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Erding:Maximal drei Tage Aufenthalt

Auf dem Fliegerhorstgelände: Der CSU-Bundestagsabgeordnete Andreas Lenz (Mitte) informierte sich über die Lage im künftigen Flüchtlingscamp.

(Foto: Peter Bauersachs)

Lagebesprechung im Fliegerhorst: Erstmals werden der Öffentlichkeit Details über das künftige Flüchtlingszentrum mitgeteilt. Das zuständige Bundesamt peilt als Eröffnungstermin den kommenden Samstag an

Von Florian Tempel, Erding

Seit zwei Wochen wird mitten im Fliegerhorst Erding ein großes Durchgangszentrum für Flüchtlinge geplant und aufgebaut. Am Montag fand ein erster Pressetermin am Fliegerhorst statt. Möglich gemacht hatte ihn der Bundestagsabgeordnete Andreas Lenz (CSU), der sich selbst in Erding über das Flüchtlingszentrum informierte. Ein Eröffnungstermin des Camps, in dem neu angekommene Flüchtlinge registriert werden und nach maximal drei Tagen Aufenthalt in andere Unterkünfte in ganz Deutschland verlegt werden sollen, steht noch nicht fest. Der Pressesprecher des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf), Mehmet Ata, sagte, man peile den kommenden Samstag, 10. Oktober, an, "es kann sich aber auch noch um ein paar Tage verschieben".

Ata betonte, dass man alle neu ankommenden Flüchtlinge gleich nach ihrer Ankunft registrieren wolle. Dazu werden 70 Bürocontainer aufgestellt. Danach werden die Menschen vom Deutschen Roten Kreuz in Empfang genommen und im Camp eingewiesen. Günther Geiger, Teamleiter des DRK in Erding, erklärte, die Flüchtlinge würden dabei eine Chipkarte erhalten, die sie zur Essenausgabe benötigen. Geiger und Ata betonten, dass man Flüchtlinge, die auf eigene Faust das Camp verlassen wollten, "nicht zurückhalten kann oder darf". Neben der Buszufahrt an der Bundesstraße B 388 zwischen Unterstrogn und Emling ist auch ein kürzerer Fußweg in die Stadt in der Überlegung, sagte der stellvertretende Kommandeur, Stefan Schmid-Schickhardt.

Markus Stempfel vom Technischen Hilfswerk (THW) informierte über die umfangreichen Baumaßnahmen: Zur Unterbringung der Flüchtlinge werden vor allem 18 sogenannte Shelter, große halbrunde Betonhallen, die früher als Flugzeugunterstände genutzt wurden, winterfest gemacht. In den Hallen werden mit Holzkonstruktionen je 24 Abteile eingebaut, in denen je zwei Stockbetten und zwei Feldbetten stehen. Vor jedem Shelter, der etwa 140 Menschen Platz bietet, werden Sanitärcontainer aufgestellt. Die Container mit Duschen und Toiletten müssen allerdings erst noch aus dem Ausland besorgt werden, da in Deutschland "der Markt leergefegt ist", sagte Stempfel. Zudem ist das THW noch dabei, von einem zentralen Wasserhydranten aus einen Ringleitung durch das Areal zu legen. Ein Abwasserkanal gibt es auf dem Gelände, er müsse jedoch noch "ertüchtigt werden", sagte Stempfel.

Neben den Betonhallen werden zehn Volksfestzelte errichtet, von denen drei schon stehen. Zwei der Großzelte werden als Essensstelle gebraucht, eines wird ein großer Aufenthaltsraum. In den sieben weiteren Zelten werden ebenfalls in Abteilen für je sechs Personen 400 weitere Schlafplätze aufgebaut. Insgesamt ergibt sich somit eine Gesamtkapazität für ungefähr 4300 Personen. Das THW arbeitet mit etwa 50 eigenen Kräften und wird an den Abenden und Wochenenden von bis zu 120 ehrenamtlichen THW-Helfern verstärkt. Dazu kommen ständig anwesende "helfenden Hände" der Bundeswehr: 50 Pioniere und 33 Gebirgsjäger sind im Einsatz .

Noch in Arbeit ist ein 3500 Meter langer Zaun, der das Flüchtlingscamp vom militärischen Bereich des Fliegerhorstes abgrenzt und bis zum Ein- und Ausgang an der Bundesstraße B 388 zwischen Unterstrogn und Emling reicht. 1200 Pfosten sind bereits aufgestellt. Da es keine fertigen Zaunpfosten gab, sind diese in den vergangenen Tagen aus Stahlrohren in den Werkstätten des Fliegerhorstes hergestellt worden. Der Stacheldraht ist schon angeliefert, der Maschendrahtzaun wird in diesen Tagen erwartet. Auch die Elektroleitungen können erst in einigen Tagen verlegt werden, da die Planungen hierfür erst am Sonntagabend abgeschlossen wurden.

© SZ vom 06.10.2015

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