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Erding:Nicht für alle

Grünes Licht für das 365-Euro-Ticket - allerdings profitiert davon nicht jeder Schüler und Auszubildende im Landkreis

Das 365-Euro-Ticke für Schüler und Auszubildende kommt, wenn es nach dem Strukturausschuss des Erdinger Kreistags geht. Das Gremium hat am Montag einstimmig für die Einführung votiert. Für einen Euro pro Tag, 365 Tage im Jahr, sollen vom Herbst kommenden Jahres an Schüler und Auszubildende im MVV-Gebiet Bus und Bahn nutzen können. Doch einige im Landkreis werden leer ausgehen: Kinder und Jugendliche, die mit dem Zug oder einer privaten Buslinie unterwegs sind. Kein MVV-Gebiet, kein 365-Euro-Ticket. Das sei eine große Ungleichbehandlung, monierten einige Räte.

Katrin Neueder, Fachbereichsleiterin am Landratsamt Erding, informierte den Strukturausschuss über die finanziellen Auswirkungen. Nach einer ersten Berechnung ergäben sich bei einer Einführung im MVV Mindereinnahmen von rund 30 Millionen Euro pro Jahr. Laut Ankündigung der Staatsregierung werde der Freistaat zwei Drittel davon übernehmen. "Nach ersten Berechnungen", so Neueder, kommen auf den Landkreis Erding circa 500 000 Euro zu, die an den Ausgleichsfonds zu zahlen sind. Geschätzte 350 000 Euro kämen an Einnahmeausfällen zusammen, dem ständen circa 200 000 Euro an Einsparungen im Bereich Schülerbeförderung gegenüber und eine Erstattung der Ausfälle in Höhe von maximal 350 000 Euro, so Neueder. Die Einführung des 365-Euro-Tickets für ÖPNV und Regionalbusverkehr sei aktuell für den 1. August 2020 geplant.

SPD-Fraktionssprecherin Ulla Dieckmann, der Taufkirchener Bürgermeister Franz Hofstetter (CSU), Petra Bauernfeind (Freie Wähler) und der Dorfener Bürgermeister Heinz Grundner (CSU) kritisierten eine "Ungleichbehandlung". Schüler, die mit einer privaten Buslinie oder mit der Bahn zur Schule fahren, seien von dem 365-Euro-Ticket ausgeschlossen, denn die vergünstigte Karte gelte nun mal nur für den MVV- Bereich. Pech haben zum Beispiel Schüler, die von Hohenpolding nach Taufkirchen unterwegs sind, erklärte Landrat Martin Bayerstorfer (CSU). "Das ist nicht gerecht", betonte Hofstetter. Das Angebot sollte für alle gelten. "Das sollte das Ziel sein", stimmte der Landrat zu.

Auch Petra Bauernfeind sprach von einer "Ungleichbehandlung". Denn Besitzer einer 365-Euro-Karte dürfen diese auch in der Freizeit nutzen und damit zum Beispiel nach München fahren. Kinder ohne Anspruch, "weil sie nicht im Radius wohnen", hätten diese Möglichkeit nicht. Das sei eine große Ungleichbehandlung. "Ich sehe es genauso", antwortete der Landrat. Er hoffe jedoch, dass eine Lösung für dieses Problem "nicht mehr lange" auf sich warten lasse.

Dieckmann erkundigte sich, ob das Ticket tatsächlich für Schüler und Auszubildende "unabhängig von ihrem Alter" gelte. Ja, das sei richtig, erwiderte Landrat Bayerstorfer. Für die Einführung der verbilligten Karte hat sich bereits der Freisinger Kreisausschuss ausgesprochen. Dort war bemängelt worden, dass Studenten nicht berücksichtigt werden. Das günstige Ticket geht auf eine Initiative von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zurück. Um die Sache voran zu bringen, hatte der Student Tobias Kuch aus dem Landkreis Freising eine Petition gestartet, für die inzwischen etwa 10 700 Unterschriften zusammengekommen sind. Festgezurrt werden soll das Paket für das 365-Euro-Ticket an diesem Freitag bei einem Treffen der Gesellschafter des MVV, Vertreter des Freistaats, der Stadt München und der acht beteiligten Landkreise.