Erding Polizei veröffentlicht nach Bankraub falsches Fahndungsfoto

Der Mann war der Kriminalpolizei Erding auf einem Überwachungsvideo aufgefallen. Dumm nur, dass er in der Stadt nicht eben unbekannt ist.

Von Mathias Weber, Erding

Sieht so ein Verdächtiger aus? Schwarze, nach hinten gekämmte glatte Haare und ein Drei-Tage-Bart, blauer Jogging-Anzug mit Kapuze, knöchelhohe Turnschuhe. Brillenträger. So wird der Mann beschrieben, der sich am Mittwoch, 27. März, für einige Minuten im Vorraum der Hypovereinsbank in Aufhausen aufhielt - ohne Geld abzuheben. Er hat sich nur ein wenig umgeschaut, und ist wieder gegangen. Nur zwei Tage später wurde diese Bank ausgeraubt. Der Täter drang Mitten in der Nacht ein, riss die Videokameras von der Decke und brach den Geldautomaten auf. Die Beute: 15 000 Euro.

Am Donnerstag hat die Kripo Erding ein Fahndungsfoto von dem Verdächtigen veröffentlicht, der vermeintlich zwei Tage vor der Tat die Bank ausgespäht hatte. Schnell war aber klar: Dieser Mann ist kein Bankräuber, dieser Mann ist Jürgen Freiwald. Der Erdinger ist Immobilienanbieter, in der Stadt nicht eben unbekannt und vor allem kein krimineller Dieb. Er war der Falsche.

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Dementsprechend ungläubig ist Freiwald noch immer, nachdem sich am Donnerstagmittag die Sache aufklärt hatte. Ein Erdinger News-Portal hatte das Fahndungsfoto schnell auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht, Freunde erkannten Freiwald und haben ihn sofort kontaktiert. Der ging postwendend zur Polizei und nahm mit den Erdinger Medien Kontakt auf, damit das Foto bloß keine weitere Verbreitung fand. Um 13 Uhr kommt schließlich der Widerruf der Fahndung vom Polizeipräsidium in Ingolstadt.

Der Erdinger Kriminalhauptkommissar Reinhold Buchner ist mit dem Fall betraut und zeigt sich zerknirscht: "Es ist definitiv abgeklärt, das Verhalten des Mannes war im Nachhinein plausibel." Freiwald sagt, er habe sich das neue Fachmarktcenter, in dem sich die Bankfiliale befindet, einfach mal anschauen wollen: "Das ist doch legitim", er komme ja aus der Immobilienbranche.

Das Verhalten war "sehr verdächtig", findet die Polizei

Besonders ärgert ihn, dass er ja kein Unbekannter sei. Er kenne zum Beispiel den Eigentümer des Hauses, in dem sich die Bank befindet, "und ich kann Ihnen die Namen von zehn Kriminalern sagen." Die haben das Fahndungsfoto aber wohl nicht zu Gesicht bekommen. Allerdings heißt es von der Kripo, dass vor einer Veröffentlichung das Bild auch den Mitarbeitern der Bank gezeigt wurde und man schaut, ob der Mann vielleicht Kunde ist - wie man das eben so macht.

Die Ermittlungen liefen aber ins Leere, und weil "das Verhalten sehr verdächtig war", wie Hauptkommissar Buchner sagt, hat man das Fahndungsfoto veröffentlicht. Weil die Veröffentlichung eines Fotos aber einen Beschnitt der Grundrechte darstellt, prüft zuerst die Staatsanwaltschaft und dann muss ein Gericht entscheiden.

Freiwald hat noch Glück gehabt, er hat schnell reagiert, andere falsche Verdächtige wurden schon groß in Boulevardblätter abgedruckt. Die Polizei habe sich bei ihm entschuldigt, aber schmunzeln könne er über die Sache noch nicht. "Noch muss ich schlucken", sagt er.

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