Süddeutsche Zeitung

Erding:Lauter Müllexperten

Die Bürger trennen die Abfallstoffe gut, das kommt dem Landkreis finanziell zugute. Jetzt müssen die Gebühren für die kommenden vier Jahre neu kalkuliert werden

Von Antonia Steiger, Erding

Die Bürger im Landkreis wissen, auf welchen Wegen sie ihren vorsortierten Müll loswerden können. Die Mengen an Wertstoffmüll steigen, die Restmüllmenge sinkt. Jetzt hat der Ausschuss für Klima, Natur, Struktur, Umwelt und Verkehr beschlossen, dass auf Basis der neuesten Zahlen die Gebühren für die kommenden vier Jahre neu berechnet werden sollen. Es gibt nur kleine Änderungen, wie sie die Abteilung für Abfallwirtschaft am Landratsamt vorgeschlagen hat. Zum Beispiel gibt es nun vier Sperrmüllsammlungen im Jahr. Jeder einzelne darf aber nur einmal etwas abholen lassen, andernfalls kostet es.

Die hohe Akzeptanz des Müllsystems gelte sowohl für die Gebühren als auch für die Wege, auf denen man hier seinen Abfall loswerden kann, davon zeigt sich Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) überzeugt. Es gebe kaum Beschwerden, sagte er in der Sitzung. Nur Neuankömmlinge meldeten sich hin und wieder, die meisten akzeptierten dann aber die Erläuterungen, wie der Fachbereichsleiter Andreas Neumaier bestätigte. Dass es im Landkreis nur einen gelben Sack und keine gelbe Tonne gebe, wird trotz Wünschen einiger Bürger auch künftig so bleiben. Für gelbe Tonnen sei es in der Stadt zu eng, dort verzichteten viele aus Platzgründen schon auf die Papiertonne. Weil der Entsorger landkreisweit nur einen Weg anbieten möchte, bleibt es beim gelben Sack, auch weil bei der gelben Tonne die Gefahr von Fehlwürfen steigt, weil keiner sieht, was in der Tonne landet. Weil das System so gut läuft, soll die Basis für die neue Gebührenkalkulation im Wesentlichen die gleiche bleiben. Die neue Kalkulation wird nochmals zur Abstimmung vorgelegt, die neuen Gebühren gelten dann von 1. Januar 2022 bis 31. Dezember 2025.

Das Bewusstsein für die Wertigkeit des Abfalls nimmt weiter zu, das belegen die Zahlen, die Neumaier vorlegte. In zehn Jahren sei die Einwohnerzahl um zehn Prozent gewachsen, die Menge des Restmülls nur zum sechs Prozent. Der gesamte andere Abfall wird demnach einer Wiederverwertung zugeführt, sei es über die Tonnen für Biomüll oder Papier vor der eigenen Haustür, über die 120 Containerstellplätze oder über die 30 Recyclinghöfe, die auch Wachs, Korken, Elektromüll, Eisen und Hartplastik annehmen, wenn auch nicht alle. Dazu kommen 60 Sammelstellen für Problemmüll. Und alles ist in der Gebühr enthalten.

Zuletzt sind die Abfallmengen nochmals gestiegen, weil die Menschen während der Beschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie mehr Zeit zuhause verbracht haben. Bei Leichtverpackungen und Glas wuchs die Menge im Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr um etwa 15 Prozent an. Ebenso beim Bauschutt, weil viele zuhause selbst Hand angelegt haben.

Insgesamt fielen im vergangenen Jahr 76 000 Tonnen Müll an, davon 53 000 Tonnen Wertstoffe und 23 000 Tonnen Restmüll. Von den 53 000 Tonnen Wertstoffmüll entfiel mit 13 000 Tonnen der größte Batzen auf den Biomüll, dazu kamen 10500 Tonnen Altpapier und 9000 Tonnen Grüngut. Das ist auch für die Kasse des Landkreises gut, der die Wertstoffe verkauft. Das spülte 1,3 Millionen Euro in die Kasse. Aus den Gebühren inclusive der Kosten für die Entsorgung an der Müllumladestation Isen hat der Landkreis etwa zehn Millionen Euro eingekommen.

Nicht aufgegriffen wird der Vorschlag von Thomas Gneißl (Freie Wähler), Bürgermeister von Wörth, der sich eine doppelt so häufige Biotonnen-Leerung im Sommer und dafür weniger im Winter gewünscht hatte. Weil Biomüll und Restmüll im Landkreis Erding vom gleichen Betrieb abtransportiert werden, eine Woche das eine und die andere Woche das andere, würde eine höhere Frequenz hohe Kosten nach sich ziehen, weil mehr Autos und Personal nötig seien. Machbar wäre es, hieß es, aber es wäre viel teuerer. Auch der Wunsch von Gertrud Eichinger (SPD) nach mehr Kleinelektroschrott-Sammelstellen an den kleineren Recyclinghöfen wird nicht erfüllt. Wie Neumaier sagte, sind Containergrößen für den Elektroschrott vorgeschrieben, und dafür fehle oft der Platz. Außerdem gebe es bei Elektroschrott auch einiges zu wissen, damit es nicht zu Fehlwürfen komme. Auf seien Vorschlag hin bleibt es bei den bewährten Annahmestellen.

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SZ vom 16.06.2021
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