Erding Landkreis trotzt dem Lehrermangel

In Erding ist die Situation noch einigermaßen verkraftbar. Aber das Schulamt stößt mit der mobilen Reserve an seine Kapazitätsgrenzen - alle 36 Kräfte sind im Einsatz

Mathias Weber

Volle Schulen hat der Landkreis Erding. Auf der Lehrerseite ist die Lage nun allerdings etwas kritisch: Die gesamte mobile Reserve ist im Einsatz.

(Foto: Bauersachs)

- Seit Montag ist es so weit. Seit diesem kalten und verschneiten Tag darf im Landkreis Erding an den Mittel- Grund und Hauptschulen kein Lehrer mehr für längere Zeit ausfallen. Denn die sogenannte mobile Reserve ist voll ausgeschöpft. Das ist ein Pool von frei verfügbaren Lehrern, der vom Schulamt organisiert wird: Fällt etwa an einer Volksschule ein Lehrer wegen Krankheit für längere Zeit aus, wird diese Stelle aus der mobilen Reserve besetzt. Doch nun muss der Erdinger Schulamtsleiter Hans-Rudolf Suhre verkünden: "Die mobile Reserve ist erschöpft, wir haben keine Lehrer mehr zur Verfügung." Alle 33 Volksschullehrer und drei Fachlehrkräfte sind im Einsatz.

Grund für die angespannte Lage bei der Reserve ist zum einen die Krankheitssaison: Eine kleine Grippewelle greift um sich. Auf der anderen Seite musste Suhre eine Reihe von Schwangerschaftsmeldungen verkraften, diese Kräfte müssen auch ersetzt werden.

An der Erdinger Mittelschule ist in dieser Woche ein Lehrer aus der mobilen Reserve im Einsatz, eine Kollegin wurde krank geschrieben. Was würde aber nun passieren, wenn noch ein Lehrer krank werden würde? Petra Leubner, Rektorin der Erdinger Mittelschule, sagt: "Dann muss eine andere Lösung gefunden werden." Und die würde so aussehen, dass die anderen Lehrer einspringen müssten und dann auch der Extremfall droht: "Dann müsste die eine oder andere Stunde auch ausfallen", sagt Leubner. Doch betont sie auch, dass in solchen Fällen auch immer in Abstimmung mit dem Schulamt eine Lösung gefunden werden kann: "Das Amt ist immer sehr bemüht."

Leubner wie auch andere Schulleiter im Landkreis, mit denen die SZ gesprochen hat, sehen trotz des derzeitigen Engpasses bei der mobilen Reserve keinen grundsätzlichen Lehrermangel. Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband hatte "reihenweise Unterrichtsausfälle" gemeldet und die Sparpolitik der Landesregierung kritisiert. Als Beispiel wurde die Situation im Landkreis Fürstenfeldbruck genannt. Dort fehlten nach BLLV-Angaben zehn Lehrkräfte, 26 Klassen seien unbetreut. Eine Zahl, die sich Schulamtsleiter Suhre wie auch die befragten Schulleiter nur schwer vorstellen können. Unisono versichern sie, dass es an ihren Schulen keinen akuten Lehrermangel gebe.

Die weiterführenden Schulen im Landkreis - Realschulen und Gymnasien - können sich nicht auf eine Art mobile Reserve verlassen. An diesen Schulen herrscht das Fächerprinzip, das heißt, ein Lehrer unterrichtet nicht eine Vielzahl von Fächern, sondern ist spezialisiert. Mögliche Unterrichtsausfälle müssten diese Schulen daher kurzfristig selbst verkraften. Längerfristige Ausfälle würden hauptsächlich von angestellten Lehrkräften übernommen, also von nicht verbeamteten Personen. Am Anne-Frank-Gymnasium in Erding gibt es laut Schulleiterin Helma Wenzl derzeit von 100 Lehrern im Kollegium fünf angestellte. Eine überschaubare Zahl - mehr Sorgen als ein möglicher Unterrichtsausfall ("der Pflichtunterricht ist gesichert") macht ihr ein struktureller Lehrermangel, der sich seit einigen Jahren abzeichne.

"Es ist immer schwieriger, Lehrer für die MINT-Fächer zu finden", sagt Wenzl. Die Abkürzung steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Hinzu kämen auch Latein, Kunst und Sport. An Lehrern für geisteswissenschaftliche Fächer - Deutsch und Englisch beispielsweise - gebe es keinen Mangel. Um die Mangelfächer aber weiterhin unterrichten zu können, greift das Anne Frank-Gymnasium auf angestellte Lehrer zurück. Gerhard Motschmann, Schulleiter des Gymnasiums Dorfen sagt, man müsse in solchen Fällen intern umorganisieren. "Wenn beispielsweise ein Lehrer Mathematik und Geografie unterrichtet, wird er in Zukunft viel mehr Mathe unterrichten müssen." Motschmann kann sich erinnern, dass es dieses strukturelle Problem bereits früher gegeben hat. Er plädiert dafür, mehr in die Attraktivität dieser Fachrichtungen zu investieren.