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Erding:Gerüstet für das Finale

Politischer Aschermittwoch

Die Landtagsabgeordnete Ulrike Scharf steht am 15. März auch zur Wahl, aber nur auf der CSU-Liste für den Kreistag. Sie führte durch den politischen Aschermittwoch im Erdinger Weißbräu, bei dem der Andrang so groß war, dass einige der Zuhörer nur noch einen Stehplatz ergatterten.

(Foto: Stephan Görlich)

Das Interesse an der CSU ist enorm: Nicht nur Parteifreunde, auch viele Interessierte kommen zum Aschermittwoch. Vor den Kommunalwahlen zeigt sich Landrat Bayerstorfer dankbar und OB Max Gotz kampfbereit.

Einen demütigen Landrat und einen polternden Oberbürgermeister haben die Besucher des politischen Aschermittwochs der CSU in Erding erlebt. Bis auf den letzten Sitzplatz war der Festsaal der Gaststätte Erdinger Weißbräu gefüllt. Einige mussten sich mit Stehplätzen zufrieden geben, wenn sie sehen wollten, in welcher Verfassung sich die CSU vor dem Wahlkampffinale befindet. Offensichtlich in einer guten Verfassung. Schon immer konnte sich die CSU darauf verlassen, dass sich die Reihen schließen, wenn es darauf ankommt. Die Kandidatur des Bockhorner Bürgermeisters Hans Schreiner für das Amt des Landrats wird als ein Angriff gewertet, der mit Zusammenhalt zu parieren ist.

Über den gewaltigen Zuspruch zahlreicher CSU-Anhänger aus dem gesamten Landkreis, darunter auch viele amtierende Bürgermeister, und das neugierige Interesse vieler weiterer Bürger wunderte man sich bei der CSU schon ein wenig. Aber dieser Zuspruch befeuerte die beiden Redner, Landrat Martin Bayerstorfer und Erdings OB Max Gotz. Bayerstorfer legte in sanftem Tonfall eine Leistungsbilanz vor, pries das Klinik-Erfolgsmanagement durch den Landkreis und kündigte weiter Verbesserungen wie eine Kinderstation und eine bessere Bezahlung für die Krankenhausmitarbeiter an. Ob Arbeitsplätze, Wohnraum oder Digitalisierung: Bayerstorfer sieht den Landkreis auf einem guten Weg. Darüber hinaus zeigte sich Bayerstorfer voller Dankbarkeit darüber, dass so viele Leute innerhalb und außerhalb der Politik mit ihm gemeinsam die Gesellschaft zu einer besseren zu machen versuchen. Er sei voller Dankbarkeit dafür, dass er Menschen helfen dürfe, sprach der Landrat. Wie wundervoll das sei, habe er als kleiner Bub erlebt, als sein Großvater Bürgermeister von Sulding war und er, wenn er brav war, in die Gemeindekanzlei durfte. Sein Opa habe den Menschen helfen können, und das hat den kleinen Martin demnach so beeindruckt, dass auch er nun nichts als die allergrößte Freude dabei empfinde, anderen zu helfen.

Wer zum Aschermittwoch einen anderen Ton erwartet hatte, kam bei der Rede von Gotz auf seine Kosten: Erdings OB reklamierte die Erfolge der Stadtpolitik für sich und die CSU und wandte sich gegen Aussagen der Freien Wähler, die den Bahntunnel unter der Haager Straße, der beim Bau des S-Bahn-Ringschlusses gegraben wird, als eigenen Erfolg beanspruchen. Einen Hieb bekam auch die Gruppierung Erding Jetzt ab, die mit dem Slogan "Happy Erding" für sich wirbt: "Ja, Erding ist happy, Erding braucht auch keinen anderen Oberbürgermeister", rief Gotz.

Er motivierte die Anhängerschaft der CSU zum Kampf um jede Stimme: Um 79 Stimmen habe die CSU vor sechs Jahren den 18. Sitz im Stadtrat verfehlt. So etwas ähnliches soll wohl nicht noch einmal passieren, wobei die Verhältnisse in der Stadt Erding bei diesen Wahlen so schwer wie nie vorherzusagen sind. Die CSU ist stark, die Grünen profitieren vom positiven Bundestrend, die SPD hat eine neue Mannschaft, die AfD ebenso, Erding Jetzt einen neuen Spitzenkandidaten und die Freien Wähler setzen auf Konstanz. Aus dieser unklaren Gemengelage soll die CSU so stark wie möglich hervorgehen. Gotz machte unmissverständlich klar, dass er auch künftig die Geschicke der Stadt Erding leiten will. Er erinnerte daran, dass man es der CSU vor zwölf Jahren nicht zugetraut habe. Aber jetzt stehe die Stadt Erding so gut wie nie da: sanierte Straßen und Schulen, ein finanzielles Polster, das innerhalb dieser zwölf Jahre von 37 auf 67 Millionen Euro angeschwollen sei - und das obwohl ein Sanierungsstau abgearbeitet und nebenbei eine erfolgreiche Grundstückbevorratung betrieben worden sei. Gotz und Bayerstorfer, die sich gegenseitig tiefste Freundschaft und allergrößte Hochachtung versprachen, wurden ausgiebig bejubelt.

© SZ vom 28.02.2020
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