DM Masters : Motiviert und gelassen

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Eva Nohl vom TSV Langenzenn, Jahrgang 1948, hält seit dem 1. April den W-75-Weltrekord. (Foto: Renate Schmidt)

Wettkämpfe mit 70, 80 oder gar 90? Bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften der Klassen 35 aufwärts in Erding zeigen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, was man im hohen Alter sportlich noch alles leisten kann.

Von Ambros Maria Karner, Erding

Es ist Freitag, der erste Tag der DM Masters. Die zwei Kilogramm schwere Kugel wird von der Werferin mit dem daran befestigten Stahlseil hochgehoben. Sie pendelt das Wurfgerät, den Hammer, hin und her, bis es in Schwung kommt. Sie dreht sich: einmal, zweimal, dreimal – mit immer größerer Geschwindigkeit. Endlich: der Wurf. Für eine kurze Sekunde sieht man den Hammer nicht mehr. Für einen Augenblick verschwindet er im schönen blauen Himmel über Erding. Er landet. Der Schiedsrichter verkündet: 38,27 Meter. Das war der beste Hammerwurf des Tages. Die 75-jährige Werferin heißt Eva Nohl und hält seit dem 1. April den W-75-Weltrekord, wie sie glücklich erzählt.

Am Freitag, zum Auftakt dieser dreitägigen den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in den Altersklassen ab 35 Jahren aufwärts im Erdinger Sepp-Brenninger-Stadion, standen bereits einige vielfältige Disziplinen auf dem Programm: vom Kugelstoßen und Hammerwurf bis hin zu 200-, 400- und 1500-Meter-Läufen sowie Hürdenrennen. Am Samstag und Sonntag wurden die Wettkämpfe fortgesetzt.

Matthias Ströher, der Wettkampfkoordinator des Deutschen Leichtathletik Verbandes (DLV), spricht am Freitagnachmittag von „1060 Teilnehmern, die über das gesamte Wochenende von knapp 200 Helfern unterstützt werden“. Die Teilnehmer kommen aus ganz Deutschland. „Eine Frau ist sogar aus Flensburg bis hierhergekommen“, erzählt der Wettkampfkoordinator, der über zweieinhalbtausend Besucher am Wochenende erwartet. Zu den ältesten Teilnehmern zählen Wanda Krempl (Jahrgang 1933), Josef Riedl (1932) und Hermann Kemmler (1931). Ein Beweis dafür, dass man auch im hohen Alter noch aktiv sein kann. Alle drei treten an diesem sonnigen Freitag an.

Die schlechten Wettervorhersagen für den Samstag schrecken den DLV allerdings nicht ab: „Wir haben Pavillons und Zelte, bei kleinen Regenschauern wird der Wettkampf einfach weitergeführt“, erklärt Matthias Ströher.

86 Jahre alt, mit zahlreichen WM-Medaillen dekoriert – und immer noch voller Tatendrang

Eine Zuschauerin aus Altenerding genießt die Sonne auf den Tribünen, während die 300-Meter-Hürden gelaufen werden. „Ich wusste heute noch gar nichts von der Veranstaltung“, erzählt die Frau. „Ein junger Mann fragte mich, wo der Stadtpark sei, und ich begleitete ihn bis zum Eingang. Ein wahrer Glücksfall.“ Ein Mann sieht sich währenddessen begeistert das Rennen an. Es stellt sich heraus, dass er nicht nur ein leidenschaftlicher Zuschauer, sondern auch ein renommierter Teilnehmer ist.

Arnold Schroth, 86 Jahre alt, kommt aus Ludwigshafen am Rhein, „der Geburtsstadt von Bundeskanzler Helmut Kohl“, wie er betont. Am Samstag hat er seinen 400-Meter-Lauf und am Sonntag rennt er die 200 und 800 Meter. „Seitdem ich 2017 am Herz operiert wurde und einen Herzschrittmacher bekommen habe, soll ich nicht mehr Langstrecken laufen. Außerdem ist das Trainieren zu zeitaufwendig“, sagt er. Bei den kurzen Strecken gilt allerdings Arnold Schroth als einer der Favoriten. 2015 gewann er bei der Weltmeisterschaft in Budapest die 3 x 8000-Meter-Staffel der Klasse M 75 und 2019 wurde er in Toruń, Polen, wieder Weltmeister mit der 3 x 6000-Staffel. 2023 und 2024 wurde er Vizewelt- und Vizeeuropameister im 400-Meter-Lauf. Jetzt fehlt ihm nur noch 2025, bemerkt er lachend.

Es herrscht eine angenehme Atmosphäre, es geht drum, Spaß zu haben

Die Stimmung ist gelassen. Mehrere hundert Zuschauerinnen und Zuschauer unterhalten sich im Schatten der Tribünen oder unter der Sonne auf den benachbarten Wiesen. Kinder spielen Fußball oder skaten in dem nahegelegenen Skatepark. Die Parkplätze sind überfüllt. Der Tag ist ein Erfolg.

Eine Schiedsrichterin aus München, Uschi Hagr, kommt mit einem großen Lächeln näher und erzählt von ihrer Liebe zur Leichtathletik. 1978 machte sie die Schiedsrichterausbildung. Nun arbeitet sie seit Jahren ehrenamtlich in ganz Deutschland für ihre Leidenschaft. Sie ist nur eine von vielen Menschen, die dieser Sportart ihr Leben gewidmet haben. Die Atmosphäre des Wettbewerbs ist einzigartig und „für Konkurrenz ist kein Platz“, unterstreicht eine Zuschauerin. Das Wichtige ist, Spaß zu haben und dies bei einem Glas Bier und einem schönen Gespräch zu genießen.

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