Flüchtlinge machen Seepferdchen:Mit gutem Gewissen ins Wasser

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Flüchtlinge machen Seepferdchen: Mandy Schubert (vorne, 2. von rechts) freut sich mit ihren Schülern über die erfolgreiche Prüfung. In nur vier Wochen haben sie schwimmen gelernt.

Mandy Schubert (vorne, 2. von rechts) freut sich mit ihren Schülern über die erfolgreiche Prüfung. In nur vier Wochen haben sie schwimmen gelernt.

(Foto: Peter Bauersachs)

25 Flüchtlinge legen die Prüfung zum Seepferdchen ab und beweisen damit, dass sie mindestens 25 Meter weit schwimmen können. Möglich machte das die unkomplizierte Zusammenarbeit von Berufsschule und DLRG

Von Jan-Hendrik Maier, Erding

"Als ich im Sommer in der Zeitung gelesen habe, dass ein Flüchtling ertrunken ist, weil er nicht schwimmen konnte, war für mich sofort klar, dass so etwas nicht mehr passieren darf." Mandy Schubert ist Lehrerin an der Staatlichen Berufsschule Erding und betreut die Flüchtlinge, die dort das Berufsintegrationsjahr absolvieren. Da viele ihrer Schüler lediglich rudimentär oder teilweise überhaupt nicht schwimmen können, hat Schubert während der Sommerferien einen Schwimmkurs organisiert. Ende Oktober hat für die 91 jungen Erwachsenen der Unterricht im Hallenbad begonnen. Der Kurs fand innerhalb der regulären Sportstunden statt, die Teilnahme daran war jedoch freiwillig. Am Mittwoch legten 25 Flüchtlinge erfolgreich die Prüfung zum Seepferdchen ab und bewiesen damit, dass sie sich mindestens 25 Meter eigenständig über Wasser halten können. Lehrerin Schubert freut sich über den Erfolg ihrer Schüler und die "Menschlichkeit", mit der viele das Angebot angenommen haben. "Einige können jetzt nach nur vier Wochen schwimmen. Das ist großartig."

Der Kreisvorsitzende der DLRG Erding, Jürgen Hartmann, stellt fest: "Ich bin freudig überrascht, dass in kurzer Zeit so viele das Abzeichen geschafft haben und ich sie nun mit gutem Gewissen ins Wasser lassen kann." Zusammen mit drei Kollegen half er den Lehrern bei der Ausbildung. Ihre Bilanz fällt positiv aus: Motivierte und ehrgeizige Schüler, die viel geleistet hätten und lernen wollten. In einigen Fällen mussten die Ausbilder zwar "bei Null anfangen" und Teilnehmer erst an den Aufenthalt im Becken gewöhnen, aber am Ende hätten es alle geschafft. Obwohl die Jungen und Mädchen aus verschiedenen Kulturkreisen stammen, sei es nie zu ernsthaften Problemen gekommen. Lediglich bei der Abfrage der Baderegeln mussten kleinere sprachliche Hürden überwunden werden. "Es ist bewundernswert, dass es keine negativen Ausreißer gab und alles friedlich gelaufen ist", sagt Hartmann. Als Belohnung durften die Schüler nach dem Unterricht jeweils fünf Minuten ins Dampfbad gehen. Ramin Mahbobi ist stolz auf sein Abzeichen. Der 18-jährige Afghane ist "gleich Feuer und Flamme" für Schuberts Vorschlag gewesen. Besonders das Schwimmen in der Gruppe habe ihm Spaß gemacht und sei "eine gute Unterstützung" gewesen. Mahbobi freut sich über die erlernten Techniken und Bewegungsabläufe: "Ich kann jetzt besser schwimmen. Das ist toll." Für Arbi Lyazikov, 17 Jahre, aus Tschetschenien war der Kurs ein gutes Erlebnis. "Es hat mir gefallen, dass wir das machen konnten. Jetzt fühle ich mich im Wasser sehr sicher." Ähnlich sieht das sein 21-jähriger Landsmann Yusuf Asiev. Er fügt hinzu: "Ich konnte schon ein bisschen schwimmen und habe ein paar Techniken gelernt."

Mandy Schubert lobt die unkomplizierte Zusammenarbeit zwischen Berufsschule, Hallenbad und der DLRG, die auf die Prüfungsgebühren verzichtete und den erfolgreichen Flüchtlingen das Seepferdchen-Abzeichen schenkte. Jürgen Hartmann sagte, dass man für eine Neuauflage jederzeit bereit sei, sofern es der Terminkalender zulasse.

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